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Dießen

Dießener Verwaltung möchte auf Diesel verzichten

Die Gemeinde steigt auf GTL um – Getankt wird auf der gemeindeeigenen Zapfanlage

Mit dem Treibstoffwechsel werde man zwar nicht die Welt retten, räumte Bürgermeister Herbert Kirsch ein. Aber die Entscheidung für GTL sei zumindest ein kleiner Schritt hin zu mehr Klimaschutz. Ein Ziel, das der Gemeindeverwaltung wichtig ist. Darum gibt es, wie berichtet, im Rathaus seit einigen Wochen eine eigens gegründete Projektgruppe, die sich mit Fragen rund um den Klimaschutz beschäftigt und Verbesserungsvorschläge macht.

Zwar sei die CO2-Einsparung bei der Verwendung von GTL marginal. Allerdings würden bei dem Treibstoff, der aus Erdgas gewonnen wird, deutlich weniger Stickstoffoxide und Feinstaub freigesetzt, erklärte Geschäftsstellenleiter Karl-Heinz Springer, der zugleich Vorsitzender der Projektgruppe ist.

Auf die Frage von Georg Stadler (CSU), warum GTL noch nicht öffentlich an Tankstellen erhältlich sei, erklärte Tobias Stowasser, Mitarbeiter des zuständigen Großhändlers, dass noch nicht alle Kfz-Hersteller ihre Fahrzeuge für GTL freigegeben haben. Deshalb sei die Bundesregierung noch zurückhaltend. Und für GTL sei noch keine eigene DIN-Nummer vergeben worden, die für den bundesweiten Vertrieb an öffentlichen Tankstellen Voraussetzung ist.

Ebenso wie ein großer Teil des Erdöls, das in Europa Verwendung findet, werde auch das Erdgas zur Herstellung von GTL in Katar gefördert, räumte Stowasser ein. Und zwar aus einem Gasfeld, dass sich im Besitz des Shell-Konzerns befinde.

Der Treibstoff GTL, so Stowasser, werde in der Nachbargemeinde Utting bereits seit geraumer Zeit genutzt. Verwendet werde er auch von der Bayerischen Seenschifffahrt am Ammersee, sowie am Starnberger- und am Tegernsee, ebenso am Staffel- und Forgensee. Außerdem prüft nach Informationen der Gemeindeverwaltung auch die Forstverwaltung München den Einsatz von GTL bei der Holzernte.

Die Gemeinde werde daher eine eigene GTL-Tankstelle einrichten, die ein Fassungsvermögen von 10 000 Litern haben soll. Die Tankstelle, so Bürgermeister Kirsch, soll nicht nur für die Fahrzeuge von Bauhof, Wasserwerk und Gemeindeverwaltung zugänglich sein, sondern auch für die Einsatzfahrzeuge der Freiwilligen Feuerwehr. Getankt werden kann sogar nachts, z.B. unmittelbar nach Einsätzen. Benötigt wird dazu ein Chip, der dem jeweiligen Fahrzeug zugeordnet ist und der Online-Abrechnung dient.

Rund 47 000 Euro werde die Tankanlage, samt Bodenplatte und Ölabscheider kosten, erläuterte Springer. Die Gemeinde entschied sich für einen Mietkauf über drei Jahre. Wie die Verwaltung errechnete, kosten bei einem 10 000-Litertank 100 Liter GTL aktuell etwa 125 Euro. Für 100 Liter Diesel an der Tankstelle liegen die Kosten derzeit (Stand 1. 10. 2019) bei 129 Euro. Der Preisvorteil für GTL ergebe sich aus dem Mengenrabatt. Kosten für die Wartung der Anlage fallen laut Stowasser nicht an. „Charmant“ fand Michael Behrend (UBV) die Vorstellung, dass die Gemeinde damit nicht mehr von Preisschwankungen an öffentlichen Tankstellen abhängig sei. (una)

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