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„Das ist ja wie im Paradieserl“

Sieben Jahre lang gärtnerten zwischen 15 und 20 Familien auf einem Grundstück in Wengen

Es ist viel gewachsen dort, im Paradieserl“, sagt Maya Heinrichmeier, die Mitgründerin des Gartens. Zusammen mit Gartenbau-Ingenieurin Katja Holler besuchte sie 2010 einem Transition-Town-Workshop. Dort entstand die Idee für das Projekt. Knapp ein Jahr lang suchten die beiden Gärtnerinnen nach einem Stück Land in Dießen. Im Herbst 2011 stellte Klement Noll einen Teil seiner verpachteten Fläche für das Gartenprojekt zur Verfügung. Im folgenden Frühling pflügten die Gärtner mit Hilfe von Noll und seinem Pferd samt Pflug den Acker um. Sie befreiten die Erde von Quecken und säten Salat, Karotten, Wirsing, Kartoffeln und vieles mehr.

Einmal im Monat gab es ein festes Gruppen-Treffen. „Von Anfang an ging es neben dem Gärtnern, der Permakultur und der gelebten Nachhaltigkeit, auch um Gemeinschaft und Partizipation“, so Maya Heinrichmeier. Innerhalb der nächsten Jahre entstanden viele Projekte. Die Paradieserl-Gärtner bauten ein Kompostklo inklusive Holzhaus, Tomaten-Gewächshäuser, eine Geräteschuppen und eine Feuerstelle. Ein Gemeinschaftsbeet mit Kürbis, Bohnen und Mais wurde angelegt. Katja Holler experimentierte jahrelang mit Wildblumen. Sowohl die Gärtner als auch die Bienen erfreuten sich an Flockenblumen, Kartäusernelken, Skabiosen, Witwenblumen, Moschusmalven, Wildem Oregano und Heilziest. Heinrichmeier lernte Imkern und hielt mehrere Bienenvölker auf dem Grundstück. Zudem legte die Gartengruppe eine Wasserleitung aus recycelten Schläuchen zum benachbarten Bach. Eine Solarwasserpumpe sorgte dafür, dass das 1000-Liter-Wasserfass sich ohne mühsames Schleppen füllte. Auch außerhalb des Gartens war die Gruppe aktiv. Die Mitglieder organisierten einen Dengel-Workshop, Vorträge zum Thema Permakultur und Saatgut. Zudem halfen sie bei der Pflanzentauschbörse mit, die jährlich vom Bund Naturschutz am Dießener Samstag-Markt veranstaltet wird.

Das Thema Saatgut spielte eine wichtige Rolle bei den Hobby-Gärtnern. „Es war toll zu lernen, wie wichtig es ist, Saatgut zu haben, welches an das jeweilige Mikroklima vor Ort angepasst ist“, so Heinrichmeier. „Wenn dieses Wissen nicht weitergegeben wird, stirbt die Biodiversität im eigenen Garten und man macht sich von großen Saatgutfirmen abhängig.“

Am vergangenen Samstag traf sich die Gruppe zum letzten Mal im Gemeinschaftsgarten. Die Hobby-Gärtner bauten das Tomatenhaus, die Komposter und die Feuerstelle ab. Für den Schuppen und das Kompostklo haben sich neue Besitzer gefunden. Jetzt sucht die Garten-Gruppe nach einem neuen Platz mit fruchtbaren Boden in Dießen und hofft auch für die kommende Saison auf schmackhafte Radieserl.

Von Miriam Anton

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