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„Das Amt ist mehr eine Ehre und Freude“

Der Echinger Bürgermeister Siegfried Luge im Sommerinterview mit dem Ammersee Kurier

Ammersee Kurier: Treten Sie bei der nächsten Kommunalwahl wieder als Bürgermeister an? Was motiviert sie zu Ihrer Entscheidung?

Siegfried Luge: Das Amt ist mehr eine Ehre und Freude. Ob ich bei der nächsten Kommunalwahl antreten werde, entscheide ich im November. Mit viel Freude bei der Arbeit und innovativem Denken konnte ich viel für die Gemeinde erreichen.

Ammersee Kurier: Wenn Sie zurückblicken auf ihre Tätigkeit als Bürgermeister, worauf sind Sie besonders stolz?

Siegfried Luge: In meiner über 23-jährigen Amtszeit gab es viele Projekte, auf die ich stolz bin. Die drei Projekte, die ich intensiv begleitet habe, waren der Bau der Sport- und Mehrzweckhalle, die Realisierung des Einkaufszentrums mit Gesundheitszentrum und der Apotheke. Hier arbeiten sechs Fachärzte, eine Allgemeinärztin, eine Kinderosteopathin und eine Hebamme. Im Haus gibt es zudem noch eine Physiotherapiepraxis sowie einen Hörgeräteakustiker. Damit wurde für unsere Bürgerinnen und Bürger ein umfassendes Nahversorgungszentrum geschaffen.

Stolz bin ich aber auch ganz besonders auf die großartige Zusammenarbeit und den Zusammenhalt bei der Bewältigung der Aufgaben, als die 28 Asylsuchenden nach Eching kamen. Viele Neubürger haben hier engagiert mitgewirkt.

Ammersee Kurier: Gibt es ein Projekt, das Sie noch während Ihrer verbliebenen Zeit als Bürgermeister realisieren möchten?

Siegfried Luge: In den letzten zwei Jahren wurden viele Projekte angestoßen, beispielsweise wurden zwei neue Bebauungspläne auf den Weg gebracht. Die Planung für den Neubau einer Aussegnungshalle am gemeindlichen Friedhof ist nun genehmigt. Der Umbau der alten Schule in ein Begegnungszentrum wird geplant. Die Realisierung all dieser Projekte wird jedoch erst in der nächsten Legislaturperiode erfolgen.

Ammersee Kurier: Was unternehmen Sie gegen die immer größer werdende Not auf dem Wohnungsmarkt?

Siegfried Luge: Die neuen Baugebiete „Am Hang West“ und „Greifenberger Straße“ werden im Einheimischenmodell vergeben. Sechzehn Familien werden hier Platz finden. Für den sozialen Wohnungsbau hat die Gemeinde derzeit kein geeignetes Grundstück zur Verfügung.

Ammersee Kurier: Wie sehen Sie die Zukunft der Mobilität in Ihrer Kommune? Wir sprechen hier von Senioren, jungen Menschen, Fahrradfahrern, Rollstuhlfahrern, Autofahrern und dem Schwerlastverkehr.

Siegfried Luge: Es wäre dringend notwendig, dass der Landkreis Landsberg an den MVV angeschlossen wird, um die autofreie Anbindung an die S-Bahn zu gewährleisten. Die Gemeinde Eching hat in der Vergangenheit bereits acht Jahre lang eine MVV-Anbindung mitfanziert, die die Gemeinde jährlich 25 000 bis 30 000 Euro gekostet hat. Leider musste diese Buslinie wieder eingestellt werden, da zu wenige mitgefahren sind und der Landkreis sich an den Kosten nicht beteiligt hat.

In Eching sind die Einkaufsmöglichkeiten zentral. Supermarkt und Gesundheitszentrum wurden barrierefrei gebaut.

Ammersee Kurier: Gibt es ein Projekt, das Sie ihrem Nachfolger gerne übergeben möchten?

Siegfried Luge: Wie bereits erwähnt, hat die Gemeinde etliche Projekte auf den Weg gebracht. Wer immer die Kommunalpolitik weiterführt, hat ein umfangreiches Aufgabenfeld vor sich. Das Hauptaugenmerk muss jedoch immer zum Wohle der gesamten Gemeinde ausgerichtet sein.

Ammersee Kurier: Wie schaffen Sie es, junge Familien hier anzusiedeln?

Siegfried Luge: In den letzten Jahren sind viele junge Familien zugezogen und auch die Geburtenzahlen steigen. Die Infrastruktur für junge Familien bezeichne ich als sehr gut. Neben einem Kinderhaus mit drei Kindergarten- und einer Krippengruppe gibt es eine Kinderärztin und die Nahversorgung für alle täglichen Bedürfnisse in zentraler Lage vor Ort. Zudem hat die Gemeinde auf dem Anger einen großzügigen schattigen Kinderspielplatz.

Ammersee Kurier: Viele Betriebe hier klagen über die mangelnde Zahl an Arbeitskräften. Was könnten Sie dagegen tun?

Siegfried Luge: Vorrangig fehlen Fachkräfte. Viele Lehrstellen bleiben gerade in den Handwerksbetrieben hier im ländlichen Raum nicht besetzt. Es ist aber sehr erfreulich, dass etliche unserer anerkannten Asylbewerber in die örtlichen Betriebe integriert werden konnten. Dafür gab es einen eigenen Helferkreis in Eching. Außerdem sollte bei den Schulabgängern die Attraktivität des Handwerksberufes wieder in den Fokus gerückt werden. Unsere Betriebe könnten sich beispielsweise in der Mittelschule vorstellen.

Ammersee Kurier: Werden Sie weiteres Bauland ausweisen?

Siegfried Luge: Ja. Wie bereits erwähnt, werden zwei neue Baugebiete für Einheimische geschaffen.

Ammersee Kurier: Wie engagiert sich Ihre Gemeinde für den Klimaschutz?

Siegfried Luge: Die gemeindlichen Liegenschaften sowie die Straßenbeleuchtung sind zu 100 Prozent auf Öko-Strom umgestellt. Die Straßenbeleuchtung ist fast im gesamten Gemeindegebiet auf LED umgestellt. Seit Jahren haben wir kaputte Lampen mit LED-Leuchten ersetzt. Wir betreiben Solaranlagen auf einigen gemeindlichen Gebäuden. Der erzeugte Strom wird eingespeist, im Kinderhaus wird dieser auch selbst genutzt.

Heizung und Warmwasseraufbereitung im Gesundheitszentrum und in der Sport- und Mehrzweckhalle werden über eine Grundwasserpumpe betrieben und schaffen somit einen wesentlichen ökologischen Beitrag.

Bereits vor vielen Jahren haben sich unsere Landwirte dazu bereit erklärt, straßenbegleitende Blühstreifen anzulegen.

Ammersee Kurier: Herr Luge, wir bedanken uns für das Gespräch!

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