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Die zwei Leben des Dieter Finzel

Seit kurzem gibt es im Uttinger Bürgertreff eine Ausstellung des Künstlers

Finzels erstes Leben war Wald, Wiese und – Tod. 1936 in Köln geboren, trotz Krieg behütet aufgewachsen. Das Erwachen kam beim Anblick der Bilder von Befreiten aus den Konzentrationslagern in der Alain-Resnais-Dokumentation „Nacht und Nebel“, die er als Halbwüchsiger sah. Nur um hier anklagend und aufklärend tätig zu werden, studierte er Jura und wurde Staatsanwalt. Er wusste genau, wo er arbeiten wollte: In der Zentralstelle für die Aufklärung von NS-Verbrechen in Ludwigsburg, die 1958 gegründet worden war.

Sein zweites Leben ist Wald, Wiese und – Kunst. Dieter Finzel lebt seit 1983 in Utting. Seine Beamtenstelle als Staatsanwalt konnte er dank einer kleinen Erbschaft kündigen. Er kaufte das versteckt in der damals noch fast unberührten Landschaft liegende Häuschen, in dem er heute noch lebt und sein Atelier hat.

Seine Begegnungen mit der Kunst waren während der Berufstätigkeit zunächst emotional-begeistert, aber theoretisch. Er besuchte alle Ausstellungen, die der Kölner Kunstmarkt Ende der 1960er Jahre aufbot. Eine aufregende Zeit. Denn die Künstler begannen, die NS-Zeit aufzuarbeiten, sich zu befreien vom Muff der Nachkriegsjahre. Joseph Beuys und sein erweiterter Kunstbegriff beeindruckten, euphorisierten und spalteten.

In Utting fing Dieter Finzel irgendwann an zu malen. Absichtslos. Spielerisch. Er besuchte Kunstkurse und Workshops. Sehr viel später, zwischendurch sozusagen, belegte er einen „Grundkurs Malen“. Dann begeisterte er sich für japanische Kalligrafie - sieben Jahre lang übte er sich in der Kunst des Schönschreibens.

Das prägt auch heute seine Bildaussage. Kalligrafie hat etwas Meditatives, sie reduziert Aussagen auf das Wesentliche. Auf diesem Weg ist der Autodidakt Dieter Finzel. Dabei spielt Papier für ihn eine wichtige Rolle, dessen Haptik, dessen Fähigkeit, Farben aufzunehmen oder abzulehnen. Es entstanden sehr unterschiedliche Bilder – sehr farbige, expressive und sehr minimalistische. Interessant und sehenswert!

Die Ausstellung ist bis zum 22. Dezember zu den Öffnungszeiten des Bürgertreffs zu sehen. Jeweils mittwochs von 10 bis 12 Uhr, donnerstags von 15 bis 17 Uhr, samstags von 10 bis 12 Uhr.

Jutta Bäzner

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