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Kultur

Als die Angst die Seite wechselte

Mit QR-Codes zu der Leipziger Montagsdemo

Jetzt ist Maren Martell unter die Herausgeber gegangen.

Im Transit-Verlag erschien das geschichtlich hochinteressante Buch „Als die Angst die Seite wechselte“ des Bürgerrechtlers Siegbert Schefke. Der Untertitel „Die Macht der verbotenen Bilder“ beschreibt bereits, um was es geht: Zwei junge Oppositionelle, Siegbert Schefke und Aram Radomski, filmen illegal die Montagsdemonstration in Leipzig und senden damit ein Fanal in die Welt und in die untergehende DDR.

Ein gefährliches Abenteuer mit ungeahnten politischen Auswirkungen, nachdem die ARD-Tagesthemen am 10. Oktober 1989 den leicht verwackelten Film ausstrahlten. Über einen befreundeten Spiegel-Journalisten hatten Schefke und Radomski ihre Aufnahmen in den Westen geschmuggelt. Die spektakulären Aufnahmen der ersten großen DDR-Massendemonstration mit 70.000 Teilnehmern gelten heute als „Anfang vom Ende des SED-Regimes“. Siegbert Schefke berichtet in dem Buch nicht nur über dieses spannende Ereignis. Er erklärt auch, wie aus dem Maurersohn aus Eberswalde ein dezidierter Regimekritiker wurde.

Der mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnete Siegbert Schefke ist am Ammersee kein Unbekannter. Im Landheim Schondorf hielt er vor Gymnasiasten eine authentische Geschichts- und Sozialstunde über die dramatischen Ereignisse, als in Berlin die Mauer fiel. Grund des Besuchs war das Buch „Meine Freiheit“ von Maren Martell und Co-Autorin Kathrin Höhne, in dem sie Schefke ein ganzes Kapitel gewidmet hatten. Das aktuelle von Maren Martell herausgegebene 160-seitige Buch „Als die Angst die Seite wechselte“ ist nicht nur wegen der zahlreichen Abbildungen und Faksimiles interessant, sondern auch wegen der QR-Codes. Über die kann man sich die historisch unersetzlichen Filme der Leipziger Montagsdemonstration ansehen.

Von Quirin Gutbier

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