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Kultur

An der Angel

So völlig verschwunden ist Sigmund Freud nicht, glaubt der Fritz. Zwar ist sein Bekanntheitsgrad drastisch gesunken, aber eine kleine Minderheit weiß noch um die Bedeutung des Begründers der Psychoanalyse. Eines seiner berühmten Werke befasst sich mit der Beziehung des Witzes zum Unbewussten. Witze dienen als Ventil, um eigentlich nicht Sagbares angesichts von Unterdrückung doch artikulieren zu können. Die DDR war charakterisiert durch viele Dinge, aber vor allem durch Mangelwirtschaft. Viele Dinge – für uns Selbstverständlichkeiten – waren dort kaum zu haben, zum Beispiel Südfrüchte. Wenn überhaupt, dann gab es sie nur an Weihnachten und nur für wenige Tage. Die Mängelversorgung regte die Kreativität der Menschen in der Deutschen Demokratischen Republik an. Kommt ein Mann ins Kaufhaus. Er befindet sich im zweiten Stock und fragt nach Orangen. Prompt bekommt er die Antwort: Hier gibt’s keine Bananen, keine Orangen gibt’s im ersten Stock. Kaum steht der neue Kiosk in den Seeanlagen, schon regt sich Spott. Der neue Name lautet im Volksmund „Rostlaube“. Schnell ist in der Marktgemeinde damit ein neuer Ausdruck gefunden worden. Ist das nun eine Ehrenbezeichnung oder Ausdruck des Missfallens, fragt mit Sigmund Freud Euer Fritz
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