GAL-Antrag: Ab Januar kein Glyphosat Die Gemeinde Schondorf möchte Vorbild sein – Auf dem Friedhof keine chemischen Pflanzenschutzmittel. Von Renate Greil

Renate Greil  17. Januar 2018

Schondorf – Einen Eindruck, wie es um unsere Natur am See bestellt ist, zeigte kürzlich sehr anschaulich die Dokumentation „Zuflucht Ampermoos” im Bayerischen Fernsehen. Thematisiert wurde dort auch das Thema Insektensterben. Die Fraktion der Grünen im Gemeinderat Schondorf stellte bei der jüngsten Schondorfer Gemeinderatssitzung den Antrag auf den Verzicht von chemischen Pflanzenschutzmitteln. Insbesondere soll auf Glyphosat und Neonikotinoide, das sind Pflanzenvernichtungsmittel und Insektenvernichter auf allen gemeindeeigenen Flächen verzichtet werden.

Neben dem Insektensterben führen die Grünen an, dass die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) Glyphosat als „wahrscheinlich krebserregend beim Menschen” eingestuft habe. Neonikotinoide greifen bei Insekten in das zentrale Nervensystem ein und schädigen und töten damit auch Honig- und Wildbienen.

Im Antrag fordern die Grünen deshalb, dass ab 1. Januar 2018 chemische Pflanzenschutzmittel nicht mehr auf Flächen, die der Gemeinde Schondorf gehören oder unter ihrer Bewirtschaftung stehen, verwendet werden. Unternehmen, die Aufträge im Namen der Gemeinde zur Pflege von Grün-, Sport- und sonstiger Flächen erhalten, werden vertraglich verpflichtet, auf den Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln insbesondere auf Glyphosat und Neonikotinoide zu verzichten.

Bei laufenden Verträgen soll auf einen Verzicht hingewirkt werden. Außerdem sollen Pächter von landwirtschaftlichen Flächen der Gemeinde beim Abschluss neuer Pachtverträge sowie bei der Verlängerung laufender Pachtverträge zum Verzicht von chemischen Pflanzenschutzmitteln verpflichtet werden. Helga Gall (Grüne) verwies auch auf einen Anti-Glyphosat-Antrag der GAL im Kreistag hin. Hier läuft derzeit eine rechtliche Prüfung.

Gleich zu Beginn der Diskussion stellte Rainer Jünger (CSU) einen Antrag zur Geschäftsordnung. Er wollte den Schondorfer Antrag zurückzustellen, bis die rechtlichen Fragen im Kreis geklärt seien. Da es in erster Linie um eigene Flächen der Gemeinde gehe, sah Gall hier keinen Grund für ein Abwarten. Mit fünf zu zehn Stimmen lehnten die Gemeinderäte eine Vertagung des Tagesordnungspunktes ab.

In der weiteren Diskussion fand Jünger, dass der Antrag der Grünen „einen populistischen Beigeschmack” habe.

In den Seeanlagen dürfe wegen der Seenähe ohnehin kein Glyphosat oder ähnliches eingesetzt werden, wusste Wolfram Häberle (CSU), und Thomas Betz (CSU) erinnerte an einen bestehenden Beschluss aus früheren Zeiten, dass am Friedhof diese Mittel ebenfalls nicht eingesetzt werden. Betz fand aber auch deutliche Worte zur umstrittenen Glyphosat-Entscheidung von Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) in Brüssel: „Die Entscheidung des Landwirtschaftsministers war eine bodenlose Frechheit dem Bürger gegenüber”. Mit seinem Votum dafür in Brüssel sorgte Schmidt mit dafür, das Glyphosat mindestens noch fünf Jahre lang in der Europäischen Union angewendet werden darf. Der Zeitpunkt für den Antrag der Grünen war für einige Gemeinderäte daher jetzt genau richtig.

Rudi Hoffmann (Grüne) erinnerte daran, dass man sich im Schondorfer Gemeinderat bereits seit achtzehn Jahren mit diesen Themen beschäftigt habe. Er sah die Gemeinde als Vorbild insbesondere für die Kleinanwender.

Hacken und Bodenbearbeitung sind Alternativen, sagte Luzius Kloker (Grüne). Mit dem Vorschlag, landwirtschaftliche Flächen der Gemeinde nicht mehr zu verpachten sondern für Bienen und Insekten zu renaturieren, verblüffte schließlich Jünger seine Ratskollegen.

Diese Flächen könnten aber nicht sich selbst überlassen werden, sondern müssen auch gepflegt werden, sagte Hoffmann.

Mit fünfzehn Stimmen zu einer Stimme votierten die Gemeinderäte für den Antrag der Grünen.

Über den Vorschlag von Jünger wurde nicht abgestimmt, da dazu ein eigener Antrag gestellt werden muss.