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Die jungen Raistinger sollen im Dorf bleiben können

Das Ammersee-Kurier-Sommerinterview: Bürgermeister Martin Höck aus Raisting nimmt zu aktuellen Themen Stellung

Ammersee Kurier: Sie treten nächstes Jahr bei den Kommunalwahlen wieder als Bürgermeister an. Was motiviert Sie, weiterzumachen?

Martin Höck: Nach den internen Gesprächen mit den Gemeinderatskolleginnen und -kollegen der Neutralen Bürgerinnen- und Bürgerliste möchte ich mich wieder um das Amt des Ersten Bürgermeisters bewerben und strebe eine Kandidatur an. Was motiviert mich? Zu allererst die positiven Rückmeldungen aus der Bürgerschaft. Darüber hinaus natürlich auch mein eigener Wunsch, das in den vergangenen sechs Jahren Begonnene weiterzuführen und mich persönlich weiterhin für die Gemeinde, für unseren Ort einzusetzen. Mir macht meine Arbeit Spaß. Ich denke da an viele gute Gespräche mit Bürgerinnen und Bürgern, an die aus meiner Sicht gute Zusammenarbeit mit den Raistinger Vereinen und an all das, was aus dieser Zusammenarbeit entsteht, auch – und das aus meiner Sicht besonders wichtig – im Gemeinderat.

Außerdem stehen in Raisting einige wichtige Dinge an, die ich weiter voran treiben möchte, wie zum Beispiel Baugrund für Einheimische zur Verfügung zu stellen, leistbaren Wohnraum zu schaffen, die Sanierung der Grundschule, die Dorferneuerung und vielleicht gibt es ja doch noch Möglichkeiten, einen Radweg zwischen Dießen und Raisting zu realisieren. Bei letzterem muss die Gemeinde hartnäckig bleiben und hoffen, dass es zeitnah mit einem Grundstückstausch klappt.

Ammersee Kurier: Wenn Sie zurückblicken auf ihre Tätigkeit als Bürgermeister, worauf sind Sie besonders stolz?

Martin Höck: Stolz – ich bin eigentlich nicht der Typ Mensch, der stolz ist. Ich freue mich über das, was in den vergangenen sechs Jahren erreicht werden konnte, und zwar gemeinsam! Ein Bürgermeister alleine kann nur in sehr begrenztem Maß etwas erreichen – um tatsächlich etwas zu erreichen, müssen viele zusammen arbeiten. Ich denke da an den Gemeinderat, die Verwaltung, den Bauhof, die örtlichen Vereine und natürlich an die vielen engagierten Bürgerinnen und Bürger. Deswegen freue ich mich neben den vielen positiven Erlebnissen im Alltag ganz besonders über die Fertigstellung der Seniorenwohnanlage, die Erweiterung des Gewerbegebietes, die Nahwärmeversorgung für die kommunalen Liegenschaften im Ortskern, den Erwerb des Kindergartens St. Raphael durch die Gemeinde – um nur einige zu nennen.

Ammersee Kurier: Gibt es ein Projekt, das Sie noch während der laufenden Amtsperiode realisieren möchten?

Martin Höck: Es sind derzeit einige Projekte im Laufen: Die Dorferneuerung Raisting III wurde eingeleitet – hier soll in mehreren Abschnitten der Bereich um den Alten Pfarrhof und die Floßmannstraße neu gestaltet werden. Das kann in dieser Wahlperiode nicht mehr abgeschlossen werden. Die Ausschreibungen sollen im Herbst durchgeführt werden. Die Umsetzung ist 2020 geplant. Im Hinblick auf die Schaffung von Bauland für Einheimische im Bereich Hartweg bin ich guter Hoffnung, dass zumindest der Grunderwerb und die Einleitung der Bauleitplanung noch in dieser Wahlperiode durchgeführt wird. Bewerber für das Einheimischen-Modell gibt es aktuell über achtzig. Wird es konkret, gibt es sicher weitere Anfragen. Wir möchten den jungen Leuten ermöglichen, dass sie im Ort bleiben können. Ein Wachstum der Gemeinde ist dafür nicht erforderlich.

Ammersee Kurier: Was unternehmen Sie gegen die immer größer werdende Not auf dem Wohnungsmarkt?

Martin Höck: Zunächst werde ich mich dafür einsetzen, dass zusätzlicher Baugrund geschaffen werden kann – darüber hinaus muss auch in Zukunft leistbarer Wohnraum geschaffen werden – auch hier ist die Gemeinde gefragt. Langfristig kann nur mit einer angepassten Bauleitplanung gegen die Wohnungsnot gearbeitet werden. Allerdings immer mit einem Blick auf eine verträgliche Entwicklung und ein maßvolles Wachstum unseres Ortes! Durch den Bau der Seniorenwohnanlage hat die Gemeinde Schulden. Zudem müssen wir mit einem Minus bei den Gewerbesteuereinnahmen auskommen. Das nimmt uns aktuell etwas die Handlungsfähigkeit für weitere Projekte. Zudem ist die Bewirtschaftung einer weiteren Wohnanlage eine zusätzliche und aufwendige Aufgabe für die Verwaltung. Deshalb stellt sich bei einem Sozialwohnungsbau, der in drei bis vier Jahren realisiert werden könnte, die Frage der Organisation. Mehrere Gemeinden im Landkreis Weilheim-Schongau denken gerade darüber nach, eine Wohnungsbaugesellschaft zu gründen. Vielleicht wäre das eine Alternative.

