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Bedeutet Artenschutz – Schutz nur der eigenen Art?

„Tiefenökologie“ – Der weitere Blick in die Zukunft unserer Gesellschaft

Es wird heiß auf Erden, (wir nähern uns der vierten Stufe im Heute) die grüne Lunge raucht- auf der anderen Seite des Globus brennt der Amazonaswald. Der brasilianische Präsident spricht: ‚Mein Wald, da kommt keiner rein, brasilianisches Hoheitsgebiet’. Soll es halt dort brennen. Gut für die Wirtschaft- neue Soja- und Grasflächen fürs Rindvieh zur Ernährung der europäischen Mäuler. Die Antwort des weißen Mannes Macron: „Das geht nicht!, das Feuer betrifft uns alle“

Hier legt der Autor eine kleine Pause ein: denn nun wird es sehr heiß. Die Frage lautet nicht: warum brauchen wir die Natur?, sie ist unsinnig- allein schon ohne bestimmte kleinste Bakterien in den Ozeanen, die Sauerstoff freisetzen, gäbe es kein menschliches Leben auf Erden. Die eigentliche Frage heißt: wem gehört sie? Brasilien, Europa oder? Allen? der Gattung homo sapiens? Oder, Achtung- sie (die Natur) sich selbst? Was soll das denn heißen? Solchermaßen empört betreten wir die hochsensible Sprenggürtelzone der narzistischen Kränkung von homo sapiens. Auf gut trumpisch: wenn ich Grönland nicht kaufen kann, können mich die Dänen sonstwo!

Während in Bolivien und Brasilien die Wälder glühen, geht es bei der gerade stattfindenden Weltmeereskonferenz in Bremen um das Thema Ozean, genauer: um Tiefseebergbau. Diverse Nationen haben schon ihre Claims in den Polarmeeren abgesteckt; die UNO versucht im letzten Moment die Bremse zu ziehen. Die Frage heißt wiederum: wem gehören die Meere und deren hochkarätigen Bodenschätze- irgendwelchen Anrainerstaaten, oder der Menschheit insgesamt? Spätestens hier klingelt der Satz von Prof. Harald Lesch in aller Ohren: „Die Menschen (dazu gehören gerade auch die Politiker P.E.) heute sind ziemlich überfordert mit all dem!“ Ganz wahr, denn nun sind wir auf der Höhe einer globalen spirituellen ökologischen Perspektive. Und die lautet: Wir müssen beginnen, uns Rechte vorzustellen für andere Entitäten (heißt für die Gegebenheiten der Natur- Wald, Meer, Baum, Löwe, Sperling P.E.)... und gleichzeitig die Rechte für den Menschen verringern! so Philipp Sanders Prof. für Internationales Recht in England. Sein Satz geht ans Eingemachte; er löscht endgültig das Bild vom Menschen als ‚Krone der Schöpfung’. Und zwar im Namen der Wissenschaft! Deren Forschungsergebnisse zeigen inzwischen klipp und klar, dass die Welt der ‚anderen’ Lebewesen auf diesem Planeten sich nicht nur bei Walen, Primaten und Schweinen durch hochkomplexe Intelligenz, Anpassungsfähigkeit und Lernbereitschaft (Nachhaltigkeit)teilweise seit Jahrmillionen auszeichnet. Die Aliens sind also mitten unter uns, der Mars hat dagegen nicht viel zu bieten.

Wem das alles zu bunt zu werden droht sei daran erinnert, dass die kapitalitsche Wirtschaft seit Längerem in juristischen Angelegenheiten für Unternehmen das Wort‚personhood’ ins Spiel gebracht hat; heißt, dass ein solches als quasi juristisch legitimierte Person durch Fürsprecher vor Gericht auftreten kann! Warum sollte so etwas dann nicht umso mehr für lebendige Wesenheiten- ob Tier, Pflanze oder Ökotope gelten, dachte sich der kanadische Umweltschützer und Anwalt David Boyd und beschrieb erstmals in seinem Buch: „The Rights of Nature“ die alles auf den Kopf stellende Grundfrage: Welche Rechte haben ein Fluß, ein Wald, ein Wolf? Ging es vor 150 Jahren noch um die Menschenrechte für „coloured people“, später um Frauenrechte, danach um Kinderrechte, schließlich um die Rechte von LGBTQ Menschen, wagt Boyd den Sprung hin zur Frage nach den Eigenrechten des Ökosystems Erde als Ganzem, bei der indigenen Bevölkerung Südamerikas Pacha Mama genannt. Bis vor kurzem noch galt: Land in Sicht- Flagge hissen,- Land und Leute als Eigentum reklamieren! Diese Freibeutersicht ist, in Bezug auf die Weltmeere z.B., ungebrochen. Die Titelstory des Magazins ‚Der Spiegel’ lautete kürzlich nicht von ungefähr: Sind wir noch zu retten? Ohne einen inneren Wandel, hin zu mehr Ehrfurcht vor den ungeheuren Dimensionen der Evolution - wohl kaum.

