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Ein neuer Anziehungspunkt

Architektenwettbewerb: In Dießen entsteht einzigartiges Carl-Orff-Museum

Hier, so Bürgermeister Herbert Kirsch, der dem Stiftungskuratorium angehört, in seiner Begrüßung, soll ein Museum entstehen, das sich an Besucher aus der Region, aber auch an ein überregionales Publikum von Kultur- und Musikinteressierten sowie an die internationale Gemeinschaft der Orff-Experten richtet. Es verstehe sich als generations- und kulturübergreifende sowie familienfreundliche Institution für Bildung und Kommunikation. Um die baurechtlichen Voraussetzungen zu schaffen, wurde ein offener Realisierungswettbewerb durchgeführt, der wegen seiner städtebaulichen und kulturellen Wirkung auf den Markt Dießen mit Mitteln der Städtebauförderung gefördert wurde.

Wie Kirsch berichtete, nahmen 19 Planungsbüros aus Deutschland und dem benachbarten Ausland am Wettbewerb teil. Es sei der Wunsch von Liselotte Orff und Ziel von Stiftung und Gemeinde gewesen, das bundesweit einzige Carl-Orff-Museum in Dießen zu erhalten und auf dem Anwesen am Ziegelstadl zu verankern. Dieser Wunsch sei ihm eine Verpflichtung, so Kirsch, den er am Ende seiner Amtszeit noch auf den Weg bringen wolle. Wie Professor Diplom-Ingenieur Christian Schiebel (Regierung von Oberbayern) berichtete, wurden in der Sitzung des Preisgerichts am 24. Juli zwei zweite Plätze und zwei Anerkennungen vergeben, die je mit einem Preisgeld von 13 500 Euro beziehungsweise 8 500 Euro dotiert sind. Insgesamt zwölf Stunden habe die Jury getagt und diskutiert. Eine wichtige Frage sei gewesen, wie geht man mit der langen, hölzernen Pergola um, die das Wohnhaus und das Arbeitshaus Orffs auf dem seit 2018 denkmalgeschützten Anwesens verbindet. Der Entwurf des Büros Reichel und Schlaier Architekten aus Stuttgart (Anerkennung) habe die Pergola mit einem langgestreckten, massiven Holzbau mit landwirtschaftlicher Anmutung hinterlegt. Eine zweite Anerkennung gab es für das Architekturbüro Murr aus Dießen, dessen Intention es sei, einen archaischen Baukörper zu planen, der sich unmittelbar an die Nordseite des Anwesens schmiegt, ohne den Charakter eines dritten Gebäudes zu erwecken. Zwei völlig eigenständige, geradezu konträre Entwürfe, so Schiebel, seien mit dem 2. Preis ausgezeichnet worden. Der Entwurf des Büros dasch zürn+partner aus Stuttgart zeige eine reine Dachkonstruktion aus hochwertigen Materialien wie Holz, Cortenstahl und Glas, die – so die Intention der Planer – wie eine Erdscholle in der Landschaftsidylle wirke. Zugleich wirke das separate Gebäude, in gebührendem Abstand zur nördlichen Pergola, sehr modern und konkurriere in keiner Weise mit dem Bestand, weshalb es, ebenso wie der zweite zweitplatzierte Entwurf aus München, bei den Denkmalschützern in der Jury sehr gut angekommen sei.

Eine ebenfalls hochkarätige Lösung präsentiert das Münchner Architekturbüro Meck, indem Wohnhaus, Arbeitshaus und Museum zu einem Dreigestirn mit schönem Eingangsbereich zusammenfügt werden. „Man wird regelrecht hineingezogen“, so Schiebel. Bemerkenswert sei die Dachform des Nordanbaus, der Formen des „Sonnenrads“ aufnimmt, das als Kunstwerk den Garten schmückt. Allen Arbeiten gemeinsam sei der respektvolle Umgang mit dem Bestand und das Bestreben, sich in Form und Material in die Landschaft einzufügen. Grundsätzlich habe das neue Museum das Zeug, ein Publikumsmagnet zu werden. Im Rahmen eines Vergabe-Verfahrens werden die Zweitplatzierten ein Angebot vorlegen, auf dessen Grundlage sich Gemeinde und Stiftung entscheiden werden, welcher Entwurf umgesetzt wird. Zugleich wird ein Bebauungsplan erstellt. Die Wettbewerbsarbeiten sind bis 5. August täglich von 14 bis 18 Uhr und am Sonntag, 11 bis 18 Uhr zu sehen. (una)

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