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Jugendhaus in Utting – Ja oder Nein?

GAL-Jugend lud zur Diskussion in die Ammerseegemeinde

Von 1997 bis 2017 hat es in Utting einen Jugendtreff in der Dyckerhoffstraße 1 gegeben. Darüber berichtete Helmut Schiller (SPD). Der Jugendtreff sei seinerzeit auf Druck des Jugendbeirats entstanden, er selbst habe damals als Betriebsleiter der Firma Dyckerhoff die Vermietung des Hauses an die Gemeinde vermittelt. Das Haus sei mit einer „Riesenparty“ eröffnet worden und habe lange gut funktioniert, die Jugendlichen hätten selbst mitgestaltet, geputzt, Verantwortung übernommen. „Natürlich war nicht immer alles picobello, aber wir waren doch alle mal jung und wissen, wie das damals war“, so Schiller. Drei Jahre vor der Schließung des Jugendtreffs habe man zusammen mit der Gemeinde Schondorf eine Sozialreferentin eingestellt, die beide Häuser in Schondorf und Utting betreuen sollte. Damit hätten die Probleme begonnen, es habe Hausverbote gegeben, nach und nach seien die Jugendlichen weggeblieben. Im Februar 2017 dann das endgültige Aus. Das Haus wurde abgerissen, die Grundstücke verkauft. Heute gibt es etwa 450 Jugendliche in Utting, die einen Ort brauchen, wo sie sich treffen können, vor allem im Winter. Aber auch den Summerpark können die Jugendlichen im Sommer wegen Anwohnerbeschwerden nicht mehr so unbeschwert nutzen, wie sie es gern möchten. Es gibt ein Alkoholverbot und es darf keine laute Musik gespielt werden. „Früher fühlte sich niemand gestört, heute geht das nicht mehr“, bedauerte Jakob Albrecht. „Im Summerpark gibt’s doch schon Beschwerden, wenn man Musik nur vom Handy abspielt, da macht das Sitzen am See keinen Spaß mehr“, sagten jugendliche Zuhörer, die namentlich nicht genannt werden wollten, nach Ende der Veranstaltung dem Landsberger Tagblatt.

Von Zuhörern kam der Vorschlag, die Jugendlichen könnten sich ja den örtlichen Vereinen anschließen. Moritz Hartmann erklärte den Unterschied zwischen offener Jugendarbeit und Vereinsarbeit. Vereine geben ein Programm vor, während offene Jugendarbeit zum zwanglosen Treffen einlade, es gebe hier kein festgezurrtes Programm. Jugendliche brauchten solche Freiräume.

Als Jugendreferent habe er eine Art Pufferfunktion. Ein bisschen Struktur sei gut und die Gemeinde brauche klare Ansprechpartner. Ein anderer Gemeindebürger sieht in Jugendhäusern ohne durchgehende Konzeption „Brutstätten für Kriminalität und Alkoholismus“. An der Reaktion des Publikums konnte man ablesen, dass der Großteil diese Meinung nicht teilt. „Jugendarbeit fällt immer nur dann auf, wenn es mal Probleme gibt“, sagte Bürgermeister Lutzenberger.

Gemeinden seien zudem schwer zu vergleichen. „Im Fuchstal gibt es eine Mittelschule, da sind die Jugendlichen bereits tagsüber zusammen. Es gibt keine Bahn, mit öffentlichen Verkehrsmitteln kommt man nicht weg aus dem Ort“, erklärte Moritz Hartmann. In Utting dagegen gibt es nur noch die Grundschule, die Jugendlichen sind an unterschiedlichen Schularten und -orten verstreut, haben durch den See mehr Freizeitmöglichkeiten und sind mit dem Zug mobiler. Mangels Jugendtreff haben sie sich in den vergangenen Jahren nach außen orientiert, wie Eden Kalaycioglu sagte. Marcus von Jordan ergänzte noch, dass die Digitalisierung die Kommunikation verändert habe: „Netzwerke bilden sich heute anders als früher.“

Der Bürgermeister plädierte dafür, mit einer Gruppe von 12- bis 13-Jährigen wieder neu zu beginnen, um die Jugendlichen im Dorf zu halten. „Die Einrichtung eines Jugendhauses ist ein Anliegen aller Kommunalpolitiker, es ist keine Kann-, sondern Pflichtaufgabe“, sagte Helmut Schiller. Er ist der Auffassung, dass ein neues Jugendhaus in den Ort hinein gehört. „Wenn die Jugendlichen dort selber werkeln und Verantwortung tragen, kann das gut funktionieren.“

Da stimmten auch alle auf dem Podium zu. Uttings Jugend habe eine zweite Chance verdient, nicht nur, „was das Jugendhaus angeht, sondern auch beim Summerpark“, sagte Eden Kalaycioglu.

„Es ist aber im Summerpark jeden Abend eskaliert“, beklagte ein Anwohner. Bürgermeister Lutzenberger sagte, der Summerpark sei ja weiterhin nutzbar, man habe aber aufgrund der Anwohnerbeschwerden ein Alkoholverbot aussprechen müssen.

Marcus von Jordan ging es vorwiegend darum, „eine Datenbasis für die künftige Jugendarbeit zu bekommen.“ Man habe das politische Versprechen, wieder ein Jugendhaus einzurichten, bislang nicht eingelöst. „Nicht, weil man es nicht wollte, sondern weil es immer wieder Zweifel gibt, was genau gewünscht ist“, so von Jordan. Im Laufe des Abends wurde klar: Es gibt den Wunsch nach einem Raum, den Jugendliche verantwortlich selbst gestalten. Dabei gehe es „nicht um Bespaßung, sondern um eine Mischung aus guter, zurückgenommener Betreuung und Strenge“, fasste von Jordan zusammen. „Die Jugendlichen machen das schon, ein Jugendhaus muss wieder kommen“, sagte Helmut Schiller.

von Sibylle Reiter

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