„Ganz schön viel los hier!“ Exkursion zu den Wasservögeln am Südende des Ammersees. Von Dr. Sabine Vetter

Dr. Sabine Vetter  27. November 2017

Ein herrlicher Tag zum Beobachten der Vögel. Darüber freuen sich diese Teilnehmer der kleinen Exkursion zum Südende des Ammersees. Hans Hechenberger (l.) vom LBV leitet die Gruppe.

Fischen – Wegen schlechten Wetters Anfang Oktober verschoben, hat der Landesbund für Vogelschutz e.V., Kreisgruppe Landsberg am Lech, mit dem neuen Termin jetzt vollkommen richtig gelegen. Sonntagmorgen, um 9 Uhr kamen einige Interessierte, um bei herrlichstem Spätsommerwetter der Einladung zur Exkursion mit Hans Hechenberger und anderen Hobby-Experten zu folgen – Thema „Wasservögel an der Ammermündung”.

Auf zum Binnensee

Im Vogelschutz- und Naturschutzgebiet am Binnensee, der sich am südöstlichen Ende des Ammersees erstreckt, liegt das Ziel der kleinen Exkursion. Man erreicht es auf einem Fußweg entlang des linken Ammerufers, ausgehend vom Parkplatz an der Birkenallee zwischen Dießen und Fischen. „Der linke Weg ist interessanter”, schlägt Hechenberger vor. An dem Tag ist man nicht alleine hier. Der Parkplatz ist schon in der Früh gut belegt, man sieht etliche den gleichen Weg Richtung See nehmen, Stative auf der Schulter, Ferngläser und Fotoapparate um den Hals. Genau wie die Teilnehmer der Gruppe um Hans Hechenberger, der natürlich selbst mit allem ausgestattet ist, was ein Vogelbeobachter so braucht. Auch Reiner Urschel vom Vorstand des Landesbund für Vogelschutz (LBV), Kreisgruppe Landsberg, wird von Fragenden umringt. Er weiß viel über Wasservögel, die gerade hier überwintern oder einen Zwischenaufenthalt einlegen. Er und andere Hobby-Ornithologen weisen auch immer wieder auf die Tiere hin, die sie gerade erspäht haben und die Gelegenheit, den Rand des Schilfes am gegenüberliegenden Ufer, das ruhige Gewässer und das Floß in der Mitte des Binnensees nach spannenden oder seltenen Wasservögeln mit den guten Ferngläsern abzusuchen, nehmen alle gerne wahr. Die großen weißen Silberreiher erkennt man natürlich leicht, bei den vielen anderen Arten, kommt man schon mal ins Raten und muss erst mal die Augen trainieren.

Kormorane und Nilgänse

Schon auf dem Weg zum Binnensee erzählt Hechenberger von seinen kürzlichen Vogelbeobachtungen. Er sah eine Nachtigall an der Alten Ammer, einen Wiedehopf sogar direkt an der Straße in einer Birke, einen Raubwürger und einen Wendehals. Auch waren dabei. Am Beobachtungsplatz angekommen, gibt es schon gleich für die Teilnehmer seiner Gruppe Interessantes: Auf dem Floß im Binnensee sitzen Kormorane und Nilgänse – ganz imposant. Aber beide inzwischen nicht mehr so seltene Gäste hier. Und auch nicht von allen unbedingt gern gesehen. Die Kormorane waren früher durch menschliche Verfolgung fast ausgerottet, 2010 war er „Vogel des Jahres”, inzwischen verzeichnen die Beobachter eine deutliche Bestandserholung. Hechenberger meint: „Diese großen Vögel werden nicht so sehr geachtet, sie fressen den Fischern und den Vögeln den Fisch weg.” In einigen Teilen Deutschlands werden zum Erhalt des natürlichen Fischvorkommens Kormorane inzwischen kontrolliert bejagt und Brutkolonien verhindert.

„Sie fressen viel”, kommentiert auch Urschel die schwierige Lage. Beeindruckend ist es aber schon, wenn sie auf dem Floß stehen und ihre Flügel ausbreiten. „Sie sind Tieftaucher, kommen im Wasser weiter runter als Enten, weil sie keine Fettdrüsen besitzen. Daher perlt das Wasser nicht von ihren Federn ab, sie müssen immer wieder auftauchen, bevor das Federkleid zu schwer wird, und an der Luft trocknen”, so Urschel. Das Floß ist offensichtlich ein passender Platz dafür. Wie eine Statue steht dort ein Kormoran mit ausgebreiteten Flügeln. Neben ihm sitzen auch Nilgänse in der Sonne. Sie stehen in Kritik bei Landwirten und Behörden, weil ihr Kot gesundheitsgefährdend sei. Zudem sind sie in der Brutzeit besonders aggressiv gegenüber anderen Vögeln.

Entenvielfalt

Die Enten zeigen an diesem Tag ihre bunte Vielfalt. „Ganz schön viel los hier,” lautet dann auch der Kommentar Hechenbergers.

In kleineren und größeren Schwimmformationen sieht man Löffelenten, Kolbenenten, Schreienten, Tafelenten, Stockenten, Pfeifenten. Sie färben sich im Spätsommer mit der Mauser, die alle Federn erneuert. Schnatterenten erkennt man am schwarzen Pürzel mit weißem Fleck darunter. Ob sie im Winter hier bleiben, wird Urschel gefragt. „Das weiß man nicht, hängt vom Winter ab. Enten sind sogenannte Gelegenheitstiere. Wenn der Ammersee zufriert, dann fliegen sie zum Chiemsee, der ist weniger kalt.”

Plötzlich wird er von Hechenberger gerufen, der auf eine Stelle vorne im Schilf deutet: „Weißt du, was das ist?” „Könnte eine normale Wasserralle sein, erkennt man am Schnabel. Oder ein Kleinsumpfhuhn, das quietscht wie ein Schweinchen.” Und wieder blickt Hechenberger von seinem Fernglas auf und ruft: „Möchte jemand einen Haubentaucher sehen? Es ist zwar ein Allerweltsvogel, sieht aber schön aus.” „Schönheit ist nicht alles,” hört man jemanden scherzen – und er bekommt schnell die Retourkutsche: „So spricht ein Kormoranfan.”

Dann erspäht wieder jemand etwas: „Ist da nicht ein Zwergtaucher?”