Nicht alles stößt auf Gegenliebe In Utting boomen Neu- und Ausbau – Bei einigen hat Gemeinderat dagegen gestimmt. Von Dagmar Kübler

Dagmar Kübler  17. Januar 2018

Im „Lunardi“ in der Bahnhofstraße in Utting wird künftig nicht mehr gespeist, sondern gewohnt. Es hat schon seit Monaten geschlossen.

Utting – In Utting wird gebaut und umgebaut, das zeigte die letzte Gemeinderatssitzung mit zwölf Bauangelegenheiten. Während den meisten Anträgen zugestimmt wurde, stießen einige auf Ablehnung. So ein Bauvorhaben in der Andechser Straße 7, bei dem eine große Eiche auf dem Grundstück erhalten werden muss, was das Bauen schwierig macht. Um zum Haus gelangen zu können, plant der Bauwerber eine Zufahrtsrampe.

Das einsturzreife Bauernhaus in der Ludwigstraße 7 in Utting soll zwei Doppelhaushälften Platz machen. Dem Gemeinderat fielen diese jedoch zu hoch aus. Fotos (2): Dagmar Kübler

Für den Bauausschuss machte Patrick Schneider (GAL) deutlich, dass der massiven Abgrabung für die Rampe nicht zugestimmt werden sollte. Vielmehr sei eine Tiefgarage zu bauen. Renate Standfest (GAL) missfiel, dass die gesamte Straßenseite durch Rampe und Garagen zugebaut werden würde. Abgelehnt wurde auch ein Antrag auf Vorbescheid für den Neubau zweier Doppelhaushälften auf dem östlichen Teil eines Grundstücks in der Ludwigstraße 7. Dieses Grundstück schließt an der Straße an; dort steht momentan ein einsturzreifes altes Bauernhaus. Der Bauwerber sieht eine Reihe von Carports beziehungsweise Garagen entlang der Straße vor. Dadurch gingen Parkplätze in der Ludwigstraße verloren, kritisierte Helmut Schiller (SPD). Auch erschien zahlreichen Gemeinderäten das Haus mit einer Firsthöhe von 9,13 Metern auf dem ansteigenden Gelände als zu hoch, wenngleich, wie eingeräumt wurde, auch weitere ähnlich hohe Häuser in der Umgebung anzutreffen sind.

 

Margit Gottschalk monierte, dass durch diesen Neubau der bäuerliche Eindruck der Straße verloren gehe. Der Gemeinderat lehnte das Bauvorhaben mit zwölf zu vier Stimmen ab, genehmigte aber ein gegengleiches auf der westlichen Seite des Grundstücks. Dort sind Garagen am Haus vorgesehen, nicht an der Straße, und es stünde nicht wie das vordere mit großer Höhe über der Straße, so die Argumente.

Pech hatte auch der Besitzer des Hauses Hechelwiesenweg 41, der Kellerräume zu einer Wohnung umnutzen wollte. Damit würden die Vorgaben des Bebauungsplans nicht eingehalten, der zwei Wohnungen pro Haus vorsieht. Im gegebenen Fall, bei dem es sich um einen Altbestand handelt, bestehen bereits vier Wohnungen. Ebenso erging es einem Bauwerber, der ein Mehrfamilienhaus in der Ringstraße 15 errichten möchte. Die Ringstraße liegt in einem Mischgebiet, das Wohnen und Gewerbe vorsieht. Da das Wohnen bereits überwiegt, sind nurmehr Gewerbebauten genehmigungsfähig.

Schweren Herzens genehmigte der Gemeinderat die Umnutzung einer Gaststätte in der Bahnhofstraße 9 zu einem Wohnraum. Das „Lunardi” ist schon seit einigen Monaten geschlossen, die Räume werden derzeit lediglich für Events genutzt und sollen durch wenige Maßnahmen bewohnbar gemacht werden. „Es ist bitter, wenn wieder gastronomische Flächen verloren gehen”, bedauerte Bürgermeister Josef Lutzenberger (GAL).

Patrick Schneider und Renate Standfest sprachen sich dagegen aus, denn Ziel der Gemeinde sei Gewerbe in der Bahnhofstraße.

„Wir können froh sein, wenn das Gebäude erhalten bleibt”, zeigt sich jedoch Sabine Kaiser (GAL) pragmatisch. Das Gebäude sei ortsprägend und schön hergerichtet, „ein Schmuckstück in der Bahnhofstraße”. Laut Bürgermeister Lutzenberger sieht der Flächennutzungsplan in der Bahnhofstraße eine Wohnnutzung vor, so wurde die Zustimmung mit vier Gegenstimmen erteilt.