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Musiknacht Dießen: Die Gäste kamen in Scharen

Die laue Herbstnacht und der Vollmond machten die Veranstaltung zu einem reinen Genuss – Leute treffen, tanzen, bummeln

Viele Besucher begannen den Abend daher bereits bester Laune - die Bands spielten in 14 Locations in vier Sessions bis 24 Uhr - in einem der umliegenden Restaurants, und so sah man dort viele „Reserviert“-Schilder auf den Tischen. Wer zum Beispiel beim Unterbräu eingekehrt war, ging nur von der Gaststätte in den Nebenraum und erlebte, wie schnell Rock ’n’ Roll von Troublemaker’s Riot die Gäste in Bewegung brachte. Bereits zur zweiten Session war dort dann auch schon fast kein Durchkommen mehr. „Es ist kuschelig“, drückte es ein Fan aus, der auf kleinstem Raum versuchte zu tanzen. Weiter ging’s zur Goldammer, dem ehemaligen Café Sixt: gepflegtes Ambiente, Publikum sitzend auf Stühlen, jazzige Klavierklänge und Songs zum Beispiel von Hildegard Knef, interpretiert von der Band Malis Swing Connection - was für ein Kontrast zum Unterbräu.

Im Colibri hatte sich eine Band sogar eigens für diesen Anlass zusammengefunden, das Bookshop Trio. Der musikalische Leiter des Nockherberg-Singspiels und Mitglied der Band „Café Unterzucker“, Toni Weber, war auf Einladung seines Freundes Anton Gruber aus München gekommen, um eigens für diesen Abend ein Trio mit Martin Reinhardt zu bilden. „Wir haben uns vorgenommen, lange und traurige Lieder zu spielen, wie Country for old men“, sagte Weber dem Ammersee Kurier. „I’m just a cowboy, lonesome on the train“, wabert der Blues durch den Buchladen, es gibt ein Maultrommelsolo und die drei originellen, sehr lässigen Typen bringen ihre Zuhörer immer wieder zum Lachen. „Wir haben eine Setlist geschrieben, an die wir uns nicht halten werden“, sagte Anton Gruber im beigen Karoanzug mit runder Brille. „Wir werden bevorzugt in den Noten herumblättern, das streckt die Zeit.“ Sagt’s und bläst in die Harp, während Weber mit kräftig rockiger Stimme Greatful Dead interpretiert.

In Jörg’s Kaffeewerkstatt im Bahnhofsgebäude wird bereits getanzt, bevor noch die Band „Yeni Toro Y Su Mambo“, die bereits im Juli bei „Kultur am See“ die Fans lateinamerikanischer Musik begeistert hatte, zu spielen beginnt.

Für heiße Salsa-Rhythmen, auch in den Pausen und nach dem Bandauftritt, sorgte Peter Kaun jun., der bis vor einigen Monaten das Lokal 1516 in Dießen betrieb und selbst überzeugter wie auch ambitionierter Salsa-Tänzer ist.

Nicht nur die Salsafans des Ammersee Westufers hatten sich eingefunden - viele Besucher ließen sich mitreißen, tanzten und hatten ansteckend gute Laune. Die Kubanerin Yeni Torro komponiert auch selber, rund 70 Prozent der vorgetragenen Songs stammten vor ihr. „Hier wird getanzt, geschwitzt und getrunken, das ist eine Fiesta“, rief der Bandleader in die Runde, bevor er für das nächste Lied wieder in die Gitarrensaiten griff. Pause brauchten die Jungs der Band nicht: Sie nutzten diese, um mit den anwesenden Damen zu tanzen. Rappelvoll war es auch in der Cinebar, wo „The Hippie Hippie Shake Tribute Band“ Led Zeppelin wieder auferstehen ließ, und ebenso im Craftbräu bei der „Jakarta Blues Band“.Die Dießener Musiknacht ist eine Nacht der Begegnung. Wen man schon lange nicht mehr gesehen hatte, den traf man beim Bummel durch die Straßen oder in den Locations. Und so gab es überall ein großes Hallo und gleich die Frage: „Wo seid ihr schon gewesen?“.Denn das ist der einzige Wermutstropfen der Musiknacht:

Vier Stunden reichen leider nicht aus, um alle Bands zu hören. Was aber nicht so schlimm ist, denn die nächste Musiknacht kommt bestimmt.

Von Dagmar Kübler

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