Jiddische Lieder im Augustinum Alpen-Klezmer von Andrea Pancur. Von Romi Löbhard

Romi Löbhard  18. November 2017

Andrea Pancur, r. und Maria Dafka bezauberten das Publikum im Augustinum. Foto: Löbhard

Dießen „Auf‘m Markt in Obergiesing, für zwoa Zehnerl, hat mir mei Vater a Seif‘nblas‘n kauft.” Das ist Lyrik, wie sie Andrea Pancur, Gründerin und ehemalige Leadsängerin des Klezmerensembles Massel-Tov, sie so wunderbar schafft und singt. Die in München aufgewachsen Vollblutmusikerin mit slowenischen Wurzeln hat aber auch eine andere Seite, und da heißt es dann „Klug bist du und du heiratst nit” oder „Dat mer der do daung”, dem Pancur das Zeug zum Wiesnhit zutraut. Was er aber nie werden kann, „na weil des koaner bsoff‘n singen kann”. Zum Abschluss der Themenwoche „Woran wir glauben” im Augustinum Ammersee, nach Vorträgen über Islam und Christentum, nach Exkursionen zu Synagoge und Moschee, weilte Andrea Pancur gemeinsam mit Maria Dafka (Akkordeon) im Stiftstheater der Einrichtung. Warum das alle Religionen verbindende Konzert nur wenig Besucherzuspruch genoss, ist ein Rätsel, ist die Musikerin doch längst keine Unbekannte mehr. Der Musizierfreude tat das aber keinen Abbruch. Andrea Pancur hatte „Alpen Klezmer” mitgebracht. Was das ist, lernten die Zuhörer schnell. Die Musikerin erzählte zu jedem Stück eine Geschichte, hatte Erklärungen parat und übersetzte allzu bayrisch Dialektisches auch mal ins Hochdeutsche.

Ja, Bayrisch war neben jiddisch die Sprache des Abends. Denn die beiden Dialekte zu verbinden, zu überlappen und durchaus greifbare Gemeinsamkeiten in der Musik zu finden, war die Uridee, die hinter Alpen-Klezmer steckt. „Eine solche Verbindung hatte ich schon sehr lang im Kopf.” Daraus wurde erst etwas, als Pancur vor einigen Jahren Ilya Shneyveys begegnete. Gemeinsam mit dem lettischen Akkordeonspieler, der längst auch Mitglied im Ensemble Alpen-Klezmer ist, wurde das Projekt auf den Weg gebracht. „Sie hören heute schon die Fortführung dieser ursprünglichen Idee”, so Pancur. Was also servierte sie den Besuchern? Unterhaltsames, Fröhliches, Fefühlvolles, zu Herzen Gehendes, alle Sinne Ansprechendes – der lyrische und musikalische Bogen war weit gespannt. Mit ihrer unvergleichlich mitreißenden Stimme, die schluchzen und lachen, die den Zuhörer einfangen und mitnehmen kann, sang Andrea Pancur mal jiddisch, mal bayrisch, in wenigen Fällen auch mal in einer anderen Sprache.

Mal waren es vertonte eigene Gedichte wie der eingangs bereits erwähnte, lustige Zungenbrecher und Fast-Wiesnhit. Mal war es auch Gefühlvolles wie der mollige Walzer, der ihr „von einer Kollegin zuflog” und sie als „gerade frisch Getrennte” und entsprechend Weltschmerzumwobene erwischte. Meist aber waren es Lieder aus verschiedenen Ländern, die nachweisbar im Jüdischen verwurzelt sind. Andrea Pancur hat sie fröhlich-frech ins Bayrische übersetzt und lässt sie mit ihrer Musikalität regelrecht aufblühen.

Kongeniale Begleiterin der mehrfach ausgezeichneten Sängerin und absolut adäquater Ersatz für den eigentlichen Partner Ilya Shneyveys beim Konzert in Dießen war Maria Dafka mit ihrem Knopfakkordeon. Die in Griechenland geborene und aufgewachsene, blutjunge Musikerin, die noch nicht allzu lang in München studiert, glich ihr Spiel stets dem Gesang an. Ein wunderbarer Abend, oder wie Andrea Pancur trocken meinte, „eine lettisch-bayrisch-slowenisch-griechische Verkupplung”.