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„Hitler und sein Regime müssen fallen“

Christoph Probst von der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ vor 100 Jahren geboren – Abitur in Schondorf

Wegen der vielen Umzüge mit der Familie besuchte Christoph Probst verschiedene Schulen. Nachdem sich seine Eltern getrennt hatten und sein Vater gestorben war, zog er 1936 mit seiner Mutter nach Schondorf, wo er 1937 am Landerziehungsheim, heute Landheim Ammersee, das Abitur machte. Hier traf er auf einige Gleichgesinnte, die ebenfalls das Nazi-Regime kritisierten. Er war sportlich aktiv im Ruder-, Hockey- und Tennisclub, konnte wegen guter Leistungen eine Klasse überspringen, und es heißt, er hätte sich an der Förderung jüngerer Schüler beteiligt. Anschließend begann er in München mit dem Medizinstudium, das, sobald 1939 der Krieg begann, immer wieder mit Sanitätseinsätzen in bayerischen Lazaretten wechselte. Im Studium hatte er Kontakt zu den Geschwistern Sophie und Hans Scholl sowie weiteren Medizinstudenten an der Ludwig-Maximilians-Universität, die Hitler und den Krieg mehr und mehr ablehnten, sich schließlich in der Gruppe „Die Weiße Rose“ zusammentaten.

Bereits im Sommersemester 1942 nahm Probst an geheimen Lesekreisen teil, lernte aber erst Anfang 1943 ‘Die Weiße Rose’ konkret kennen. Da hatte die Gruppe schon sechs Flugblätter gegen das Nazi-Regime verfasst und sowohl in München wie auch in anderen Universitätsstädten zu Tausenden verteilt. Als Hans und Sophie Scholl am 18. Februar 1943 das sechste Flugblatt an der Uni auslegten, wurden sie entdeckt und festgesetzt. Da hatte Probst schon ein siebtes Flugblatt entworfen und Hans Scholl gegeben.

Bei dessen Verhaftung fand man den Zettel in seiner Tasche und erkannte Probst sogleich als Autor. Noch am selben Tag nahm die Gestapo auch ihn fest. Alle drei wurden vier Tage später, am 22. Februar 1943, enthauptet, weitere Mitglieder der Weißen Rose, wie die Studenten Alexander Schmorell und Willi Graf sowie Professor Kurt Huber, einige Monate später.

Die Schlacht von Stalingrad im vorausgehenden Winter 1942-43 mit dramatisch vielen Toten auf beiden Seiten entsetzte nicht nur die Mitglieder der Weißen Rose, sondern auch viele deutsche Bürger.

In seinem siebten Flugblatt, das nicht mehr die Öffentlichkeit erreichte, nennt Probst Hitler einen „militärischen Hochstapler“ und „Mörder“ und schreibt von „Massenmord an geopferten Soldaten“. Zum Ende fordert er: „Hitler und sein Regime müssen fallen, damit Deutschland weiter lebt. Entscheidet Euch .... Und wenn Ihr Euch entschieden habt, dann handelt.“

Eine Ausstellung zur Widerstandsgruppe „Die Weiße Rose“ ist vom 2. bis 16. Dezember im Murnauer Rathaus zu sehen.

Von Dr. Sabine Vetter

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