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Zukunftsfähiges Konzept für Hospizstandort Polling

Penzberger Architekt Thomas Grubert plant Anbau am Nordtrakt – Realisierung in vier bis fünf Jahren geplant

Der „Hospizverein im Pfaffenwinkel“ will Polling als den Hospizstandort für das südwestliche Oberbayern halten und ausbauen, was nicht nur die Bedeutung des Ortes selbst stärkt, sondern auch für den Erhalt des Klosters enorm wichtig ist. Schwester Raphaela, Oberin des Pollinger Klosters: „Das Hospiz ist ein Glücksfall für unser Kloster und wir unterstützen die Aus- und Anbaupläne mit Nachdruck.“

An ersten Planungen für eine zukunftsfähige Lösung wird derzeit gearbeitet. Die Entwürfe des Penzberger Architekten Thomas Grubert sehen am bestehenden Nordtrakt des Klosters im direkten Anschluss an das bisherige Hospiz einen Anbau in Form eines Eckbaus vor, der dem ursprünglichen Katasterplan von 1810 entspricht. Realisiert werden soll das Vorhaben in Zusammenarbeit mit dem Kloster in spätestens vier bis fünf Jahren möglichst im Einklang mit den Nachbarn und mit Unterstützung des gesamten Dorfes und der Region.

Das stationäre „Hospiz Pfaffenwinkel“ hat zurzeit zehn Zimmer, acht davon sind ohne Nasszellen, was nicht mehr dem heutigen Standard entspricht. „Wir haben eine Ausnahmegenehmigung für die jetzigen Räumlichkeiten so wie sie sind, obwohl sie nicht mehr den gesetzlichen Vorschriften des Pflege- und Wohnqualitätsgesetzes von 2016 entsprechen“, so Hospizvereinsvorsitzende Renate Dodell. Dieser Bestandsschutz läuft Mitte der 2030er Jahre aus. Er entfällt allerdings komplett und sofort, werden im bestehenden Hospiz bauliche Veränderungen vorgenommen. Seit dem Hospiz- und Palliativgesetz von Ende 2015 steigen die ambulanten Beratungen und Begleitungen ständig an und damit auch die Anfragen nach einer Aufnahme ins Hospiz. Und sie werden in Zukunft weiter steigen. Der „Hospizverein im Pfaffenwinkel“ hat mit den Krankenkassen einen Versorgungsvertrag zur stationären hospizlichen Versorgung der Landkreise Weilheim-Schongau, Bad Tölz-Wolfratshausen und Garmisch-Partenkirchen sowie der südlichen Landkreise Starnberg und Landsberg. Die Höchstgrenze für ein Hospiz liegt bei 16 Betten, „wir würden gerne auf zunächst 14 Betten erhöhen“, sagt Dodell, wobei weder eine Modernisierung der jetzigen Zimmer noch eine Erweiterung innerhalb des denkmalgeschützten Klosters aus Platz- und Denkmalschutzgründen möglich ist. Alle bisher vom Hospiz belegten Räume könnten weiterhin für ambulanten Hospizdienst, Verwaltungs-, Hauswirtschafts- und Aufenthaltsbereich genutzt werden, die Patientenzimmer würden im neuen Anbau untergebracht. Während der Penzberger Architekt Thomas Grubert die ersten Entwürfe für einen Anbau skizzierte, ging beim „Hospizverein im Pfaffenwinkel“ die Anfrage der Stiftung „Ambulantes Kinderhospiz München“ (AKM) ein, ob im Rahmen des Bauvorhabens nicht auch ein ambulantes/teilstationäres Kinderhospiz mit sechs Betten und zwei weiteren Betten in zwei Familienappartements realisiert werden könnte. Die Stiftung AKM leistet seit 15 Jahren hochanerkannte ambulante Arbeit in Oberbayern, Niederbayern und der südlichen Oberpfalz. Die geschäftsführende Vorsitzende der Stiftung Christine Bronner (Vorstand Bundesverband Kinderhospiz): „Wir verfolgen in enger Abstimmung mit Staatsregierung und Krankenkassen das Ziel von dezentralen ambulanten/teilstationären Kinderhospizen in Bayern zur Alltagsentlastung von Familien mit schwerkranken Kindern oder auch Eltern. Polling ist der ideale Standort für das südwestliche Oberbayern.“

Dort sollen entsprechend einer heilpädagogischen Einrichtung schwerkranke Kinder zur Entlastung der Familien im Alltag einige Vormittage oder regelmäßig zwei Nächte in der Woche oder auch mal ein Wochenende von Fachkräften betreut werden – damit Eltern wieder Kraft sammeln können. Manchmal bleiben Familien ein paar Wochen, bis sie sich auf die neue Pflegesituation zu Hause eingestellt haben beziehungsweise entsprechende behindertengerechte Umbauten zu Hause abgeschlossen sind. Christine Bronner: „Die Kinder kommen nach Polling, um in guter Qualität gefördert und gut betreut zu werden.“ Ziel ist ihre Inklusion und ein Weg ins Leben. Darauf werden die Entwürfe nun ausgelegt.

„Wir haben jetzt die Chance, in zwei Einheiten ein erweitertes Hospiz für Erwachsene und eines für Kinder als von der Politik und den Krankenkassen unterstütztes Pilotprojekt gemeinsam zukunftsfähig zu gestalten“, sagt Renate Dodell. Und das soll bewusst in Polling geschehen, dessen Bürger der Hospizverein in das neue Konzept von Anfang an mit einbeziehen will. Dazu werden Renate Dodell, Christine Bronner und Architekt Grubert das Vorhaben in der Bürgerversammlung am Donnerstag, 25. Juli, vorstellen. Derzeit stehen der Hospizverein und die Stiftung AKM noch am Anfang der Planung, erste Entwürfe wurden dem Kloster, der Gemeinde, den Nachbarn und dem Landesamt für Denkmalpflege vorgelegt. Auch mit den Krankenkassen wurde schon wegen der Erhöhung der Bettenzahl im Hospiz und dem ambulanten/teilstationären Kinderhospiz gesprochen. „Wir haben noch keine Anträge gestellt und auch noch keine grundsätzliche Entscheidung getroffen“, sagt Renate Dodell. „Die Planungen sind ein Prozess, in dem noch viele Gespräche geführt werden müssen. Wir wissen auch, dass das Vorhaben eine Herausforderung für Polling ist.“ Es wäre aber auch eine große Chance und Aufwertung und von enormer sozialer Bedeutung nicht nur für den Ort, sondern auch für die betroffenen Menschen in der Region. (pm)

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