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Kultur

Vergnügliches Verwirrspiel

Die Komödie „Otello darf nicht platzen“ feierte am Sonntagabend Premiere in Dießen

Das ist die amüsante Ausgangssituation für einen höchst unterhaltsamen Abend, den Regisseur Alois Kramer und seine muntere Theatertruppe aus Kempten dem begeisterten Dießener Publikum schenkten. Zwei weitere Vorstellungen wird es kommenden Freitag und Samstag, 7. und 8. Juni, jeweils um 19 Uhr auf dem Gelände der Tierklinik am Seehof 2 geben.

Seinen Ursprung hat das Stück am New Yorker Broadway, wo es 1985 herauskam und bald weltweit erfolgreich war. Wenn Maria Merelli (Hanne Grath) mit ihrem Mann im Schlepptau die Bühne beziehungsweise das Hotelzimmer betritt, versprüht sie bis in den letzten Winkel italienisches Temperament.

Gegen soviel Leidenschaft und Eifersucht hat Tenor Tito (Alois Kramer) keine Chance. Als er erschöpft und wie tot in seinem Bett liegt, hat der Operndirektor (Franz Summerer) ein dickes Problem und einen drohenden Skandal am Hals.

Dass schließlich sein begabter Assistent Max (Michael Linder) als Otello einspringt, während der echte Sänger ebenfalls in Kostüm und Maske herumirrt, das bietet reichlich Stoff für ein zweieinhalbstündiges Verwirrspiel. Kramer hat die Komödie tempo- und einfallsreich inszeniert: Das Bühnenbild zeigt zwei Zimmer gleichzeitig, in denen sich die Schauspieler irrwitzige Versteckspiele liefern.

Schlag auf Schlag fallen die Pointen, aber trotz erotischer Verwicklungen nie bis unter die Gürtellinie.

Für die rasante Situationskomik spendete das Dießener Publikum immer wieder Szenenapplaus; eine klemmende Tür oder ein Hund, der ungeplant über die Bühne sauste, steigerten das Vergnügen der Zuschauer nur noch mehr.

Für Lachtränen sorgen in der Komödie auch mehrere Frauen, die mal mit dem echten, dann wieder mit dem falschen Otello-Darsteller flirten und so ihre eigene Karriere voranbringen wollen. Nastassja Rees, Inge Lingg und Christa Schlagenhaft füllen ihre Rollen mit viel Charme aus, Wolfgang Kirsch ist als Page zu sehen und für das mit viel Liebe zum Detail gestaltete Bühnenbild verantwortlich.

Gesungen wird in dem witzigen Doppelgänger-Spiel auch und das keineswegs mit dem oft üblichen Playback. Live auf der Bühne bieten Michael Linder und Alois Kramer „La donna è mobile“, die Kanzone des Herzogs von Mantua aus dem dritten Akt von Giuseppe Verdis Oper Rigoletto aus dem Jahr 1851. Auch für ihr gefühlvolles Duett gab es verdienten Szenenapplaus.

Von Peter Stöbich

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