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Um die Welt mit gewagten Sprüngen

Klippenspringerin Iris Schmidbauer aus Pähl – World Cup in Beirut und FINA-WM in Gwangju

Männer starten aus einer Höhe von 27, Frauen aus etwa 20 Metern. Es können auch mal mehr sein, wie gerade in Beirut. „Ich habe als Jugendliche am Uttinger Sprungturm angefangen, der hat zehn Meter. Vor einigen Jahren schaffte ich 15 Meter, hier beim World Cup in Beirut war es ein Sprung aus 22 Metern“, sagte Schmidbauer, als sie dort jetzt am 13. Juli den vierten Platz errungen hatte, ein weiterer Erfolg. Die 24-Jährige ist zielstrebig – im Training und in ihrer Berufsausbildung. Sie verbindet beides miteinander, absolvierte ein Studium der Sporttherapie im englischen Plymouth, wo sie auch eine Sprungschule besuchte und im nahegelegenen „Adrenalin-Quarry-Park“ gute Trainingsmöglichkeiten hatte. „Aber leider ist das Meerwasser des Ärmelkanals ziemlich kalt,“ meint sie. Also musste sie immer den Neoprenanzug anziehen.

Der Beiruter World Cup ist Teil der „Cliff Diving World Series“, die von Red Bull ausgerichtet wird. Hier hatte sie das Treppchen knapp verfehlt. Zehn Tage später in Gwangju war High Diving Teil des WM-Programms. Der Pool hatte 15 Meter Durchmesser, sechs Meter Tiefe. Von oben sehe er etwas klein aus, meinte Schmidbauer und lachte: „Hoffentlich treffe ich ihn!“ Sie traf ihn gut bei ihren vier Pflichtsprüngen. Aber allein das gibt noch keine Punkte. Mit den ersten beiden Sprüngen landete sie unter den dreizehn Teilnehmerinnen auf Platz elf. Dann legte sie noch einmal nach und beschloss, alles auf eine Karte zu setzen. In Beirut holte sie mit ihrem „Joker-Sprung“ den vierten Platz, das könnte auch hier klappen. Der Dreifach-Rückwärtssalto mit Doppelschraube ist die schwierigste Figur für Frauen. Zum dritten Mal überhaupt sprang sie nun diese Kombination. Harte Disziplin ist gefragt, bis das sitzt. Die Abläufe müssen im Kopf und in den Gliedern genauestens verankert sein, denn viel Zeit zum Überlegen oder gar für Korrekturen gibt es nicht. Bei etwa 80 Stundenkilometern sind die 20 Meter in knapp drei Sekunden vollbracht. Ihre Entscheidung lohnte sich zwar, sie kam am Ende auf den achten Platz – aber sie hatte sich mehr erhofft. Doch sie lässt sich nicht entmutigen. Denn sie ist eine richtige Kämpferin, scheint nie den Mut zu verlieren und schon gar nicht die Hoffnung und das Vertrauen in sich selbst: „Dann klappt es vielleicht das nächste Mal bis aufs Treppchen. Das hier in Gwangju ist wieder eine tolle Gelegenheit, um Erfahrungen zu sammeln und eben auch, um wieder ein Stück besser zu werden.“ Gesiegt hat die stärkste Konkurrentin der einzigen Deutschen in dieser Gruppe, die Australierin Rhiannan Iffland, Zweite wurde Adriana Jimenez aus Mexiko und auf den dritten Platz kam die Britin Jessica Macauly. Iffland und Jimenez musste sie sich schon in Beirut geschlagen geben, wie so manches Mal zuvor. Aber sie wird ihnen immer wieder begegnen – spätestens im nächsten Wettkampf und immer freundschaftlich. Also lebe sie weiter aus dem Koffer, sagt sie, reise zwischen den aufregenden Wettkampforten und Dresden, wo sie derzeit trainiert, hin und her.

Ein großes Ziel für Iris Schmidbauer heißt Olympia. Aber dafür gilt es noch eine ganz andere Klippe zu schaffen, nämlich die Anerkennung des High Diving als Disziplin. Bis Tokio nächstes Jahr wird es nicht klappen, vielleicht aber bis Paris 2024.

von dr. sabine vetter

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