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„Dieses Programm muss nach Berlin“

Monika Drasch beendete mit einem Konzert in Eresing die zweiten Kreiskulturtage

Dieser Tage ist die Uttinger Musikantin wieder einmal eingetaucht in die musikalische und erzählende Welt ihrer bairischen Heimat: Monika Drasch setzte einen Glanzpunkt unter die Landsberger Kreiskulturtage 2019. In dem „geistlichen Festsaaal“, wie die kleine Dorfkirche in Eresing auch genannt wird, wurde sie für ihr aktuelles Programm groß gefeiert. Ein augenscheinlich sehr wissendes Publikum füllte die 1756 erneuerte Kirche, die der Rokokobaumeister Dominikus Zimmermann (1685-1766) mit weiteren Meistern seiner Zeit in ein Juwel verwandelte. Schon mehrfach angekündigt und auch in der Winterkirche St. Stephan in Diessen mit kleinen Kostproben vorausahnen lassend, welche machtvolle Kraft, welche Ursprünglichkeit und gleichzeitig warme, sanfte Innigkeit von Monika Drasch eingefangen wird, um im Marienmonat Mai ihr Programm „Oh Maria Heimatland“ erstmals vorzustellen.

In ihre Musikwelten tauchten mit ein Johann Zeller mit seinem Akkordeon und der Tenor Friedrich Custodio Spieser, der mit seinem Gesang und mit Flöten eine geniale Begegnungen aufbaute mit Monia Drasch. Der vierte im Bunde, der Erzähler und Autor Dr. Gerd Holzheimer, der tief in die bairische Seele hinein zu schauen in der Lage ist und das Gesehene mit seiner Erzählkunst so anschaulich wiederzugeben vermag, dass man selbst Tage danach noch überzeugt ist, man sei bei seinen Geschichten live dabei gewesen.

Dabei gewesen wie zum Beispiel die Großmutter „als Hüterin des Herdfeuers, auf dem immer was wärmende stand, ihre Katholizismus pflegte und ihren bairischen Alltag. Als sie dann im hohen Alter die Mehlspeis versalzte, gab sie auf, hat nichts mehr gegessen und ist dann eingeschlafen. Für immer. Mit seinen Geschichten aus dem Leben faszinierte Holzheimer gleichermaßen, wie er es seit vielen Jahren mit den Geschichten macht, die er für das legendäre Weihnachtssingen des Bayerischen Rundfunks verfasst.

Die allerschönste Marienlieder werden erklingen …

Für Monika Drasch selbst ist das Programm „Oh Maria Heimatland“ die große Sehnsucht des Menschen, irgendwo daheim zu sein. „Davon werden wir singen und erzählen“, sagt sie. Die allerschönsten Marienlieder werden erklingen in herrlicher Zweistimmigkeit.“

Zum Auftakt gab es schon mal Vielstimmigkeit: Die Kirche schwang buchstäblich mit als die Konzertgemeinde einstimmte in „Meerstern ich dich grüße“ (nach Huxthausen, 1830). Auch beim Dreifaltigkeitsjodler sind alle nochmal gefordert gewesen: Die Männer mit einem tiefen Jodel, die Weiberleit’ mehrstimmig für sich im gegenseitigen zujodeln.

Ansonsten gehörte das nahezu zweistündige Programm den vier Künstlern im Altarraum. Da sind klassische Marienlieder aus dem Gotteslob interpretiert worden, „und allerhand Altbairisches aus meiner Vergangenheit in der Klosterschule“, erzählte Monika Drasch. Ganz bizarre Spiele waren dabei, wie die Bayerische Verfassung, in Auszügen zu Ehren der Patrona Bavariae als Gesang interpretiert. Beim lesen des Grundgesetztes - „ich wollte einfach mal wissen, was da alles drinsteht“ - sei ihr der Gedanke gekommen - und der Applaus dafür war enorm. Der Modernität folgte eine romantisches Marienlied aus alter Zeit:

Es blüht der Blumen eine auf ewig grüner Au, wie diese blühet keine soweit der Himmel blau. DWo ein Betrübter weinet, getröstet ist sein Schmerz, wenn ihm die Blume scheinet ins leidenvolle Herz. Und wer vom Feind verwundet, wenn er ihn gläubig trinkt. Die Blume die ich meine, sie ist euch wohl bekannt. Die fleckenlose Reine, Maria wird genannt. Mit einem harten, lauten Video-Mapping, dessen bewegte Welten unruhig über die Kirchenrückseite dahinrasten und mit harter Artikulation beinahe den Stuck in Wallung brachten, klang der wunderbare Abend mit Musik zur Marienverehrung aus. Wohl war die Video-Installation von den Veranstaltern als lebhafter Abschluss der Kulturtage gedacht - aber die meisten Konzertbesucher verließen den Veranstaltungsort, weil sie die zwei visuell höchst gegensätzlichen Programme nicht miteinander teilten wollten. Aber in einem Punkt waren alle mit Monika Drasch sicher: „Oh, Maria Heimatland - dieses Programm muss nach Berlin.“ Eine Botschaft, die sie an die Politik gerichtet haben. Text / Fotos Beate Bentele.

Von Beate Bentele

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