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Kultur

Festival an einem der schönsten Kunsträume

Interview mit Thomas Zagel, Zweitem Vorsitzenden der Tutzinger Brahmstage

Ammersee Kurier: Die Tutzinger Brahmstage werden heuer zum 22. Mal veranstaltet. Was erwartet die Klassik- und Brahmsfans an musikalischen Highlights?

Thomas Zagel: Die „Tutzinger Brahmstage 2019“ präsentieren wieder besondere Programm-Konzepte, die von ausgesuchten hochkarätigen Künstlern interpretiert werden. Gleich im Eröffnungskonzert war eine Sängerin zu hören, die mit ihrem leichtfüßig schwebenden aber dennoch betörend intensivem Stimmklang sicher alle Besucher atemberaubend bezaubert hat: Katharina Konradi von der Hamburgischen Staatsoper, wo sie für jede neue Partie frenetisch gefeiert wird. In Tutzing sang sie klavierbegleitete Lieder von Johannes Brahms und Robert Schumann. Der Star des Konzerts am 20. Oktober ist der Violin-Virtuose Linus Roth – einer der besten Geigen-Solisten unserer Tage. Zusammen mit seinem exzellenten Klavierpartner Florian Uhlig spielt er in Gegenüberstellung zur d-Moll-Sonate von Brahms auch zwei Werke des im Konzertbetrieb zu Unrecht vernachlässigten polnisch-jüdischen Komponisten Weinberg. Am 25. Oktober veranstalten wir in der Aula des Gymnasiums ein ganz besonderes Konzert, welches Klassik und Jazz in einzigartiger Weise verbindet. Das Diogenes-Streichquartett mit dem Pianisten Andreas Kirpal stellt ein bekanntes Werk von Brahms anfangs im klassischen Original vor, und dann greift das Jazz Quartet Max Grosch die Brahms-Themen auf und verarbeitet sie zu Jazz-Improvisation vom Feinsten. Jedes Arrangement bietet neue Überraschungen und Varianten und begeistert sowohl die klassischen Konzertbesucher als auch Jazzclub-Spezialisten. Der letzte Festival-Sonntag am 27.10. beginnt mit einer Matinee im Tutzinger Kino: der selten gezeigte Film von János Darvas über das Leben von Brahms mit wunderbarer Musik von Brahms als Filmmusik ist eine sehenswerte Erweiterung der Konzertreihe des Festivals. Das Abschlusskonzert am Abend des gleichen Tages - wieder in der Evangelischen Akademie- gestaltet ein erstklassiges Kammermusik-Trio aus Horn, Violine und Klavier. Die Programmfolge wird kombiniert das moderne Trio von Ligeti für diese Besetzung mit dem romantischen Trio Es-Dur von Brahms, einem seiner grandiosen Meisterwerke.

Ammersee Kurier: Brahmstage gibt es auch an anderen Orten in Deutschland und im Ausland? Was zeichnet die Brahmstage in Tutzing so besonders aus?

Thomas Zagel: Die besondere Aura und Authentizität unseres Brahms-Festivals beruht sicher auf der räumlichen Nähe unsere Hauptspielorts, nämlich des Festsaals im Tutzinger Schloss - bekannt insbesondere als Sitz der Evangelischen Akademie – zur Wohn- und Wirkungsstätte von Johannes Brahms in seinem Tutzinger Sommer 1873. Nur wenige Schritte vom Schloss entfernt steht der Pavillon, in dem er mit dem weltberühmten Sänger-Ehepaar Vogl seine in Tutzing komponierten Lieder uraufführte - nur ein paar Schritte weiter wohnte er im Amtmann-Gasthaus - und der anschließende Seeuferweg, der heute Brahms-Promenade heißt, war sein Spaziergang-Paradies mit traumhaften Ausblicken auf den Starnberger See und die Alpen. Hier hat Brahms 1873 von Mai bis September gelebt und bedeutende Werke komponiert und genau hier veranstalten wir unser Festival.

Ammerseekurier: Sie unterrichten als Musikpädagoge am Tutzinger Gymnasium, in Dießen dirigieren sie den Kammerchor und sind außerdem künstlerischer Leiter der Dießener Chormusik-Literatur-Biennale. Wieviel Zeit bleibt da noch für die Tutzinger Brahmstage und welche Expertise bringen Sie da ein?

Thomas Zagel: Die Tutzinger Brahmstage Jahr für Jahr auf diesem hohen künstlerischen Niveau zu präsentieren, das bedarf in der Tat eines hohen Zeitaufwands – nicht nur während der Festspielzeit, sondern das ganze Jahr über. Glücklicherweise kann ich effektiv in die Nacht hinein arbeiten und komme mit wenigen Schlafstunden recht gut aus. Aber es ist schon viel Arbeit, bis ich als verantwortlicher Redakteur das Plakat, den Festival-Prospekt und das umfangreiche Programm-Heft bis zur Druckfreigabe gebracht habe. Wir haben auch ständig Anfragen von Agenturen und Künstlern, die gerne bei unserem Festival auftreten würden - da muss man Demo-CDs anhören, Mails beantworten. Meistens realisieren wir aber ohnehin eigene Vorstellungen hinsichtlich Künstler-Engagements und Programm-Gestaltung. 1997 wurden die Tutzinger Brahmstage gegründet. Zum 20-jährigen Jubiläum im Jahr 2017 hatte ich die Konzept-Idee, das Programm des ersten Festivals wieder aufzugreifen: damals wurden nur Werke von Brahms aufgeführt, auch sein Deutsches Requiem, und damals waren alle in Tutzing komponierten Werke in den Programmen enthalten. Genau das haben wir nochmals gemacht und es wurde ein großer Erfolg. Auch die Medien-Präsenz der Brahmstage liegt mir sehr am Herzen: da muss ich auch mal zu einem Interview zum Ammersee-Kurier oder ins Funkhaus zum Bayerischen Rundfunk für eine Sendung. Und für die Woche vom 10, bis zum 16, Oktober habe ich für die Süddeutsche Zeitung im Kulturteil „SZ Extra“ im Format „Die Woche von Thomas H. Zagel“ im launischen Stil aktuell die Highlights meiner Aktivitäten beschrieben.

Ammersee Kurier: In der Fünf-Seenregion leben zahlreiche hochkarätige Künstler, darunter auch viele überregional bekannte Musiker. In Dießen ist die Opernsängerin Banse zu Hause. Sie war auch schon bei den Brahmstagen zu Gast. Ist in nächster Zeit ein weiterer Auftritt geplant?

Thomas Zagel: An den großartigen Liederabend von Juliane Banse beim Festival des Jahres 2016 kann ich mich noch gut erinnern, sie sang damals eine hervorragende Auswahl von Liedern von Brahms und Schumann und es war ein wunderbares Konzert. Die Programme und die Künstler-Engagements für die Brahmstage 2020 und 2021 sind ohnehin schon fixiert – kurzfristig kann man heute Künstler internationalen Formats nicht gewinnen. Für 2022 und 2023 bewegen sich die Planungen auch schon. Aber einen Liederabend mit Juliane Banse in einem der nächsten Jahre kann ich mir gut vorstellen. Wir werden uns bei ihr melden!

Ammerseekurier: Herr Zagel wir bedanken uns für das Gespräch!

Von Alois Kramer

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