Das kleine Format: Auftakt gelungen Die achte Auflage der beliebten Ausstellungsreihe zieht scharenweise Besucher an. Von Romi Löbhard

Romi Löbhard  27. November 2017

Die Künstler mit der Initiatorin und Organisatorin Annunciata Forest im Gruppenbild. Foto: una

Dießen – Der Auftakt war schon mal ziemlich gelungen: Bei der Vernissage zur mittlerweile 8. Schau „Das kleine Format” drängten sich im Blauen Haus in Dießen nicht nur die ausstellenden Künstler, sondern vor allem viele Interessenten, was sich auch an den schnell mehr werdenden, kleinen roten Punkten an vielen Kunstwerken festmachen ließ.

Es ist das Wissen um hochwertige Kunst, die wie in den vergangenen Jahren, hier ausgestellt sein wird, das Jahr für Jahr mehr Besucher anlockt und die Schau von Rekord zu Rekord eilen lässt. Die Dießener Künstlerin Annunciata Foresti, Initiatorin und Organisatorin des kleinen Formats, hatte 42 hochrangige Künstler dazu animieren können, sich mit dem heuer ausgegebenen Thema „Romantik” auseinanderzusetzen. Großer Vorteil: der hintere, über ein paar Stufen zu erreichende Raum im blauen Haus stand erstmals auch als Galerie zur Verfügung.

Romantik: Dem Leben im Alltag  einen höheren Sinn geben

Das bot neue Möglichkeiten der Präsentation, von audio-visuellen Eindrücken bis zu magischen Hintergrund-Beleuchtungen. Dass sich etliche Künstler nicht ganz an „Das kleine Format” hielten und Kleines, Diffiziles im großen Format präsentierten, spielte ebenfalls keine Rolle. Bürgermeister Herbert Kirsch hatte ob des Erfolges schon bei der Vernissage allen Grund, die Organisatorin zu beglückwünschen und deren besonderes Engagement in Sachen Kunst am Ammersee in seiner Begrüßung hervorzuheben. Lob gab es auch vom traditionell eingeladenen Grünen-Landtagsabgeordneten Sepp Dürr, der im Verlauf seiner Ansprache auf das diesjährige Thema einging. „Romantik ist der Versuch, unserem Leben im Alltag einen höheren Sinn zu geben”, so Dürr frei nach Novalis.

Alois Kramer bot dem Publikum einen wie er sagte, „philosophischen Schnelldurchlauf zum Thema Romantik”. Von Annunciata Foresti gab es zum Abschluss der Eröffnungsfeierlichkeiten viel Lob für Dießen. Die Marktgemeinde schmücke sich nicht nur mit den Künstlern, sondern unterstütze diese auch. Forestis Anliegen: „Wir wünschen uns ein kleines Museum für zeitgenössische Kunst hier im Ort.” Dann durfte sich die Neugierde der Kunstschaffenden und -interessierten Bahn brechen, es konnte geschaut und geplaudert, sich gewundert und an der Fülle der Ideen erfreut werden. Es gibt wohl kaum eine Kunstausstellung in unserem Landkreis, in der so viele Techniken, Systeme, Stilrichtungen in einer Galerie vereint sind und so gekonnt präsentiert werden, dass Besucher sich problemlos und ohne seitliche Ablenkungen vertiefen können. Die Künstler haben sich dem Thema Romantik auf ganz unterschiedliche Weise genähert.

Bei Andrea Reiners beispielsweise scheint die magische Blaue Blume dieser Epoche schier betörenden Duft zu verströmen. Hanna Zwerger lässt diese Blume ganz profan entstehen, indem sie Legosteine fotografiert, vergrößert und vervielfältigt. Und Christiane Noll thematisiert das dieser Blume stilisierte Sehnen nach Ganzheit mit einem mehrteiligen Werk Während Ernst Heckelmann den Blick weitet für schneeumkränzte Alpengipfel in der Ferne, hüllt Annunciata Foresti die Landschaft in geheimniswahrende Nebelschwaden. Eva Zenetti bedient sich der Schrift, um wie in der Literatur der Romantik üblich, Traum und Wirklichkeit verschmelzen zu lassen. Schlichte, gleichmäßig gefärbte Geometrie ist für Yeunhi Kim eine Kraft gegen vermeintliche Vielfalt der heutigen Zeit und die Rückführung auf in der Romantik wichtige, innere Werte. Klare Linien, aber in unmöglichen Strukturen findet der Betrachter auch bei Mary Kim.

Bei den ausgestellten Skulpturen und Objekten heißt es genau hinschauen. Eva Radeks Raku-Figürchen scheinen über ein Plateau zu tanzen, Christiane Osann führt dem Besucher mittels kleiner, hölzerner Menschlein seine schiere Verlorenheit in einer riesigen Welt vor. Miniatur-Torfhütten aus Kupfer auf perspektivisch riesig wirkenden Basaltbrocken, das ist die romantische Welt des Murnauer Mooses, wie sie Claus Nicolaus sieht. Es sind viele weitere Arbeiten von Künstlern, von detailversessenen Darstellungen bis zu hintergründig-geheimnisvollen Werken im Blauen Haus in Dießen, Prinz-Ludwig-Straße 23 zu sehen.

Die Ausstellung „Das kleine Format” im Blauen Haus, bis Sonntag, 29. Oktober; Öffnungszeiten jeweils Freitag bis Sonntag, von 14 bis 18 Uhr.