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Dießen

Fünftägige Geburtstagsparty

Trachtenverein „D’ Ammertaler“ wird 100 und der Spielmannszug 50 Jahre alt

Die Logistik für diese mehrtägige Großveranstaltung muss generalstabsmäßig geplant, eine Festschrift vorbereitet, das große Zelt organisiert und die Ortsmitte für den Festzug gesperrt werden. „Das alles bedeutet zwar eine Menge Arbeit“, sagt Huber, „aber wir freuen uns schon riesig auf Musik, Tanz und interessante Begegnungen mit vielen Gästen.“ Die Zimmer in Dießen werden nächsten Sommer ausgebucht sein, die Mitglieder des Patenvereins „Edelweiss“ aus Denver/Colorado privat untergebracht.

Der Stütz- und Treffpunkt für alle Dießener Trachtler ist die sogenannte Trommlerhütte am Vogelherd am südlichen Ortsrand der Marktgemeinde Dießen. „Die Mitglieder hatten sie 1973 als Übungsraum für ihre Musikgruppen gebaut“, berichtet Huber. Bis 1995 befand sich das Vereinslokal im Gasthof „Drei Rosen“ an der Schützenstraße. Mehrfacher Pächterwechsel und die zeitweise Schließung des Gasthauses machten den Verein heimatlos. Deshalb entschloss man sich für den Ausbau und die Modernisierung der Hütte. Seit ihrer Einweihung 1997 besitzt der Verein jetzt ein gemütliches Heim für seine vielfältigen Aktivitäten und Feste. Dort finden unter anderem die Tanzproben der Jugend und der Erwachsenen statt, Spielmannszug und die Alphornbläser haben ein geräumiges Domizil für ihre Proben.

Seit fast fünf Jahrzehnten wird in Dießen in der Tradition des Spielmannwesens musiziert. Am 5. Januar 1970 beschlossen Ludwig Zanantonio, Hans Huber, Peter und Sepp Kaindl, Hans Sommer und Otto Nachtmann einen Trommlerzug zu gründen. Fortan fuhren sie jede Woche zum Storck Ferdl nach Peißenberg, der Trommlerzüge im ganzen Oberland und in Tirol ausbildete. Schon im Gründungsjahr machten die Musiker vom Ammersee auf sich aufmerksam und bekamen gleich ihr erstes Auslandsengagement: Sie fuhren mit der Kinsauer Blaskapelle nach Frankreich. Weil sie auch noch Schuhplatteln konnten, sorgten sie im Nachbarland für Aufsehen. Der Erfolg war programmiert.

Ab 1974 schloss sich der Trommlerzug dem Heimat- und Trachtenverein an. Jagdhörner kamen dazu, die später durch Fanfaren ersetzt wurden. Sie brachten zusätzliche Klangfarben und der Trommler- wurde zum Fanfarenzug. Mit den jungen Frauen zogen 1988 auch die Querflöten ein und Dießen hatte einen klassischen Spielmannszug. Die Weiterentwicklung im Instrumentarium und Repertoire erfolgte Schritt für Schritt. Heute ist der Klangkörper so vielseitig, dass er neben seinen Auftritten bei Festzügen, beim Faschingsumzug, beim Neujahrsanspielen, bei kirchlichen und weltlichen Feierlichkeiten auch bühnenreif ist.

Die Alphornbläser sind ein eigener Klangkörper des Trachtenvereins und können 2020 ihren 45. Geburtstag feiern. Mit den vier Meter langen Instrumenten spielen sie bei kirchlichen und weltlichen Anlässen. Oft lassen sie vom Vogelherd aus ihre archaischen Tonwelten über den Ammersee erklingen. Das Alphorn gehört zu den Blechblasinstrumenten, wird aber traditionell überwiegend aus Holz gefertigt. Es hat weder Klappen, Züge noch Ventile und ist deshalb auf die Naturtonreihe beschränkt. Ein Alphorn kann man je nach Landschaft fünf bis zehn Kilometer weit hören. Kein Wunder, dass sich die Trachtler bereits einmal um die Welt gespielt haben: Vom Petersplatz in Rom bis zum Indianer-Reservat in Colorado, von der französischen Atlantikküste bis in die Schweizer Alpen schlägt die Musik Brücken zwischen Jung und Alt.

So wird es auch beim Jubiläum im kommenden Jahr sein, das mit einem bunten Programm unter der Schirmherrschaft von Herbert Kirsch vom 10. bis 14. Juni gefeiert wird. „Zum Auftakt am Mittwoch gibt es eine Party im Zelt am Festplatz“, kündigt Huber an. „Am Donnerstag heißt unser Motto dann ,Dießen klingt’.“ An verschiedenen Plätzen in der Gemeinde wird es ein Standkonzert und anschließend einen Sternmarsch zum Festzelt geben. Dort findet am Abend ein musikalischer Wettstreit der Spielmanns- und Trommlerzüge statt. Beim bayerischen Abend am Freitag wollen die Vereine des Huosigaus sowie des Gau Nordamerika und Böhmen für Unterhaltung sorgen. Die Meisterschaft im Platteln und Dirndldrehn ist für Samstag, 13. Juni, geplant. Tags darauf werden beim großen Festsonntag fast 2 000 Trachtler und ein Dutzend Kapellen in Dießen unterwegs sein. Huber: „Wir erwarten 40 Vereine zum Treffen der Vereinigung historischer Trachten von Altbayern.“ Am 14. Juni um 9.30 ist Festgottesdienst und ab 15 Uhr findet ein farbenprächtiger Umzug durch Dießen statt. Die Vereinigung verbindet Vereine und Gruppen aus Ober- und Niederbayern, Teilen Schwabens und der Oberpfalz. Im Mittelpunkt des Aufgabenspektrums stehen die Wiederbelebung und der Erhalt historischer Trachten wie auch die Pflege authentischen bayerischen Brauchtums in Tanz, Musik und Schauspiel. Beim alle zwei Jahre stattfindenden Treffen kommt die Vielfalt und Farbenpracht des alten Gewandes besonders gut zur Geltung. „In Dießen feiern die Mitgliedsvereine das wohl schönste Trachtenfest in Bayern“, stellt Huber fest. Das erste Treffen dieser Art hatte 1982 in Schliersee stattgefunden. Als grafisches Erkennungszeichen hat die Vereinigung ein in goldfarbigen Rokokorahmen gefasstes weiß-blaues Rautenmuster gewählt, das um ein Wappenschild mit rot bekrönten goldenen Löwen auf schwarzem Grund ergänzt ist. Die weiß-blauen Rauten gelten als Symbol für ganz Bayern und haben sich bei der Bevölkerung zudem als bayerische Farben etabliert.

Peter Stöbich

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