Die Forschung sagt uns heute, so Boyd, dass die DNA bei homo sapiens in dichtester Weise mit der aller anderen Lebewesen des Planeten Erde verbunden ist; der Gedanke einer Höherstellung von homo sapiens ist daher in keiner Weise angemessen. Nichts wäre demnach unmenschlicher als eine Welt, in der es nur noch Menschen gäbe. Die Idee eines Eigentumanspruchs von Nationen/Unternehmen ist daher in seinen Augen absurd. Wir sind alle Hüter des LEBENS; eine interessanterweise sehr biblische Aussage, die sich inzwischen viele NGO’s zu Herzen genommen haben.

Aus solchem Blickwinkel schaut sich ein Ort wie Dießen ganz neu an; man wird diesen ab jetzt immer wieder brauchen, präziser: erinnern müssen, denn hier ‚vor Ort’ ist ja die Umsetzung gefragt. Auf dass Alltag hin wieder ein TagimAll sein darf. Das Städtchen ist eine kostbare Perle am See, die mehr und Anderes noch verdient als inzwischen vornehmlich zur touristischen Eventkultur hochgetunt zu werden.

Wandel beginnt heute mit der Grunderkenntnis, dass die Ökologie, die Lehre vom Erdhaushalt, Grundlage und Maßstab für alle weiteren menschlichen Aktivitäten ist: Wirtschaft, Soziales, Kulturelles wie Digitales.Und hier heißt die Leitlinie für die (lokale) Politik: weniger ist not-wendig. Eigentlich eine Blasphemie für ein reiche Gesellschaft. Doch die Vorstellung, allein mit einer technisch halbwegs sauberen Energie unseren Wohlstand halten zu können, ist schlichtweg Selbstbetrug. Sie unterschlägt den Triebfaktor einer wachstumsfixierten kapitalistischen Konsumideologie-die Gier nach Mehr. Der ununterbrochene Verbrauch von Land, Tier, Pflanze und Mensch liegt demnächst bei 2 Erden. Die Explosion der Immobilienpreise im Landkreis sprechen hier Bände.Wollen wir eine partizipative Demokratie, die auf mehr Gerechtigkeit setzt, - der ‚freie’ Markt ist daran nicht interessiert- ökologisch weiterentwickeln, bedürfen wir der Einsicht in die Abhängigkeit von, bzw. Eingebundenheit in ein größeres Ganzes- erst dann ist Wald kein bloßes Holzlager mehr und Flüsse, Seen, Meere und Berge mehr als Vergnügungsstätten: fragile Paradiese, deren lebendige Schönheit, Vielfalt und Erhabenheit wir unbedingt für ein gelingendes humanes Leben bedürfen, seelisch-geistig wie materiell. Dieses anerkannt, zeigt sich uns die Erde als ein sakraler Ort im Universum- ein Geschenk, ein Wunder für jeden, der seine Sinne offen hat; dafür bedarf es keiner Religion aber der Wahrheit des Satzes von Einstein: Der intuitive Geist ist ein heiliges Geschenk und der rationale Verstand ein treuer Diener; wir aber haben eine Gesellschaft erschaffen, die den Diener ehrt und das Geschenk vergessen hat.

Ein 15 jähriges Mädchen aus Schweden hat uns für diese Wirklichkeit wieder wachgerüttelt; am Freitag, 20. September können wir dafür unsere Stimmen erheben- in Dießen, Landsberg, München. Ansonsten: Friday is every day’s future!

Von Dr. Peter Erlenwein

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