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Knöllchen-Regen beim Flohmarkt

Zwei Mitarbeiter der Kommunalen Verkehrsüberwachung waren am Sonntag in Dießen fleißig unterwegs

An allen möglichen und „vor allem an unmöglichen Stellen“, wie es Boris Netschajew, der stellvertretende Dienststellenleiter der Dießener Polizei, ausdrückte, wurde geparkt. Von der Marktgemeinde Dießen aufgestellte Halteverbotsschilder seien missachtet worden, Einfahrten blockiert gewesen und auch der fließende Verkehr sei für Stunden stark beeinträchtigt gewesen. Daran änderte auch nichts, dass sowohl die kommunale Verkehrsüberwachung als auch die Polizei in den Straßen der Marktgemeinde unterwegs war.

„Drei Verkehrsunfälle mit beschädigten Autos und dem Verdacht der Unfallflucht“ habe es gegeben, berichtet Netschajew. Schlimmeres sei zum Glück nicht passiert. Darüber zeigt sich auch Florian König, der Kommandant der Feuerwehr Dießen, erleichtert. Zur Verkehrssituation und möglicherweise zugestellten Rettungswegen kann er noch nichts sagen. „Da ist erst ein Gespräch mit dem Ordnungsamt nötig, bei dem der Tag nachgearbeitet werden muss.“

Geöffnet war der Flohmarkt in den Seeanlagen laut Veranstalter Peter Kaun jun. von 7 Uhr bis etwa 17 Uhr. Bei den fast 150 Parkverstößen, die geahndet wurden, waren nicht nur Parkzeitüberschreitungen oder fehlende Parkscheiben der Grund für den ungeliebten Zettel an der Windschutzscheibe. „Es gab auch einige Blockaden von Feuerwehr-Anfahrtszonen“, erklärt Thorsten Preßler. Auch er ist, wie Florian König, Kommandant der Dießener Feuerwehr, froh, dass nichts Schlimmes passiert ist.

Auch wenn das Verkehrs- und Parkchaos am Sonntag glimpflich abgelaufen ist, häufen sich die Beschwerden: Flohmarkt-Verkäufer waren sauer, wie sie unserer Zeitung schilderten. Nicht nur, dass sie teilweise eine Stunde nach dem Abbau ihrer Verkaufsstände noch immer auf die Auszahlung ihrer Kaution hätten warten müssen. Auch, dass die Flohmarktbesucher zum Teil sehr weite Wege zu Fuß vom Auto bis zu den Seeanlagen zurücklegen mussten, habe viele davon abgehalten, alles einzukaufen, was sie eigentlich hätten kaufen wollen. Aussagen wie: „Das würde mir ja sehr gut gefallen, aber das bis zum Auto zu tragen, ist mir zu weit“, seien an der Tagesordnung gewesen.

360 Aussteller boten laut Veranstalter ihre Waren feil. Darunter auch viele Kinderstände, wie Peter Kaun jun. berichtet. Er und seine 30 Mitarbeiter seien im Übrigen sehr stolz, dass der Flohmarkt vom Einlass in der Früh um 3 Uhr bis zum endgültigen Abbau der Stände gegen 18 Uhr reibungslos verlaufen sei. „Es gab keine Ausschreitungen und keine anderen Probleme“, sagt Kaun jun. im Gespräch mit dem Ammersee Kurier.

Eine platzgenaue Reservierung der Stände im Vorfeld sowie die hinterlegte Kaution seien mit Grund dafür. „Dass in den Stoßzeiten, wenn mehrere Händler gleichzeitig abbauen, auch mal Wartezeiten entstehen, ist doch klar.“ Er und sein Team könnten nicht überall gleichzeitig sein. „Wartezeiten von einer Stunde hat es für die Standbetreiber ganz sicher nicht gegeben.“

Dass Besucher teilweise weite Fußwege hätten in Kauf nehmen müssen, sieht Kaun jun. als nicht wirklich problematisch. „Ob ein Shuttlebus zu außerhalb liegenden Parkplätzen angenommen würde, weiß ich nicht. Ich bin nicht grundsätzlich dagegen, aber da muss man erst einmal den Rechenschieber ansetzen.“

Seinen Flohmarkt könne man nicht einfach so mit einer Veranstaltung wie dem Töpfermarkt vergleichen. „Das ist eine mehrtägige Veranstaltung mit ganz anderen Besucherspitzen“, so der Veranstalter.

Man müsse über verschiedene Ansätze reden. Einer könnte in seinen Augen der sein, dass die Dießener Gastronomie, die ja vom Flohmarkt-Sonntag auch enorm profitiere, sich mit Gutscheinen an einem Shuttlebus beteiligt. „Aber wenn es im nächsten Jahr stürmt und hagelt, ist das auch schon wieder hinfällig.“

Kaun sagt – unabhängig von möglichem Unmut über Verkehrsbehinderungen und weite Fußwege – dass er und seine Mitarbeiter einen reibungslosen Flohmarkt organisiert und durchgeführt hätten, den es in dieser Größenordnung in Süddeutschland wohl sonst nirgends gebe. „Das ist für uns mit enorm viel Arbeit und Logistik verbunden.“

Peter Kaun jun., der nach eigenen Angaben seit rund 25 Jahren den Flohmarkt organisiert, sagt:. „Es war ein Tag der Schlangen, an den Gastronomieständen und eben auch auf den Straßen.“ Er beziffert die Besucherzahl auf rund 8 000. Dass sich viele Autofahrer nicht an Halteverbote halten und Rettungswege zustellen, gefalle ihm natürlich auch nicht. Das Verkehrskonzept der Gemeinde aber hält er für ausreichend. „Es geht einmal im Jahr um ein paar Stunden, in denen viel Verkehr ist“, sagt Kaun jun. Von einem Konzept wie beim Töpfermarkt hält er nicht viel. „Man kann alles aufblähen, aber ob ein Shuttlebus, der ja etwas kosten muss, von Flohmarktbesuchern angenommen wird, glaube ich weniger.“ (vaf/mer)

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