Unabhängiges Heimatblatt für die Ammerseeregion
Region

Schattiert von Grautönen

Zum Heimspiel im Schondorfer Studio Rose

Die erste Überraschung ist eine rein äußerliche, denn der Ausstellungsraum, scheint durch Licht- und Wandgestaltung verwandelt. Auf diese Weise wird eine dichte Atmosphäre geschaffen, die fast an eine Bühneninszenierung erinnert. Der Blick des Betrachters wird quasi aus dem ihn umgebende Raum allein auf die Bildfolgen gelenkt. Ein Kniff, welcher der formal innewohnenden Monumentalität der Arbeiten von Heinz Rose entspricht und diese unterstützt.

Thematisch folgt die Auswahl der Werke stringent dem Titel, „Mythologische Bilder - von der Zeichnung zum Werk“. Anhand zahlreicher Skizzen und Entwürfe kann der künstlerische Prozess, der zum fertigen Werk führte, tatsächlich nachvollzogen werden. Darstellungen von der Entführung Europas, dem Trojanischen Krieg, Amor und Psyche sowie viele weitere mythologische Gestalten und Begebenheiten sind zu sehen. Da die Werke ohne Rahmen gezeigt werden, lassen sie eine ungewohnte Nähe zu, die das Nachvollziehen des Entwicklungsprozesses unterstützt.

Eine mögliche, zweite Überraschung kann die seltsame Vertrautheit einiger Motive sein, welche über das Erkennen der dargestellten mythologischen Geschichte hinausgeht. Der Entwurf zu „Pegasus und der Dichter“ beispielsweise, ein fast geisterhaft wirkendes Bild, das in hellen Weiß- und Grauschattierungen gehalten ist, könnte eine ferne Erinnerung wachrufen. Betrachtet man den scheinbar in den Wind lauschenden Jüngling, erzählt das Werk von dem Moment der Eingebung, ganz wie es die Mythologie lehrt, gleichsam als Geschenk des ihm zugewandten, geflügelten Pferdes, göttlicher Abstammung. Woher diese „Déjà-vu-Momente“ rühren, erschließt sich aus den den Werken zugeordneten Texttafeln. Viele der gezeigten Arbeiten Heinz Roses waren Vorstudien für Aufträge, die schließlich in öffentlichen Gebäuden verwirklicht wurden. Der Entwurf „Pegasus und der Dichter“ beispielsweise war bis vor einigen Jahren noch als Supraporte im Foyer des Stadttheaters Augsburg zu sehen.

Eine nächste, allerdings eher missliche Überraschung stellt das Fehlen eines Kontextangebots dar. Schon in jungen Jahren erreichte Heinz Rose beachtliche Erfolge als Maler, und wurde dann, wie Prof. Peter Cornelius Mayer-Tasch 2002 anlässlich des 100. Geburtstages des Malers in einem Vortrag darlegte, durch den „Herausgeber des nationalsozialistischen „Stürmer“, Julius Streicher, (…) in die Prangerliste der sogenannten „Entarteten Kunst’“ gedrängt.

Sein Name wurde „nun in einem Schrift- und Atemzug mit Großmeistern der modernen Kunst wie Emil Nolde, Ernst Heckel, Ernst-Ludwig Kirchner, Karl Schmitt-Rottluff, Lionel Feininger, Paul Klee und Oskar Kokoschka genannt: ein zwar künstlerisch verdientes, politisch jedoch unverdientes Kompliment“, so Prof. Peter Cornelius Mayer-Tasch weiter. Ab 1938 wird Heinz Rose im Parteibuch der NSDAP geführt, eine „Rehabilitierung“ im Sinne der Machthaber. Entsprechend folgt eine Teilnahme an der Münchner Kunstausstellung im Maximilianeum im selben Jahr. Sein Oeuvre während des Dritten Reiches ist vorrangig gekennzeichnet von Portraits und Landschaftsbildern. Ab 1947/8 wendet er sich vermehrt klassisch-antiken Themen zu und arbeitet an einer Bewältigung des Raums im Bild, wobei er auch die menschlichen Akteure immer weiter in eine stark typisierte, bildhauerische Darstellung bannt. In Kombination mit seiner Malweise und der Verwendung einer reduzierten Farbpalette entstehen Arbeiten, die fast geisterhaft wirken, als bildeten sie eine Meta-Realität ab, während sie in ihrer Aussage archaisch bleiben. Eine kontextuelle Betrachtung wäre wünschenswert gewesen, um am Beispiel des Lebens und Wirkens von Heinz Rose, die Schattierungen von Kunst und Realität, Widerständigkeit und Ausrichtung, Originalität und Beeinflussung zu diskutieren.

Von Nuë Ammann

weitere Artikel