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Dießen

Der Baumeister

Der 92-jährige Emil Schmitt unterstützt den Förderkreis Schacky-Park in Dießen mit seinem enormen Wissen beim Erhalt dieses Kulturguts

Als er nach Kriegsende wieder zurückkehrte, galt es nämlich, sofort im elterlichen Betrieb mit anzupacken. „Mein Vater hatte keine Leute mehr. Die waren entweder gefallen oder in Gefangenschaft.“ So stellten er und ein Cousin die Belegschaft des heimischen Bauunternehmens, der Konditor wurde zum Maurergesellen umgeschult und fand Gefallen daran. Gelernt hat er daher schnell und gerne, vor allem die Bruchsteinbearbeitung beherrschte er bald aus dem Effeff. Vier Jahre später legte er die nächste Prüfung ab, wieder in Würzburg, diesmal die zum Maurermeister.

Dann kam die Zeit, als die ehemaligen Soldaten aus der Gefangenschaft heimkehrten. Darunter war auch sein Bruder, der auch das Baugeschäft übernahm. Emil Schmitt ging daraufhin zwei Jahre als Vorarbeiter zu einer anderen Firma nach Kempten ins Allgäu, denn er wusste: zwei Söhne des Chefs in der gleichen Firma, das geht nicht gut. Der Baumeister aber wollte mehr und liebäugelte mit einem Ingenieurstudium, doch dann klopfte erneut das Schicksal an seine Wohnungstür: „Ich bekam das Angebot, unsere Filiale im Schwarzwald zu übernehmen.“Also erneut eine Abzweigung des Lebensweges, die der 28-jährige Emil Schmitt aber sofort bereit war, einzuschlagen. „35 Jahre habe ich dann die Firma in Wehr mit 30 Beschäftigten geleitet.“ Zudem lernte er dort seine Frau kennen, die gemeinsame Tochter kam auf die Welt und nach acht Jahren baute er ein eigenes Haus. Die Tochter aber zog irgendwann ins bayerische Germering und, um ihr näher zu sein, beschloss das mittlerweile in Rente lebende Ehepaar Schmitt, in Dießen eine Wohnung zu kaufen und umzuziehen. Fünf Jahre, bevor es so weit war, erkrankte Emil Schmitts Frau aber schwer und verstarb noch kurz vor dem Umzug: „Die Wohnung hatte sie aber noch sehen können.“

Emil Schmitt machte sich also erneut allein auf den Weg. In Dießen suchte er, der so gerne sang und wanderte, sofort Anschluss an den Alpenverein und einen Chor, gründete eine Senioren-Wandergruppe, die heute 50 Mitglieder hat.

Bei einer seiner Wanderungen, immerhin schon im hohen Alter von 81 Jahren, sah er einen Prospekt über den Schacky-Park und dessen Förderverein und dachte sich: „Da machst Du mal mit.“ Emil Schmitt packte sofort mit an, schaufelte Kies, mähte Gras. Gefragt hat er dabei niemanden, „ich wusste ja, wie das geht.“ Irgendwann habe dann jemand gemerkt, „dass ich vom Fach bin.“ Emil Schmitt hatte, wie es so seine Art ist, einfach angefangen. Inzwischen wurden, seit er da ist, drei Brunnen unter seiner Regie wiederhergestellt, der Venushügel, viele Säulen oder auch die Sockel für die Auffahrtslampen. „Wo immer etwas ausgegraben, gebaut oder wiederhergestellt werden muss, ist Emil Schmitt sofort unser erster Ansprechpartner“, ist Christine Reichert, Vorsitzende des Fördervereins, voll des Lobes über „ihren Baumeister“. Dessen Engagement und Fachwissen habe dem Verein bislang einen stattlichen, sechsstelligen Betrag erspart. Emil Schmitt tut das Lob gut, wenngleich er sich nur ungern in den Vordergrund drängt. Der Baumeister macht halt – weil man ihm vertraut und weil „sie gesehen haben, dass etwas dabei herauskommt.“

Mittlerweile ist Emil Schmitt 92 Jahre alt. Seit Kurzem macht ihm die Gesundheit ein wenig zu schaffen. Allerdings begegnet er diesen Zeiterscheinungen auf die ihm eigene Art. „Die Arthrose in den Knien hab ich weitgehend auf dem Ergometer kaputtgeradelt“, erklärt er verschmitzt. Die Hausarbeit und das Kochen erledigt er nach wie vor selbst, wie auch das Rasenmähen – sein Garten hat immerhin Hanglage.

Und auf dem Wohnzimmertisch liegen schon die Pläne für sein nächstes Projekt: Emil Schmitt zeichnet am neuen Gerätestadel – ganz ruhig und ohne gedrängt werden zu müssen. Er packt einfach mit an, solange er kann, denn er weiß ja, wie das geht.

Von Dieter Schöndorfer

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