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Dießen

Die „Wiera“ wird zum Bach

Gewässersanierung in Obermühlhausen war Thema der Bürgerversammlung

Wie Kirsch erläuterte, sei die Gemeinde vom Landratsamt Landsberg angehalten worden, die Sanierung in Angriff zu nehmen, da Wasser durch den Damm hindurch sickere und dessen Standsicherheit nicht mehr gewährleistet sei. Dies bestätigte auch ein geologisches Gutachten, das Diplom-Ingenieur Thomas Fink den Anwesenden vorstellte.

Die Gemeinde, so Kirsch, wolle vor dem wasserrechtlichen Verfahren die Bürger ins Boot holen. Schließlich hat der Weiher eine lange Geschichte, wie auch den Worten von Werner Paul zu entnehmen war.

Dieser erblickte direkt an der Wiera, im historischen Haus Nr. 8, das Licht der Welt und ist dort aufgewachsen. Bis 1996 betreute er den Weiher als Wassermeister. Die Wiera, so Paul, sei vermutlich im 16. Jahrhundert angelegt worden, um die zahlreichen Quellen aus dem Hang aufzustauen und die Wasserkraft für den Betrieb der unterliegenden „Oberen Mühle“ nutzbar zu machen.

Die Mühle brannte 1911 ab. Viele weitere Jahre diente die Wiera der Wasserversorgung von Obermühlhausen und später auch dem benachbarten Hofstetten. Seit 1996 kommt das Wasser für Obermühlhausen aus Dießen. Bedauerlicherweise, so Paul, habe die Wiera durch Uferbefestigungen und Aufschüttungen im Lauf der Jahre Wasserfläche verloren.

Wie Petra Müller vom beauftragten Planungsbüro Kokai erläuterte, soll der Weiher nun in einen „naturnahen Bachlauf“ umgestaltet werden. Eine Maßnahme, die versehen mit einer Tiefendrainage, Druck vom Staudamm nehmen soll. Ein kleiner Fischteich am hinteren Bereich des Weihers soll erhalten bleiben. Vor Baubeginn, so die Planerin, müsse die Wiera komplett abgelassen und von Schlamm und Schlick gereinigt werden. Anschließend werde die trockengelegte Fläche weitgehend mit Folie ausgelegt und der Bachlauf mit Gesteins- und Erdmaterial modelliert. Lediglich im Bereich der neuen Stichleitung, die die Tiefendrainage mit dem Regenwasserkanal verbindet, sei voraussichtlich ein kleiner Eingriff in den schön bepflanzten, terrassenförmigen Staudengarten notwendig, der den Damm begrünt.

Das Triebwasser soll weiterhin über den Mönch, das Auslassbauwerk an der Dammkrone, auslaufen. Unterm Strich wird das Bauvorhaben voraussichtlich rund 280 000 Euro kosten. Die weitere Ausgestaltung und Bepflanzung der Fläche im Bereich des neuen Bachlaufs lasse unterschiedliche Gestaltungsmöglichkeiten zu. Bedenken äußerte ein Anwohner, dessen Haus oberhalb des Gewässers steht. Durch das Absenken des Wasserspiegels könne Hangwasser nachströmen und die Fundamente seines Hauses gefährden, so seine Befürchtung. Ein Risiko, das der anwesende Geotechniker nicht erkennen konnte. Auch der Weiher unterhalb der Wiera, der als Löschwasserteich und optional auch als Fischweiher genutzt werden könnte, werde weiterhin ausreichend mit Wiera-Wasser versorgt, versicherte die Planerin.

Angeregt wurde, die Grundstücksgrenzen zu prüfen, auch um möglicherweise wieder - wie früher mal vorhanden - einen Fußweg von der Bergstraße über die Dammkrone bis zum Mühlweg herzustellen.

Darum müsse sich wohl seine Nachfolgerin oder sein Nachfolger kümmern, sagte Kirsch. Fünf der mittlerweile sieben Bürgermeisterkandidaten waren im Gasthof Wegele anwesend. (una)

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