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Pähl: Umfangreiches Angebot für junge Familien

Das Ammersee Kurier Sommerinterview: Bürgermeister Werner Grünbauer aus Pähl nimmt zu aktuellen Themen Stellung

Im Sommerinterview bittet der Ammersee Kurier die Bürgermeister aus dem Verbreitungsgebiet zu den aktuellen Themen um eine persönliche Stellungnahme. Redakteurin Petra Straub hat Bürgermeister Werner Grünbauer aus Pähl befragt.

Treten Sie bei der nächsten Kommunalwahl wieder als Bürgermeister an?

Grünbauer: Da habe ich noch etwas Zeit, denn in Pähl findet die Bürgermeisterwahl erst 2023 wieder statt.

Wenn Sie zurückblicken auf ihre Tätigkeit als Bürgermeister, worauf sind Sie besonders stolz?

Grünbauer: Da gibt es vieles, auf das ich sehr gerne und auch mit Stolz zurückblicke. Insbesondere darauf, dass ich gemeinsam mit dem Gemeinderat den Ort wieder in geordnete Bahnen zurückführen konnte und mit einigen Projekten, wie zum Beispiel der Ansiedlung des Rewe-Marktes mit Post und Café oder dem Erholungsgelände in Aidenried, zu einer deutlichen Verbesserung der Lebensqualität verhelfen konnte. Leider gibt es dort noch keine Gaststätte. Das ist ärgerlich. Wir gehen gerade gerichtlich gegen den Erbpächter vor, versuchen aber, eine gütliche Einigung zu erzielen.

Gibt es ein Projekt, das Sie noch während der laufenden Amtsperiode realisieren möchten?

Grünbauer: Da gibt es noch mehrere. Vorrangig die Errichtung einer Tagespflegestätte für zirka 15 bis 20 Personen auf einem 7 000 Quadratmeter großen Hinterliegergründstück an der Ammerseestraße. Im Moment wird der Raumbedarf ermittelt und werden Gespräche mit potenziellen Partnern geführt. Denn in dem Gebäude soll auch eine Arztpraxis integriert werden, eine Praxis für Physiotherapie, Friseur, Fußpflege und ein Mehrzweckraum, der als Begegnungsstätte dient. Auch ein offener Mittagstisch wäre wünschenswert. Auch die Errichtung eines neuen Rathauses soll zeitnah realisiert werden. In beiden Fällen sind konkrete Planungen in Arbeit und bedürfen nun einer Umsetzung.

Was unternehmen Sie gegen die immer größer werdende Not auf dem Wohnungsmarkt?

Grünbauer: Da kannst du als kleine Gemeinde nicht viel unternehmen. Es ist auch ein sehr zwiespältiges Thema. Einerseits gilt es, für die einheimische Bevölkerung den Ortscharakter zu erhalten, andererseits ist es schwierig, den Einheimischen Wohnraum zu normalen Preisen zur Verfügung zu stellen. Ungeachtet dessen ist es auch nicht unsere Aufgabe, die Probleme des ungezügelten Wachsens des Münchner Raumes mit Wohnraum zu lösen, währenddessen in vielen Bereichen eine Landflucht auch weiterhin zu verzeichnen ist. Hier muss die Politik noch lernen, landesübergreifend zu denken und zu handeln.

Wie sehen Sie die Zukunft der Mobilität in Ihrer Kommune? Wir sprechen hier von Senioren, jungen Menschen, Fahrradfahrern, Rollstuhlfahrern, Autofahrern und dem Schwerlastverkehr.

Grünbauer: Die Mobilität ist eine Never-Ending-Story. Hier sind definitiv Bund und Land gefordert. Solange es hier nur Lippenbekenntnisse gibt, kann die Gemeinde auch kein wirksames Konzept mitgestalten. Das ist alles nur kosmetisches Flickwerk. Ungeachtet dessen haben wir im Rahmen der Fortschreibung des Regionalplanes gemeinsam mit der Gemeinde Raisting hierzu interveniert und eine Lösung gefordert. Nun wird geprüft, wie die Verkehrsanbindung verbessert werden kann. Der öffentliche Personennahverkehr ist elementar in der ländlichen Region.

Gibt es ein Projekt, das Sie ihrem Nachfolger gerne übergeben möchten?

Grünbauer: Das ist in meiner Situation zu weit weg, als dass ich hierzu eine Aussage treffen kann. In Pähl sind längst nicht alle Aufgaben gelöst. Ich bemühe mich aber, einen Ort mit geordneten Verhältnissen und intakter Infrastruktur zu schaffen und zu erhalten.

Wie schaffen Sie es, junge Familien hier anzusiedeln?

Grünbauer: Jüngste Prognoserechnungen des Landratsamtes gemeinsam mit Spezialisten zeigen, dass die Gemeinde ein Wachstumsort ist und auch die nächsten zwanzig Jahre bleiben wird. Für mich ist und war das auch eine klare Zielsetzung, jungen Familien gute Lebensbedingungen zu schaffen, für die ich auch Lösungen versprochen habe. Während meiner bisherigen Amtszeit wurden regelmäßig Baugrundstücke im Einheimischen-Modell zu sehr günstigen Konditionen bereit gestellt. Mit dem Bau einer Kinderkrippe sowie einer zusätzlichen Kita-Betreuungsgruppe bietet die Gemeinde sicherlich ein außerordentlich gutes und umfangreiches Angebot für junge Familien an. Das bestätigt sich auch in den Statistiken zu Geburtenraten und Zuzugszahlen.

Viele Betriebe hier klagen über die mangelnde Zahl an Arbeitskräften. Was könnten Sie dagegen tun?

Grünbauer: Das kann ich für unseren Ort so nicht bestätigen. Zumindest ist mir im Ort nichts herangetragen worden. Aber es ist richtig, dass der fehlende Wohnraum generell auch bei uns zu Engpässen führen kann.

Werden Sie weiteres Bauland ausweisen?

Grünbauer: Ja, aber nur noch in Verbindung mit einem Einheimischen-Modell. Wir haben jährlich rund 100 bis 150 Anfragen für Bauland.

Wie engagiert sich Ihre Gemeinde für den Klimaschutz?

Grünbauer: Die Gemeinde Pähl ist in der Region führend in der Erzeugung klimafreundlicher, regenerativer Energie und wurde hierfür auch bereits mehrfach ausgezeichnet. Allerdings sind die Möglichkeiten für eine Gemeinde allgemein sehr beschränkt. Bereits vor einigen Jahren haben wir mit dem Waldumbau begonnen, der einerseits den geänderten Klimabedingungen gerecht wird, andererseits aber auch einen wertvollen Beitrag zur Klimaverbesserung darstellt. Gefordert ist aber hier die internationale Staatengemeinschaft und insbesondere die Industrienationen. Es ist nicht vermittelbar, dass dem kleinen Bürger hier besondere Leistungen abgefordert werden, währenddessen z. B. in Brasilien Urwald im großen Stil abgeholzt wird. Es muss aber jeder einzelne seine Haltung prüfen. Dreimal in den Urlaub fliegen, Zimmertemperatur konstant auf über 25 Grad und so weiter. Klimaschutz beginnt im eigenen Wohnzimmer und nicht immer beim Nachbarn.

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