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Region

Der Wind ist rauer geworden

Seit acht Jahren besteht die VR-BürgerEnergie

4,2 Millionen Kilowattstunden Strom produzierten die sieben PV-Anlagen der Energiegenossenschaft im abgelaufenen Jahr. Sie erwirtschafteten einen Gewinn von rund 172 000 Euro und bescherten den Mitgliedern eine Dividende von drei Prozent.

Doch der Wind ist rauer geworden für regionale Energiegenossenschaften. Die dezentrale, innovative und sichere Energieversorgung aus erneuerbaren Quellen sei wahrlich kein Selbstläufer, betonte Rösch. Immer wieder geänderte gesetzliche Rahmenbedingungen haben die Energiewende ins Stocken gebracht - ausgelöst nach Röschs Überzeugung durch die Lobbyarbeit der großen Stromkonzerne auf dem hochpolitischen Energiemarkt.

Da das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) fortlaufend reformiert werde, sei die Halbwertszeit vieler Regeln recht kurz, was langfristige Planungen erschwere. Politische Unsicherheiten würden Investoren abhalten und hätten die Zahl der Neugründungen deutlich zurückgehen lassen. Und der Verwaltungsaufwand für die Energiegenossenschaft, der von Mitarbeitern der VR-Bank Landsberg-Ammersee ehrenamtlich geleistet wird, steigt.

Verbessern müssen sich in Röschs Augen auch die Vermarktungsmöglichkeiten. Ideen zur Direktvermarktung des erzeugten Stroms und Mieterstrommodelle könnten aber nur mit dem Einsatz von bezahlten Mitarbeitern verwirklicht werden. Bei den bestehenden Einspeiseverträgen und den damit verbundenen Vergütungen wäre dies nicht besonders lukrativ. Möglicherweise werde die bayerische Koalitionsregierung Änderungen durchsetzen. Rösch zitierte hier vor allem Hubert Aiwanger (Freie Wähler), der sich ausdrücklich für regionale Energiegenossenschaften und die Energiewende vor Ort ausgesprochen hat. „Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass es die Politik doch irgendwann mal wieder schafft, regional neue Projekte zu ermöglichen.“

Beispiele, wie es laufen kann, gibt es. Stefan Jörg, Vorstandsvorsitzender der VR-Bank, konnte vom Besuch bei einer regionalen Energiegenossenschaft in Südtirol berichten. Sie versorgt ein kleines Tal komplett mit Wärme, Strom und Glasfaser, erwirtschaftet genug Erträge, um hauptamtliche Mitarbeiter zu beschäftigen, und kann dennoch ihren Mitgliedern den Strom zum Preis von elf Cent verkaufen.

Als Hausherr der Berufsschule lobte Schulleiter Lorenz Häckl den Weitblick der aktuell 273 Mitglieder der VR-BürgerEnergie. „Sie haben vor acht Jahren die Zeichen der Zeit erkannt und richtig gedeutet. Sie leisten einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz.“

Die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat sprachen die 69 anwesenden Mitglieder einstimmig aus, und auch der Beschluss über die Verwendung des Jahresüberschusses fiel ohne Gegenstimme. Zwei Aufsichtsräte wurden in ihren Ämtern wiedergewählt: Dießens zweiter Bürgermeister Peter Fastl und VR-Bank-Vorstand Martin Egger. (mer)

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