Ammersee Kurier: Wie sehen Sie die Zukunft der Mobilität in Ihrer Kommune? Wir sprechen hier von Senioren, jungen Menschen, Fahrradfahrern, Rollstuhlfahrern, Autofahrern und dem Schwerlastverkehr.

Martin Höck: In unserer Gemeinde kann sehr viel mit dem Fahrrad oder zu Fuß erreicht werden. Für Fahrten nach Dießen, Weilheim, München und Augsburg ist die Bahn eine echte Alternative. Grundsätzlich sind wir alle gefordert, im Rahmen unserer Möglichkeiten auf das Auto zu verzichten – hier muss sich die Gesellschaft mit kritischen Fragen beschäftigen – welche Fahrten sind erforderlich? Mit welchem Verkehrsmittel? Können Fahrten besser geplant und koordiniert werden? In Raisting haben wir kaum Durchgangsverkehr. Überwiegend handelt es sich um Ziel- und Quellverkehr aus Raisting. Hier können wir Bürger selbst sehr viel gestalten. Ein Augenmerk muss in der Zukunft auch auf die Barrierefreiheit der Verkehrswege gerichtet werden.

Ammersee Kurier: Wie schaffen Sie es, junge Familien hier anzusiedeln?

Martin Höck: Es geht aus meiner Sicht nicht darum, weitere junge Familien anzusiedeln – es geht darum, unseren jungen Menschen die Möglichkeit zu geben, hier vor Ort zu bleiben und Wohnraum für ihre Familien zu schaffen. In Vergangenheit wurde bereits viel für Familien gemacht und beispielsweise in Kinderbetreuung investiert. Die Gemeinde Raisting bietet für unsere Kinder im Grundschulalter eine Betreuung nach dem Unterricht wahlweise im Kinderhort oder der Mittagsbetreuung an. Dies ist für eine Gemeinde in unserer Größe schon komfortabel.

Ammersee Kurier: Viele Betriebe hier klagen über die mangelnde Zahl an Arbeitskräften. Was könnten Sie dagegen tun?

Martin Höck: Ein Problem ist sicher, dass leistbarer Wohnraum knapp ist. Dem kann mit der Schaffung von bedarfsgerechten Unterkünften begegnet werden. In Raisting sind viele handwerklich geprägte Unternehmen angesiedelt. Ich kann unsere Jugend nur dazu ermuntern, die volle Breite der verschiedenen Schularten entsprechend ihren Fertigkeiten und Fähigkeiten zu nutzen. Ich denke, gerade im Handwerk gibt es in der Zukunft viele Möglichkeiten. Nach einer Ausbildung ist eine ständige Weiterbildung unerlässlich. Unsere Betriebe möchte ich ermutigen, in die Ausbildung von jungen Menschen zu investieren. Auch im Rathaus Raisting beendet der erste Auszubildende in diesen Tagen seine Ausbildung sehr erfolgreich. Er bleibt und übernimmt einen Arbeitsbereich im Ordnungsamt.

Ammersee Kurier: Wie engagiert sich Ihre Gemeinde für den Klimaschutz?

Martin Höck: Die Gemeinde hat im Jahr 2017 die gemeindliche Nahwärmeversorgung für die kommunalen Liegenschaften im Ortszentrum auf Biomassebasis in Betrieb genommen. In dieser Anlage wird Wärme aus Holzpellets gewonnen. Wir sparen so jährlich zirka 60 000 Liter Heizöl ein. Seit vielen Jahren wird aus der PV-Anlage auf dem Bauhof Strom aus der Sonne gewonnen. Auch künftig muss darauf geachtet werden, regenerative Energie zu erzeugen – denkbar wäre auch eine PV-Anlage auf einem sanierten Dach der Grundschule. Bei der Neugestaltung am Alten Pfarrhof wird eine Ladestation für E-Bikes installiert und die Voraussetzungen für die Einrichtung einer PKW-Ladesäule werden ebenfalls geschaffen. Nach und nach kann die Straßenbeleuchtung auf LED-Leuchtmittel umgestellt werden. Ein weiteres Beispiel des Engagements für den Klimaschutz ist die Teilnahme der Gemeinde Raisting an den Stadtradel-Aktionen in der Vergangenheit und auch in 2019. Somit wurde ein symbolischer Beitrag zum Klimaschutz geleistet. Ich selbst fahre im Ort ohnehin sehr viel mit dem Rad.

Ammersee Kurier: Herr Höck, herzlichen Dank für das Gespräch.

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