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Dießen

Flüchtlinge benötigen Hilfe

Marktgemeinde Dießen verlängert Vertrag mit AWO-Integrationsberatung

Wie Avilés berichtete, arbeiten bereits 70 Prozent der anerkannten Flüchtlinge als Minijobber oder in Voll- und Teilzeit. Viele davon in der Gastronomie oder im Baugewerbe. Alle übrigen absolvieren Maßnahmen des Jobcenters oder einen Integrationskurs. Vier Personen machen derzeit eine Ausbildung. Ausbilder und Arbeitgeber seien mit ihren ausländischen Mitarbeitern durchaus zufrieden, so Avilés. Dass trotzdem Ausbildungen abgebrochen würden, läge nicht an der Praxis, sondern an den hohen Anforderungen in der Berufsschule. Anerkannten Flüchtlinge, die ihre Ausbildung fortsetzen, besuchen deshalb mittlerweile die Berufsschule der Herzogsägmühle mit dem Förderschwerpunkt Lernen. Für die Berufsschüler, so Avilés, sei ehrenamtliche Unterstützung zum Spracherwerb, Erklärungen zu den Gepflogenheiten in der Arbeitswelt oder auch eine organisierte Begleitung in die Berufsschule sinnvoll und hilfreich. Bei der Arbeits- und Ausbildungssuche und bei Bewerbungen steht die Integrationsberatung gerne mit Rat und Tat zur Seite. Natürlich sei sie auch Ansprechpartner für Arbeitgeber, betonte Aviles.

Mittlerweile haben alle anerkannten Flüchtlinge, darunter zwölf Familien, eine eigene Wohnung oder ein eigenes Zimmer in Dießen. Ein wichtiger Ansprechpartner, sei die Integrationsberatung für die Geflüchteten und deren ehrenamtlichen Begleiter auch im Umgang mit Behörden. Während 2016 die Asylberechtigten in Dießen überwiegend Männer waren, handelt es sich aktuell zu 50 Prozent um Familien. „Daraus ergeben sich andere Herausforderungen für die ehrenamtlichen Helfer und die Gemeinde. Ein Ansprechpartner für Kindergärten, Schulen und Verwaltung wird dringend benötigt“, sagte Avilés. Von der Integrationsberatung werde für diese Zielgruppe bereits ein Deutschkurs für Frauen mit Kindern und ein Elterncafé angeboten. Wichtig sei zukünftig auch die professionelle Betreuung der Mietverhältnisse in den neuen Sozialwohnungen der Gemeinde an der Von-Eichendorff-Straße. Große Herausforderung sieht die Intergrationsbeauftragte aufgrund der bevorstehenden Schließung der Flüchtlingsunterkunft in Bischofsried und einer Halle in Kaufering auf die Gemeinde, die ehrenamtlichen Helferkreise und auf die Integrationsberatung zukommen: 15 neue Bewohner wurden vom Landratsamt bereits in das Weggnossenheim nach Riederau verlegt. 30 weitere sollen folgen, weshalb auch das alte Forsthaus in Riederau vom Landratsamt wieder angemietet wurde. Dort werden vier Familien aus Nigeria untergebracht. Erstmals würden somit Flüchtlinge mit schlechter Bleibeperspektive im Ortsgebiet untergebracht, die häufig von einem Beschäftigungsverbot betroffen und nicht berechtigt sind, einen Integrationskurs zu besuchen. Vor diesem Hintergrund sprach sich der Gemeinderat einstimmig dafür aus, die Stelle der Integrationsbeauftragten, deren Arbeit sich vor Ort bewährt habe, zu verlängern und umgehend neu auszuschreiben. Es sei wichtig, das Thema Asyl lebendig zu halten, meinte auch Gemeinderätin Bea von Liel (Dießener Bürger), die sich intensiv in den Helferkreisen engagiert. Ein aktueller Ansatz könne auch darin bestehen, neben neuen ehrenamtlichen Unterstützern auch 450 Euro-Jobs zu akquirieren, die von Flüchtlingen mit geringer Bleibeperspektive ausgeführt werden dürfen. „Dießen war in den letzten Jahren immer Vorbild“, meinte auch Hanni Baur (SPD). „Durch die Integrationsberatung wurde viel abgefangen.“ Wer ehrenamtlich helfen will ist eingeladen, sich im AWO-Integrationsbüro zu melden: eva.aviles@awo-obb.de, Telefon 08807 3199601. (una)

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