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Reichlich Plastik

Der Ammersee ist mehr belastet als Chiemsee, Starnberger See und Altmühlsee

Im Vorfeld zogen Forscher der Universität Bayreuth aus und untersuchten Strände, den Seegrund und das Wasser auf Plastikreste. Gefunden haben sie vorwiegend die winzigen Mikroplastikteilchen, die kleiner als ein Reiskorn sind. Alles Grüße von achtlos in den See und den Fluss geworfenen Plastiktüten, Trinkflaschen oder dem beliebten Coffee-to-go-Becher – mit schwerwiegenden Folgen für die Umwelt.

Die erschreckende Bilanz der Studie, die den Chiemsee, Starnberger See, Ammersee und Altmühlsee genauer unter die Lupe nahm: Der Ammersee ist am stärksten belastet. 2014 und 2015 pflügte ein sogenannter Manta Trawl über die Wasseroberfläche, Planktonnetze hingen im See und Fähnchen flatterten an einigen Strandabschnitten. Dort entnahmen die Forscher insgesamt 42 Proben vom Ufer, vom Grund, aus der tiefsten Stelle im See oder von der Wasseroberfläche.

Dabei suchten sie gezielt nach Mikro- und Makroteilchen. Und fanden heraus, dass sich die kleiner als fünf Millimeter großen Mikroteilchen im Uferbereich geradezu tummeln. Darunter befänden sich kaum industriell hergestellter primärer Mikroplastik etwa aus der Kosmetik- oder Putzmittelindustrie, sondern hauptsächlich sekundärer Mikroplastik, also weggeworfene Tüten und Co., konstatiert der Bericht. Dazu sollte man wissen, dass sich Produkte aus Kunststoff zwar abbauen, aber nicht vollständig zersetzen. So ist die Angelschnur nach 600 Jahren zwar nicht mehr als solche erkennbar, treibt aber munter weiter als Mikroteilchen herum.

Dasselbe gilt für die Plastiktüte, die nach zehn bis zwanzig Jahren sozusagen aus den Augen aus dem Sinn ist – und als Mikropartikel über Flüsse auch in unsere Seen gelangt. Gemessen wurden die Plastikteilchen in Werten pro Quadratmeter – und trauriger Spitzenreiter im Uferbereich ist Eching mit gut 129 000 Mikroplastikteilchen, dicht gefolgt von Utting mit an die 119 000. Das ist fast doppelt so viel wie die in Tutzing gezählten 82 000 Partikel und ein Vielfaches von Berg, wo 23 000 Teilchen gefunden wurden. Am Ostufer bei Gunzenhausen am Altmühlsee fanden die Forscher knapp 35 000 Mikroteilchen – alles Werte, die weit über dem Durchschnitt von rund 17 000 Mikropartikeln liegen.

Aus dieser Perspektive betrachtet ist Aidenried mit knapp 12 000 Mikropartikeln geradezu vorbildlich. Makroplastik, der größer als fünf Millimeter ist, fanden die Forscher weder in Eching noch in Dießen, dafür in Breitbrunn (141 Teilchen pro Quadratmeter) und in Utting (410) sowie in der Herrschinger Bucht (14).

Vergleichsweise gute Nachrichten ergaben die Wasserproben, denn darin schwamm nur wenig Mikroplastik. Und doch ist jedes Plastikteilchen eines zu viel, selbst wenn die Auswirkungen auf unsere Gesundheit noch nicht abschließend geklärt sind. Immerhin ist die Botschaft im EU-Parlament angekommen, das im Mai des Jahres ein Verbot für einige Plastikprodukte verabschiedet hat – und gibt den Bürgerinitiativen wie etwa jener in Dießen recht, die sich gegen Plastik formieren.

von Michèle Kirner

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