Zwei Frauen im Dienst der Natur Naturschutzwächterinnen Iffi Fritsche und Agnes Rößle engagieren sich für die Bewahrung der Schöpfung. Von Petra Straub

Petra Straub  17. Januar 2018

Auf Raistings Fluren sind Iffi Fritsche (l.) und Agnes Rößle unterwegs, um im Auftrag der Unteren Naturschutzbehörde für den Erhalt der Kulturlandschaft zu arbeiten. Foto: Petra Straub

Raisting – Seit Kurzem gibt es in Raisting zwei ausgebildete Naturschutzwächterinnen. Neben Iffi Fritsche, die schon seit vier Jahren in der Raistinger Flur unterwegs ist, ist Agnes Rößle offiziell seit einem halben Jahr im Dienst der Natur im Einsatz. Die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen der Unteren Naturschutzbehörde stellen Veränderungen fest und unterstützen das Landrats-amt Weilheim-Schongau in Sachen Naturschutz.

Ihnen ist daran gelegen, Bürger im Dialog zum sorgsamen Umgang mit der Natur zu motivieren. Das gelingt meistens, indem sie für die reizvolle Landschaft, die heimische Tier- und Pflanzenwelt sensibilisiert werden.

Je nach Bedarf sehen die Naturschutzwächterinnen auf der Raistinger Flur nach dem Rechten – mal wöchentlich, mal jeden Tag. Sie registrieren den Artenbestand, säubern Nistkästen und informieren Hundebesitzer, wo Hunde frei herumlaufen dürfen und wo dies zum Schutz von Natur und Tier nicht erlaubt ist. Sie zeigen auf, welche Pflanzen geschützt sind und welche gepflückt werden dürfen, informieren über Wiesenbrüter und das damit zusammenhängende Betretungsverbot von Schutzgebieten. Sie erklären, warum Lärm und Verunreinigung in Schutzgebieten zu vermeiden sind und nutzen auch die Gelegenheit, um über Vorschriften beim Düngen und den Umgang mit Wildtieren zu informieren, die nach der Versorgung von Verletzungen ausgewildert werden müssen.

Ihren Lebensraum zu schützen ist den Raistingerinnen ein Bedürfnis. Spüren sie beispielsweise Müll- oder unerlaubte Grüngutablagerungen im Wald auf, treten sie mit den Grundstücksbesitzern in Kontakt und informieren diesen über die Vorschriften. Auf öffentlichem Grund legen sie häufig selber Hand an. Bei größeren Schäden werden die Kollegen im Amt benachrichtigt. Das geschieht beispielsweise, wenn Gülle in Bäche fließt oder Altöl unsachgemäß entsorgt wird.

„Die Rahmenbedingungen für Landwirte werden immer schlechter”, beobachten die Frauen. Ihrer Einschätzung nach ist die konventionelle Landwirtschaft immer mehr auf Ertrag ausgerichtet. Landwirte, die einst Hüter und Gestalter der Landschaft gewesen seien, würden immer mehr dazu gedrängt, „das Gegenteil zu machen”. Ein Problem im landwirtschaftlichen Bereich stellten in Raisting auch Silofolien dar, die auf den Wiesen liegen bleiben.

Als Mitarbeiterinnen der Unteren Naturschutzbehörde dürften sie die Personalien von Personen feststellen und sie von schützenswerten Bereichen verweisen. Die meisten Personen zeigen jedoch Einsicht, etwa wenn sie gebeten werden, ihre Hunde an die Leine zu nehmen.

Aufklärung lohnt sich!

Die Naturschutzwächterinnen leisten viel Aufklärungsarbeit. „Das braucht Zeit, lohnt sich aber.” Es müsse Anregung zum Umdenken gegeben werden, zum Erhalt des Lebensraums – für Insekten beispielsweise. Für landschaftsschonende Pflegemaßnahmen gebe es Zuschüsse für Landwirte, erklärt Agnes Rößle. Sie freut sich, dass am Ort bereits viele Schutzmaßnahmen auf freiwilliger Basis durchgeführt werden. Bei anderen sei das Umweltbewusstsein noch nicht im gewünschten Maß vorhanden, es werde nicht eingesehen, wieso man etwas ändern soll, das man über Jahre so gemacht hat.

