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Warum die Bayerische Verwaltungsschule bauen will

Die Teilnehmerzahlen an Aus- und Fortbildungen steigen. Ist die Unterbringung in eigenen Räumen nicht möglich, müssen Hotels angemietet werden – das verursacht hohe Kosten

Auf dem derzeitigen Tennisplatz soll ein weiteres Seminar- und Übernachtungshaus entstehen mit drei Geschossen, einer Höhe von knapp zehn Metern und Platz für 30 Gästezimmer mit je zwei Betten. Für die zusätzlichen Gäste muss auch Parkraum geschaffen werden.

Deshalb sollen vor dem Haus Panorama 15 Stellplätze angesiedelt und der Parkplatz mit einem Parkdeck überbaut werden (der Ammersee Kurier berichtete). Noch ist das Vorhaben als Projektstudie deklariert.

Neben einer Bauvoranfrage bei der Gemeinde laufen Gespräche mit den Anwohnern, denen bei inzwischen zwei Terminen die Pläne vorgestellt wurden, wie Thorsten Riedle vom BVS Holzhausen und Thomas Brandl, Leiter der Geschäftsstelle Bildungszentrum, beim Vororttermin berichten. Hauptdiskussionspunkt ist dabei das Parken. Fakt ist: Es müssen zusätzliche Parkflächen auf dem Gelände geschaffen werden. Brandl zählt die drei Möglichkeiten dazu auf.

Die mit Abstand teuerste ist eine Tiefgarage. „Grob geschätzt wird sie das Dreifache kosten.“ Der Boden wurde noch nicht untersucht, man wisse aber, dass das Grundwasser teilweise hoch stehe. Zweite und favorisierte Variante ist das Parkdeck. Dabei wird zuerst abgegraben, um ein Fundament anzulegen. Rund ein Viertel des auch von der Holzhausener Jugend gern genutzten Bolzplatzes würde verloren gehen, würde die Parkfläche oberirdisch ausgeweitet werden. Derzeit liegen die Pläne zur Stellungnahme bei der Schlösser- und Seenverwaltung sowie beim Landratsamt Landsberg. Intern finden beim BVS Wirtschaftlichkeitsprüfungen statt. „Wir sind eine Körperschaft des öffentlichen Rechts und müssen uns selber tragen“, erklärt Brandl. Die BVS wird 2020 100 Jahre alt. Die Planungen für die 100-Jahr-Feier laufen bereits; Ende 2019 wird es einen Empfang auf dem Nockherberg geben, verrät Brandl – mehr aber auch nicht. Die BVS hat den gesetzlichen Auftrag, Aus- und Fortbildung für den öffentlichen Dienst anzubieten. Zumeist sind es Mitarbeiter von Gemeindeverwaltungen oder Landratsämtern, die sich hier auf dem idyllischen Gelände direkt am Ammersee Wissen aneignen.

Dabei steigen die Teilnehmerzahlen in allen Bereichen. Dafür nennt Brandl zwei Gründe: Zum einen gehen in den nächsten zehn Jahren zwischen 20 und 30 Prozent der Arbeitnehmer in Rente. Um die Lücken zu füllen, müssen die Verwaltungen Personal aufstocken und qualifizieren. Zum anderen hat die öffentliche Hand immer mehr Aufgaben zu erfüllen. Fünf Bildungszentren unterhält die BVS, neben Holzhausen in München, Lauingen, Nürnberg und Neustadt an der Aisch. Drei davon haben einen Hotelbetrieb, jedoch reichen die Kapazitäten nicht mehr aus, es müssen Hotelzimmer zugebucht werden.

So sind in Holzhausen die Übernachtungstage von 29 000 in 2006 auf 39 000 in 2018 gestiegen. Die sogenannten externen Übernachtungen sind in allen fünf Einrichtungen von 15 000 in 2006 auf 65 000 in 2018 gestiegen. „Der wirtschaftliche Aufwand ist groß, deshalb wird geprüft, ob Bauen günstiger ist“, so Brandl. Sanierungen stehen in Holzhausen aber auf jeden Fall an, denn im Zentralgebäude sind Küche und Gebäudetechnik bereits 35 Jahre alt.

23 Personen sind bei der BVS in Holzhausen beschäftigt. Dozenten sind dabei nicht eingerechnet, denn diese rotieren zwischen den Schulen. Knapp 20 hauptamtliche Dozenten sind bei der BVS angestellt, der weit größere Teil, nämlich 1 100, sind nebenamtliche Dozenten, erfahrene Mitarbeiter aus Verwaltungen, wie zum Beispiel Kämmerer. Das Lernangebot reicht von Ausbildung – größte Gruppe stellt dabei der Verwaltungsfachangestellte dar, eine dreijährige Berufsausbildung – bis Fortbildung, zum Beispiel bei den Themen Bauen und öffentliche Sicherheit. „Im Bereich Fortbildung ist unser Programm so dick wie ein Telefonbuch“, schmunzelt Brandl.

Von Dagmar Kübler

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