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Ammersee Kurier Spezial

Schlichte Eleganz überzeugte die Jury

75 Kunstwerke geben bei der Ausstellung und Preisverleihung des Keramikpreises im Traidtcasten einen Einblick in die Kreativität internationaler Keramikkünstler

Die Spannung lag bereits in der Luft, als die zahlreichen Besucher vor der Preisverleihung durch die von Bildhauerin Iris von Huene und Kunsthistorikerin Eva-Maria Lösche arrangierte Ausstellung gingen. Internationales Stimmengewirr, in Grüppchen wurde intensiv über einzelne Stück diskutiert. Die Vielzahl an höchst unterschiedlichen Werken und Ausführungsarten zum Thema „Serie und Unikat“ ließ erahnen, dass die Jury eine schwere Entscheidung zu treffen hatte. Marktleiter Wolfgang Lösche spannte die Besucher zudem gekonnt auf die Folter, indem er Hinweise auf die Gewinnerin nur tröpfchenweise platzierte. „Die handwerkliche Keramik lebt von kleinserieller Herstellung. Einzelne Stücke haben Unikatcharakter. Ihr Beitrag vereint beides auf kongeniale Art und Weise“, so Lösche. Viele Jahre sei die Gewinnerin hier schon vertreten und überrasche immer wieder mit ihrem Gespür für Gestaltung und ihrer Kreativität. Und während der Abend den Ammersee in weiches Licht tauchte und ein letzter heller Lichtstrahl das Kloster Andechs wie den Hauptdarsteller der Szenerie beleuchtete, fiel der Name: Juliane Herden. Freudentränen in den Augen, sichtbar nach Luft schnappend und mit roten Wangen nahm die völlig überraschte und überglückliche Ausgezeichnete dann ihren mit 4000 Euro dotierten Preis entgegen.

Stifter ist Brennofen Rohde, vertreten durch Helmut Rhode und seine beiden Söhne. Sie hatten den Preis, der sich, wie Lösche sagte, von Anfang durchgesetzt hatte, initiiert und heuer um 1000 Euro erhöht.

Herden hatte sich keine Chance auf den Preis eingerechnet. Zu gewinnen sei eher ein langfristiger Traum von ihr gewesen, wenn sie sich einmal einen Namen gemacht habe, sagte sie dem Ammersee Kurier.

Herden hat eine Gruppe aus drei ovalen Gefäßen geschaffen, schlicht in creme und grau. Sie sind aus Platten zusammengebaut und haben eine kontrastreiche Oberfläche, die den Eindruck von gerissenem Papier suggeriert und eine starke, grafische Wirkung hat. „Jedes Stück wird zum Unikat und zeigt eine intensive Auseinandersetzung mit diesem Prinzip“, so Lösche. Im Gespräch erklärte Herden dem Ammersee Kurier, wie ihre Kunstwerke entstanden sind: „Zuerst gieße ich Porzellangießmasse auf Platten, dann kommt schwarze Engobe darüber.

Aus einem Blatt Papier reiße ich Schnipsel und feuchte sie an, darüber kommt eine weiße Engobenschicht. Zum Schluss wird das Papier wieder entfernt. Beim Brennen gibt es zudem immer Überraschungen.“ Entstanden sind Stücke mit einer schlichten, lebendigen Eleganz, geschwungen wie ein Blatt. Zweiter Preisträger war André von Martens. Er erhielt den von der Firma Wolbring gestifteten Preis für vorbildliche Standgestaltung.

„Das ist mein letzter Töpfermarkt in meiner Funktion als Bürgermeister“, verkündete Herbert Kirsch, was ein hörbares Bedauern der Keramiker nach sich zog. Der Markt sei jedoch so verortet in Dießen, dass er keine Bedenken über seinen Fortbestand habe, „egal, wer mein Nachfolger wird.“ „Der Markt strahlt über Bayern hinaus und ist ein Verdienst von Wolfgang Lösche, der schaut, dass die Qualität stimmt“, so Kirsch. Für seinen potentiellen Nachfolger hatte er noch einen Rat parat: „In dieser Zeit kann der Bürgermeister nicht in Urlaub fahren!“. Lösche bedachte Kirsch mit dem „kleinsten schwarzgebrannten Krug, den wir in St. Georgen jemals gebrannt haben.“ Sichtlich bewegt reagierte Kirsch auf Lösches Worte zu seiner zu Ende gehenden Amtszeit: „Ich verliere meinen Kapitän, den ich 19 Jahre an meiner Seite hatte.“ Wohlwollende Worte fand auch Gerhard Trommler, Sprecher der Keramiker, der Kirsch im Namen der Aussteller im nächsten Jahr zu Brotzeit und Nothelferbier einlud.

von Dagmar Kübler

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