Unabhängiges Heimatblatt für die Ammerseeregion
Ammersee Kurier Spezial

Hobby-Verkehrsplaner will Zentrum entlasten

Der Italiener Stefano Verardi schlägt eine Lösung für Nadelöhr Herrenstraße und Hofmark vor

Das Paar liebt den Ammersee und kommt oft nach Dießen zum Bummeln. Dabei fiel Stefano Verardi vor allem an Werktagen der extreme und teils gefährliche Durchgangsverkehr in Herrenstraße und Hofmark auf, verursacht durch Lastwagen, Bau- und Landwirtschaftsfahrzeuge sowie Omnibusse. „Eine Lösung muss hier her“, sagte sich der Hobby-Verkehrsplaner, der schon für seine Heimatstadt Bologna ein hundert Seiten starkes Exposé erstellt hat, das aber „durch den ständigen Wechsel in der Kommunalpolitik irgendwie verschüttging“.

Also machte sich Stefano Verardi unvoreingenommen und außer Konkurrenz zu dem für die Marktgemeinde tätigen Verkehrsplaner Robert Ulzhöfer vom Büro „Stadt Land Verkehr“ an die Arbeit. Mit Google Earth verschaffte er sich den Überblick von oben und kam so auf sein Konzept von zwei Umgehungsstraßen – eine im Bereich Dießen-Nord (Nordspange) und eine im Bereich Dießen-Süd (Südspange). Er schreibt: „Die Umgehungsstraßen würden den Verkehr in beide Richtungen abfangen bzw. umleiten und dadurch den Verkehr über die Hofmark/Herrenstraße stark entlasten. Außerdem würde auch der sehr problematische Knotenpunkt an der Kreuzung Johannis-/Herrenstraße deutlich entlastet.“ Zu einer möglichen Realisierung schreibt er, „die vorgesehenen Umgehungsstraßen sind vorhanden“. Es wären also keine aufwendigen Baumaßnahmen bzw. Investitionen nötig. Außer einem Straßenausbau im Kapellenweg auf einer Länge von zirka 85 Metern.

Bei seiner Nordspange ginge es ab der Lachener Straße durch die Egerstraße, Bergmillerstraße und Buzallee zur Hofmark. Die Südspange ginge ab der Johannisstraße wahlweise über die Schützen- oder Krankenhausstraße, Probst-Herkulan-Karg-Straße, Klosterhof und Rotter Straße zur Hofmark. Verardi hat sogar eine zweite Variante mit Einbahnlösungen ausgearbeitet, „wodurch Engpässe vor allem bei LKWs vermieden werden.“

Verardi als Ortsfremder hat dabei nicht bedacht, dass zum Beispiel die Krankenhaus- und Bergmillerstraße für den Schwerlastverkehr vom Aus- und Unterbau völlig ungeeignet und jetzt schon im PKW-Begegnungsverkehr problematisch sind. Auch sei es wohl undenkbar, den Schwerlastverkehr an der Carl-Orff-Schule und der Mädchen-Realschule vorbeizuführen, wie kopfschüttelnd einige Dießener bemerkten, die das Konzept gelesen haben. Würde man die Anlieger der vorgeschlagenen Ausweichstraßen zu Verardis Ideen befragen, bekäme man als Antwort wohl das berühmte Fingerzeichen, für das es sogar Punkte in Flensburg gibt.

Ob Verardis Lösungsvorschläge für das Nadelöhr Herrenstraße/Hofmark brauchbar sind oder nicht, ist es auf jeden Fall bemerkens- und berichtenswert, dass sich ein Ortsfremder Gedanken macht und ein Konzept ausarbeitet. Und wir haben erfahren, dass es unter den unzähligen Liebhabereien auf der Welt eines gibt, das wir noch nicht kannten: Hobby-Verkehrsplanung.

Von Quirin Gutbier

weitere Artikel