Iffi Fritsche beklagt mangelnde Empathie für die Natur nicht nur von Bürgern, sondern auch von der Politik. Boden werde zusehends versiegelt, etwa durch den Bau von Straßen und Supermärkten. Verbrauchern rät sie zum respektvollen Umgang mit den Ressourcen – für eine intakte Umwelt, die Grundlage allen Lebens ist.

Die Natur bewahren

Beiden Naturschutzwächterinnen ist es eine Herzensangelegenheit, die Natur für die folgenden Generationen zu bewahren. Im Rahmen einer zweiwöchigen Ausbildung in der Bayerischen Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege in Laufen an der Salzach haben sie ihre Eignung unter Beweis gestellt und wurden anschließend zu Mitgliedern der Naturschutzwacht berufen. Bereits seit ihrer frühen Kindheit sind die in Raisting lebenden Frauen eng mit der Natur verbunden. Und es gibt sogar noch weitere Parallelen. Beide waren als Lehrerinnen beschäftigt, sind vor vielen Jahren zugezogen und im Ort im Heimat- und Trachtenverein Raisting-Sölb engagiert.

Iffi Fritsche aus München hat viele Jahre mit Josef Sporrer gearbeitet. Sie lebt mit ihrer Familie schon seit 1995 in Raisting. Noch heute begleitet sie der ehemalige Naturschutzwächter gelegentlich bei einer Erkundungstour. Sie ist Mitglied im Bund Naturschutz, beim Landesbund für Vogelschutz und bei der Tierschutzorganisation „Vier Pfoten”. Früher hat sie viel Zeit auf einem Bauernhof im Leitzachtal/Region Schliersee verbracht. Seit vielen Jahren beteiligt sie sich aktiv am Krötensammeln in Abtsried bei Dießen. 2013 hat sie ihre Ausbildung zur Naturschutzwächterin durchlaufen. Die Raistinger bringen der ehemaligen Grund- und Hauptschullehrerin gerne Vögel zum Aufpäppeln, weil sie wissen, dass sie bei ihr gut aufgehoben sind. Zum zweiten Mal hat sie im vergangenen Jahr mit einem Fachmann vom LBV Storchenführungen in Raisting angeboten. Iffi Frische arbeitet im Kinderhort der örtlichen Schule und vermittelt dem Nachwuchs auch dort die Freude an der Natur. Als Gruppen- und Abteilungsleiterin Gymnastik beim SVR steht der Spaß an der Bewegung an erster Stelle.

Agnes Rößle stammt aus München und ist in einem Gärtnereibetrieb groß geworden. Schon als Kind hatte sie großes Interesse an der Natur, ist im Bund Naturschutz und im Landesbund für Vogelschutz (LBV) engagiert. In den fast zwanzig Jahren, die sie nun mit der Familie in Raisting lebt, war sie häuftig mit dem ehemaligen Naturschutzwächter Josef Sporrer, der im August 2016 in den Ruhestand verabschiedet wurde, in der Ortsflur unterwegs. Nun ist die ehemalige Biologie- und Chemielehrerin an einem Münchener Gymnasium im Ruhestand und engagiert sich nicht nur für Brauchtum im Heimat- und Trachtenverein und in kirchlichen Gremien, sondern auch für Flora und Fauna. Im Rahmen des Ferienprogramms hat sie in diesem Jahr ein Bachprojekt für Kinder angeboten.

Ist das Museum des Trachtenvereins geöffnet, informieren die Naturschutzwächterinnen die Besucher über die heimische Tier- und Pflanzenwelt. Dabei veranschaulichen sie die Themen mit Tierpräparaten, Pflanzenrätseln und Bildern.

Wer Fragen zu Tieren, Pflanzen oder zum Bayerischen Naturschutzrecht hat, das Grundlage ihrer ehrenamtlichen Arbeit ist, kann sich gerne bei den Naturschutzwächterinnen melden: Iffi Fritsche, Telefon 08807 – 8385 und Agnes Rößle, Telefon 08807 – 948678.