Nutzung des alten Echinger Badestrands In Starnberg wurde über das FFH-Gebiet „Ammerseeufer und Leitenwälder“ diskutiert. Von Stephanie Millonig

pm  17. Januar 2018

Starnberg – Der Ammersee und seine Ufer bestechen nicht nur durch ihre Naturschönheit, was sich in und auf Kiesufer, in den Hangwäldern oder Schilfwiesen verbirgt, ist von großem Wert: Als „Ammerseeufer und Leitenwälder” sind Teilbereiche als Flora-Fauna-Habitat-Gebiet im Rahmen des Europäischen Naturerbes Natura 2000 geschützt.

Es handelt sich um das Ammersee-Nordufer zwischen Eching und Stegen (Teilgebiet I), das Ufer mit Seeleitenhängen zwischen Stegen und Buch (II), das Ufer zwischen Breitbrunn und Herrsching-Lochschwab mit Rieder Wald (III), den Moränenabschnitt mit vermoorten Senken zwischen Breitbrunn und Rausch (IV) und die Leitenhänge zwischen Schloss Seefeld und Herrsching-Wartaweil einschließlich des Kientals (V). In Starnberg wurde nun am Runden Tisch der Managementplan vorgestellt.

Was es grundsätzlich damit auf sich hat, erläuterte Martin Bachmann vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Ebersberg: EU-weit sind FFH-Gebiete über bestimmte Lebensraumtypen und bestimmte Tier- und Pflanzenarten definiert. Wo sich welche Lebensräume und Arten befinden und in welchem Zustand sie sind, ist kartiert, das heißt erfasst. Im Managementplan werden Schritte definiert, wie der Lebensraum erhalten beziehungsweise verbessert werden kann.

Aktiv werden müssen hier nur die Behörden, ein privater Grundeigentümer kann nicht zu einer Verbesserungsmaßnahme gezwungen werden. Im Allgemeinen gilt, dass auf privatem Grund nach „guter fachlicher Praxis” gewirtschaftet werden darf, wie Bachmann erläuterte. Aber der Lebensraumtyp muss erhalten werden, es gilt das „aktive Verschlechterungsverbot”. Dazu ein Beispiel von Bachmann: Ein Areal ist als Eschen-Erlenwald definiert. Dann darf hier nur bis zu einem bestimmten Maß Bergahorn gepflanzt werden. Gerhard Märkl vom AELF Ebersberg ging inhaltlich auf den Wald und das Gebiet insgesamt ein: „86,7 Prozent der Fläche des FFH-Gebiets sind Lebensraumtypen, das ist eine enorm hohe Zahl an wertvollen Flächen.” Das Fünfseenland ist geprägt durch mehrere Eiszeiten und dadurch vielseitige Strukturen. Hinzu kommt, dass sowohl Ammersee als auch Starnberger See als Temperaturpuffer dienen und für ein mildes Klima sorgen. „Hier im Fünfseenland ist das südlichste Gebiet für die wärmeliebende Elsbeere.”

Pro Lebensraumtyp ist angegeben, wie er erhalten oder gefördert werden darf. Zusammenfassen lässt sich, dass in diesem FFH-Gebiet der Wasserhaushalt sehr wichtig ist. Bachräumung und Bachbettverlegungen seien zu vermeiden, heißt es. Bei den meisten Arealen gilt zudem, dass es keinen Nährstoffeintrag, das heißt Düngung, geben soll und bestimmte Schnitttermine bei den Wiesen empfohlen werden.

Nicht genauer definiert ist, wie die „Regelung der Freizeitnutzung” umgesetzt werden soll.

Mit Gelbbauchunke, Bauchiger Windelschnecke, Hirschkäfer, Alpenbock und Frauenschuh weist das FFH-Gebiet auch noch ganz besondere einzelne Arten auf, die es zu schützen gilt. Bei Hirschkäfer, Alpenbock und der Orchidee Frauenschuh verraten die Kartierer aber nicht, wo sie sie gefunden haben, um keine Neugierigen dorthin zu locken. Die ungewöhnliche biologische Vielfalt betonte auch Biologe Burkhart Quinger, der die offenen Flächen vorstellte. Es gebe hier beispielsweise das nördlichste größere Vorkommen des gelben Enzians. Er zeigte Bilder dieser Kalkmagerrasen mit dem großen gelben Enzian, einer Wiese mit Mehlprimeln und stängellosem Enzian bei Herrsching oder das Foto einer Fläche mit Sumpfgladiolen. Und er berichtet über das sogenannte „Litoral”, den Uferbereich, der immer wieder von unterschiedlichen Wasserständen geprägt ist. Die Differenz beim Wasserstand sei beim Ammersee im Jahresdurchschnitt 84 Zentimeter, so Quinger.

Mountainbiker machen Probleme

Für Eching wird laut Bürgermeister Siegfried Luge Thema sein, wie die Freizeitnutzung am alten Badestrand, einer kleinen Kiesfläche, gestaltet werden wird. Konkrete Maßnahmen seien nicht vorgeschlagen. Themen in der Diskussion waren laut Luge unter anderem noch, dass in den Wäldern bei Herrsching Mountainbiker Probleme bereiten, und der schon früher kontrovers diskutierte Uferbewuchs südlich von Herrsching.