Unabhängiges Heimatblatt für die Ammerseeregion
Region

Kreis-SPD unterstützt CSU-Landrat

Neujahrsempfang der Landkreis-Sozialdemokraten im Historischen Rathaus von Landsberg

Der Amtsinhaber äußert sich auf Nachfrage des LT erfreut über die Unterstützung. Er sehe diese auch als Signal, dass er politisch auf dem richtigen Weg sei. „Ich habe bei der SPD nicht darum geworben, aber es hat sich in den vergangenen Monaten im Kreistag schon gezeigt, dass es ein konstruktives Miteinander gibt.“ Laut SPD-Kreischef steht die Entscheidung schon seit Oktober. Im November hatten die Sozialdemokraten bei ihrer Aufstellungsversammlung davon gesprochen, dass ihnen Kontinuität wichtig sei, aber nicht explizit gesagt, dass sie den Amtsinhaber unterstützen. „Das hat sich jetzt angeboten, weil Thomas Eichinger auch persönlich vor Ort war“, so Wasserle.

Verhalten fallen die Reaktionen der anderen Landratsbewerber aus. Dr. Peter Friedl (Grüne) bezweifelt, dass die Entscheidung bei den SPD-Wählern gut ankommt. Er sei überrascht gewesen von der Entscheidung und bedauert, dass die Sozialdemokraten keinen eigenen Bewerber nominiert haben. „Das wäre für den politischen Wettbewerb gut gewesen. Aber die Entscheidung sagt vielleicht auch etwas über den Zustand der SPD aus. Die Partei ist mit sich selbst beschäftigt.“ Irritiert ist Friedl über die Begründung, dass Kontinuität in turbulenten Zeiten wichtig sei. Aus seiner Sicht stehe der Landkreis außer beim Thema Klimaschutz gut da. Sondierungsgespräche zwischen SPD und Grünen habe es nicht gegeben. „Die Entscheidung war schon gefallen, bevor es eine Chance dazu gegeben hätte.“

Auch Landratskandidat Wolfgang Buttner (ÖDP) bedauert die Entscheidung. Sieht aber auch Gemeinsamkeiten. „SPD und CSU sind beim Klimaschutz beide komplett unfähig.“ Unerwartet komme die Unterstützung nicht, das sei im Kreistag in den vergangenen Monaten schon zu beobachten gewesen. Er sitzt auch in dem Gremium. Er hofft, dass es zu einer Stichwahl kommt. „Das wäre für das Thema Ökologie wünschenswert.“

Tobias Linke (Bayernpartei) sieht die Kooperation hingegen gelassen. „Es ist eine Personenwahl. Ich denke nicht, dass die Empfehlung der SPD für viele Wähler ausschlaggebend sein wird.“ Er selbst und die Bayernpartei würden „gute Ideen“ unterstützen, egal aus welchem Lager diese kommen, betont Linke. Inhaltlich setzt die SPD im anstehenden Wahlkampf unter anderem auf das Thema Pflege. „Wir brauchen wohnortnahe Angebote. Das gilt, angefangen beim ambulanten Dienst über die Tagespflege bis hin zur stationären Betreuung“, sagte Kreisvorsitzender Markus Wasserle beim Neujahrsempfang. Auch bei der Digitalisierung und dem Thema Mobilität wolle seine Partei Verbesserungen erreichen.

Um soziale Gerechtigkeit ging es dem Landsberger OB-Kandidaten, Felix Bredschneijder, in seiner Rede. Er betonte, dass der Boden ein nicht vermehrbares Gut sei, mit dem verantwortungsvoll umgegangen werden müsse. Eine Rolle spiele dabei auch die Frage, wo bezahlbarer Wohnraum entstehen könne. Der Boden sei längst zum Spekulationsobjekt geworden, kritisierte er. Das sei sowohl für viele Kommunen als auch die Bauern zur Belastung geworden. Er verwies auf das Ulmer Modell. Die Stadt habe strenge Richtlinien, was den Kauf und Verkauf von Grund angehe. „Ohne die Stadt geht da wenig. Deswegen steigen die Mieten in Ulm auch langsamer.“

Sorgsam mit dem Boden umzugehen, dafür warb auch Gastredner und Nachhaltigkeitsberater Michael König von der Stiftung Lebensraum in seinem Vortrag „Humus – die vergessene Klima-Chance“ Diese Stiftung unterstützt Bauern dabei, den Anteil an Humus in ihren Böden wieder erhöhen können und so dessen Erosion entgegenzuwirken und die Fruchtbarkeit zu steigern.

Grund zur Freude hatte beim Neujahrsempfang Andreas Bernhard. Der Dießener erhielt den „Heinrich-Tlaskal-Gedächtnispreis für Respekt und Toleranz“. (Wir berichteten) Der Sozialpreis wird vom SPD-Ortsverband Dießen an einen Dießener verliehen. Kreisrätin Hannelore Baur lobte Bernhards Engagement. „Er hat sich viele Jahre bei der Feuerwehr engagiert und mit der Burschenschaft Wengen viel geleistet. Beispielsweise wurde ein Spielplatz gebaut und eine Kapelle saniert. Solche Menschen beeindrucken mich.“ (mühl)

weitere Artikel