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Meilenstein: Umstellung der Tracht

Der Trachtenverein Utting feiert heuer seinen 100. Geburtstag

Das erkannten die Uttinger Trachtler 1995 und stießen einen Wandel ihrer Tracht an. Doch nicht allein um des Wandels Willen. Vielmehr wollten sie ihre Tracht verändern, um die regionalen Merkmale rund um die alte Uttinger Volkstracht wieder in den Vordergrund zu stellen. Die größten Parallelen finden sich hierbei zur Dachauer Tracht ab 1850, deren Einfluss sich bis nach Dießen erstreckte.

Auf Basis dieser Vorlage begannen die Uttinger gemeinsam mit Alexander Wandinger vom Trachteninformationszentrum in Benediktbeuern ein Gwand zu entwickeln. Der Verein sammelte Vorschläge hinsichtlich Stoffen, Farben, Schnitten und Hüten. Wandinger erstellte schließlich Skizzen und heraus kamen Jacken für die Herren, die in den gedeckten Farben braun, dunkelgrau und dunkelblau variieren konnten sowie Westen mit Schalkragen und Zweireiher-Ausführung. Bei den Frauen fand sich als Kern der lange Rock und die weiße Bluse. Bei der Schürze waren dann ebenfalls verschiedene Farben möglich. Wichtig sei damals auch gewesen, erzählt Pfanzeder, das Gwand bodenständig und schlicht zu halten.

Als das Design schließlich stand, fanden sich im Verein schnell sechs Frauen und Männer, die bereit waren, die ersten Ausfertigungen zu bestellen und zu tragen.

Das war nicht selbstverständlich: Bei den Herren kostete eine komplette Bestellung der neuen Tracht weit über 1 000 Euro – natürlich von einem Schneider in Handarbeit gefertigt. Allein ein Knopf kostete so bis zu 25 Euro. Einige der Damen waren jedoch so begeistert von den Entwürfen, dass es schnell Nähkurse gab und Teile des Gwands selbst hergestellt wurden. Am 18. Oktober 2002 war es dann schließlich so weit: Nun wurde die neue Tracht dem gesamten Verein vorgestellt. Der Vorstand war gespannt auf die Reaktion der Mitglieder und wie die neue Tracht angenommen würde. Und sie sollte ein Erfolg werden.

Auch Mitglieder, die bereits seit Jahrzehnten im Verein aktiv waren, zeigten sich begeistert von der neuen Tracht und nahmen sie in ihren Kleiderschrank auf. Der Tragekomfort war gut und das Gwand ließ sich gut ins Tagesgeschehen eingliedern, erläutert Pfanzeder. Somit hatte der Verein das Ziel seines Wandels erreicht: Die echten regionalen Merkmale in der Tracht wieder zum Vorschein zu bringen, aber auch die Tracht allgemein tragbar zu machen; dass die Uttinger daran Freude haben.

Eine weitere Veränderung der Tracht sei laut Pfanzeder allerdings nicht geplant. Sich ständig aktuellen Moden zu unterwerfen und so vielleicht neue Mitglieder zu gewinnen, sei nicht Sinn und Zweck des Vereins. Es ginge ja darum, „Sitt und Tracht“ zu erhalten.

Von Daniel Wiesheu

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