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Die Zeit ist reif für Maria 2.0

Pressekonferenz im Bayerischen Landtag – Für demokratische Kirche, gegen priesterliche Sexualgewalt

Eine Galionsfigur der Bewegung ist Elisabeth Kötter, die als freischaffende Künstlerin ihren gemalten Frauenantlitzen den Mund symbolisch verschließt, zuklebt, zubindet. Sie ist aber auch überzeugte Katholikin, die Maria 2.0 Wort und Stimme gibt. Sowohl bei einer Podiumsdiskussion in Landsberg als auch bei einer Pressekonferenz im Bayerischen Landtag betonte sie, wie rasant sich Maria 2.0 in Deutschland und den Nachbarländern ohne Werbung und Aktivismus ausbreitet, „weil die Zeit reif ist.“

Beide Veranstaltungen hat die Landtagsabgeordnete von Bündnis 90 | Die Grünen Gabriele Triebel erfolgreich auf die Beine gestellt. Triebel stammt aus Kaufering im Landkreis Landsberg und ist Sprecherin für Bildung, Religion und Erinnerungskultur in der grünen Landtagsfraktion.

Anknüpfend an das Landsberger Podium betonte Elisabeth Kötter bei der Pressekonferenz im Landtag, dass die Presse den Begriff „Kirchenstreik“ geprägt habe. Es sei kein Streik gewesen, die Frauen wollten für eine Woche der Kirche fernbleiben, um die Lücken zu zeigen, die ihr Fehlen aufreißt.

Sie hielt weiter fest, dass die Initiative nicht die Person Mariens thematisiere, sondern das Frauenbild, dem man den Mund verschließt. „Miteinander reden ist so wichtig, Klartext statt blumiger Umschreibungen“ forderte sie. Und Gabriele Triebel schloss an: „Wir sind katholisch und wir stehen dazu – das geht nur im Dialog auf Augenhöhe.“

Eine demokratische Kirche funktioniere nicht, betonte Stefanie Steidl, „weil die Kirche monarchistisch-hierarchisch strukturiert ist.“ Auch der vielzitierte Papst Franziskus habe die Männerkirche im Blick und nicht die Frau. Dennoch dürfen wir nicht aufhören, die weibliche Teilhabe in der Kirche einzufordern, Maria 2.0 sei ein gangbarer Weg, berichtete sie eine der Mehrheitsmeinungen vom Landsberger Podium. Beate Bentele zitierte den synodalen Weg, mit dem Kardinal Reinhard Marx bei der Deutschen Bischofskonferenz im Frühjahr in Lingen um Verständnis warb.

Der Weg ermögliche eine strukturierte Debatte und werde Formate für offene Debatten schaffen, die eine verantwortliche Teilhabe von Frauen und Männern ermögliche.

Marx plädierte für eine Neuausrichtung nach Foren Macht, Partizipation, Gewaltenteilung, das Forum Sexualmoral brachte Bischof Dr. Georg Bätzing und das Forum Priesterliche Lebensform Bischof Dr. Felix Genn ein. Vor Kurzem sei noch das Forum Frauen in Diensten und Ämtern der Kirche hinzugefügt worden, für das Bischof Dr. Franz-Josef Bode zuständig ist. Auch ein Thema, das beim Landsberger Podium höchst kritisch hinterfragt worden ist.

„Wir begleiten den synodalen Weg nicht“, erklärte auch Elisabeth Kötter, weil Frauen dem Geist der männlichen Selbstermächtigung nicht länger folgen wollen. Frauen, sagte sie vor der Presse, könnten auch ohne Priester und ohne Weihe zusammenkommen und Andachten feiern.

Missbrauch ist auch nicht unter den Tisch gekehrt worden. Die Frauen betonten bei der Pressekonferenz die große Maria 2.0-Verantwortung, die sich im Februar 2019 auch an Papst Franziskus in einem offenen Brief mitgeteilt hat: Kein Amt für Sexualtäter in der Kirche. Selbstverständliche Überstellung der Täter an weltliche Gerichte und uneingeschränkte Kooperation mit den Strafverfolgungsbehörden. Die Kirche dürfe nicht länger vertuschen, was in den eigenen Reihen passiert. „So muss laut und deutlich gesagt werden, liebe Äbtissinnen, verkauft eure Schwestern nicht an die Priester.“

Abschließendes Wort zur Demokratisierung der Kirche, auch hier die klare Einschätzung von Elisabeth Kötter: „Auch da hätte die Kirche die Pflicht, voranzugehen, aber sie tippelt immer und überall nur hinterher.“

Insgesamt ein themenreicher, lebhafter Austausch zwischen Gabriele Triebel und den Frauen vom Landsberger Podium – Elisabeth Kötter und den Redakteurinnen Stefanie Steidl und Beate Bentele – mit Pressevertretern. (bb)

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