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„Lasst 2000 Krokusse blühen“

Am Mittwochnachmittag pflanzten mehr als ein Dutzend Dießener Bürger Blumenzwiebeln in die Wiese vor dem Marienmünster

„Wenn die Blumen ein halbes Jahr, nachdem man die Zwiebeln eingesetzt hat, blühen, habe ich es fast schon wieder vergessen. Aber umso mehr freut es mich dann im Frühjahr. Deswegen wollte ich nie Kanalarbeiter werden. Deckel zu und man sieht nicht, was man gemacht hat“, lächelt der Mann mit dem leicht Kölner Akzent. Etwa 16 Helfer sind dem Aufruf des Arbeitskreises „Eine Welt – Schöpfung bewahren“ der Pfarrgemeinde Dießen gefolgt und treffen gegen 15 Uhr am Münster ein. Sie sind bereit die Zwiebeln nach Anweisung Wegners schön in die Wiese vor dem Gotteshaus zu setzen. Der Hausherr des Münsters, Pfarrer Josef Kirchensteiner, ist auch dabei und kaum wiederzuerkennen. Er trägt festes Schuhwerk, einen dicken Pullover und Handschuhe. Der Arbeitskreis, der die Pflanzaktion initiiert hat, trifft sich einmal im Monat. Dort werden Projekte und Aktionen besprochen. Den Kontakt zu dem Frickenhausener hat Arbeitskreismitglied Dr. Wolf Brückner aus Obermühlhausen hergestellt. Der pensionierte Arzt stammt aus Memmingen. Der kleine Ort Frickenhausen ist nur einige Kilometer von der oberschwäbischen ehemaligen Reichsstadt entfernt. Dort betreibt Wegner eine so genannte „naturnahe Gärtnerei“ Aber, das lernt man an diesem Nachmittag bei Wegner gleich, auch Gärtnerei mit Nähe zur Natur überlässt nichts dem Zufall. Die Anordnung der Zwiebeln ist daher nicht zufällig. Sie folgt einem klugen Konzept.

Möglichst dicht nebeneinander sollen die Setzlinge direkt vor dem Münster in die Erde gebracht werden. Dann verlieren sie sich, je weiter man sich vom Münster entfernt. Der Besucher, der das Gotteshaus verlässt, hat dann einen üppigen Blumenteppich vor Augen. Die Krokusse sind Frühblüher, so können die Bienen, wenn der erste Schnee geschmolzen ist, den notwendigen Nektar saugen. Der Boden ist mager, hat der Gärtner festgestellt und daher ideal für die Krokusse, Märzenbecher und die Blausternchen. Die Helfer sind hoch motiviert und lassen sich von Christof Wegner gerne zeigen, wie man Zwiebeln einsetzt: „Doppelt so tief, wie sie dick sind, müssen sie in der Erde vergraben werden“ ordnet er an. Katja Holler hat in ihrem Schubkarren mindestens acht Spaten dabei. Das dürfe reichen, meint sie. Franz Kubat bringt seinen eigenen mit. Mit dem ist er vertraut. In den 60er Jahren hieß es in Maos China: „Lasst tausend Blumen blühen“ heute heißt es in Dießen: „Lasst 2000 Krokusse blühen“.

Von Alois Kramer

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