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Dießen

Brauchtum schafft sinnvolle Höhepunkte

Traditioneller Leonhardiritt zu Ehren des Heiligen in Wengen mit rund vierzig Reitern

Trotz kühlem Novemberwetter bot sich auf dem Dorfplatz an diesem Tag ein prächtiges Bild. Nicht nur die Kapelle war geschmückt, sondern auch der Dorfplatz selbst und natürlich die Pferde – fleißige Hände hatten Rosensträußchen und bunte Nelken kunstvoll in Schweife und Mähnen eingeflochten und der Musikverein Dießen tat im Trachtengewand und mit festlicher musikalischer Umrahmung das Seine dazu. Pfarrer Schneider schlug in seiner Predigt eine Brücke zu Noah und dessen Arche. Auch diese biblische Geschichte sei ein Gleichnis, in dem gezeigt werde, dass die Menschen in einer lebendigen Beziehung zu anderen Wesen der Schöpfung stünden. Sich ihnen zuzuwenden, so Schneider, sei ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu Gott. Bräuche wie der Leonhardiritt seien eine wunderbare Gelegenheit dafür, und sie seien im Wortsinn genau das, „was der Mensch eben braucht.“ Denn durch Bräuche, die meist ein religiöses Fundament haben, verlaufe die Zeit nicht monoton, sondern erhalte sinnvolle Höhepunkte und Akzentuierungen.

Auch in den Fürbitten wurde um „einen verantwortungsvollen Umgang mit der Schöpfung und den uns anvertrauten Tieren“ gebetet, und im Anschluss an den Gottesdienst umrundeten schließlich die Rösser mit ihren Reitern dreimal die Kapelle, um sich von Pfarrer Schneider segnen zu lassen. Denn, so Schneider, „am Segen sei alles gelegen“, ein Segen, der die Tiere vor Krankheit und Gefahr schützen soll. Dann zog der Festzug durch ein eigens aufgebauten und mit Blumen geschmückten Torbogen am Rande des Dorfplatzes von dannen, vermutlich zu einer wohlverdienten Extraportion Heu oder Hafer im warmen Stall.

Organisiert und vorbereitet wurde der Leonhardiritt auch in diesem Jahr wieder von der Burschenschaft Wengen. (una)

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