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Kultur

Unique Moments – Liberation Concert

Am 27. September in St. Ottilien zum Gedenken an die Befreiung Leningrads

Mit dem zweiten Liberation Concert erinnern die Veranstalter und Gäste der Ammerseerenade nicht nur an die jüdische Klostergeschichte 1945 bis 1948 mit dem legendären Befreiungskonzert jüdischer Musikerinnen und Musiker, sondern auch an das Ende der menschenverachtenden Leningrader Blockade vor 75 Jahren, deren Zeitzeuge Dirigent Fedoseyev (86) am Pult steht. Für Toleranz, Freiheit und Wahrheit – dafür steht das „Artist in Residence-Stipendiat“, mit dem das Kloster St. Ottilien ab 2020 alle zwei Jahre künstlerische Impulse in einer sich radikal verändernden Welt setzen möchte. „Musik kennt keine Grenzen und Sprachbarrieren und baut Brücken zwischen Menschen – unabhängig von ihrer Nationalität, ihrer Religion oder ihrem kulturellen Hintergrund. Dieses Festival setzt ein spürbares Zeichen für die verbindende Kraft der Musik und gegen Intoleranz und Ausgrenzung. Das künstlerische Zusammenspiel unterschiedlicher Kulturen ist eine wertvolle Bereicherung für unser gesellschaftliches Miteinander“, betont Staatsminister Sibler.

Auch in diesem Jahr hat Dr. h.c. Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, die Schirmherrschaft für das Konzert übernommen: „Das Liberation Concert liegt mir am Herzen, weil es um mehr als ein großartiges musikalisches Erlebnis geht. Das ist es natürlich zu allererst dank der herausragenden Musiker von Weltformat. Doch Maestro Fedoseyev, die wunderbare Elisabeth Leonskaja und das Tchaikovsky Symphonie Orchester Moskau betten auch Gedenken und Erinnerung, unendliche Trauer und unendliche Freude in die Musik. So finden im zweiten Liberation Concert das Gedenken an die Opfer der Blockade von Leningrad und des Holocaust, die Freude der (Über-)Lebenden – und nicht zuletzt die Mahnung an uns alle, einen tiefen Ausdruck, Freiheit und Demokratie zu verteidigen.“

42 Musikerinnen und Musiker treten dafür die Reise aus Moskau an den Ammersee an, ein Orchester, das seit 1930 als Musikbotschafter Russlands das Publikum in aller Welt begeistert. Seit 1974 leitet Vladimir Fedosejev den großartigen Klangkörper und hat ihm in diesen Jahrzehnten ein charakteristisches Profil gegeben. Unvergesslich auch seine Jahre als Chefdirigent der Wiener Symphoniker und Gastdirigent von Spitzenorchestern wie den Berliner Philharmonikern, der Wiener Staatsoper oder Mailänder Scala.

Elisabeth Leonskaja wurde als Tochter russischer Eltern – die Mutter war Jüdin – in Tiflis geboren und galt schon früh als Wunderkind, das im Alter von elf Jahren erste Klavierkonzerte gab. 1964 begann sie ein Studium am Moskauer Konservatorium bei Jacob Milstein, gefördert vom renommierten Pianisten Swjatoslaw Richter.

In dieser Zeit gewann sie Preise bei internationalen Wettbewerben in Bukarest, Brüssel und Paris. Sie verließ 1978 die Sowjetunion und lebt seitdem in Wien. Zahlreiche CD-Einspielungen und Auftritte in der ganzen Welt, wie bei den Salzburger Festspielen, und die Zusammenarbeit mit den bedeutenden Dirigenten ihrer Zeit und nahezu allen erstklassigen Orchestern wie den Berliner Philharmonikern zeugen von ihrer internationalen Anerkennung. Sie ist Ehrenmitglied des Wiener Konzerthauses.

Das Klassikfestival Ammerseerenade präsentiert sich heuer mit einem kleineren, aber umso feineren Konzertprogramm. Mit 25 Konzerten in Kapellen und Kirchen, dem großen Benefizkonzert in St. Ottilien und zwei Musikveranstaltungen in München lädt der Veranstalter Kultur am Ammersee e.V. diesmal zu einer kurzen Saison.

Mit der Ammerseerenade präsentiert sich der als Geheimtipp gehandelte „Künstler- und Bauernsee“ seit sechs Jahren mit einem erstklassigen Klassikfestival vor den Toren Münchens. Vorverkauf unter www.ammerseerenade.de. (pm)

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