Gepflegte Mähnen und mit Blüten verzierte Schweife Reiter, Rösser und Wagen auf Hochglanz poliert beim Leonhardiritt in Utting – Auch Ponys, Esel und Fohlen trabten mit. Von Romi Löbhard

Romi Löbhard  18. November 2017

Aufwändig geschmückte Pferde und Wagen verliehen der Veranstaltung in Utting auch in diesem Jahr festlichen Glanz.

Zelebrator des Festgottesdienstes war heuer neben dem Ortsgeistlichen Pater Xaver Namplampara, Pater Prior Timotheus Bosch aus Sankt Ottilien.

Utting – Würde es mitspielen? Sicher haben die Organisatoren des Uttinger Leonhardiritts seit Tagen die Wetterprognosen beobachtet. Und die Aussichten wurden von Mal zu Mal weniger erfreulich – bis zum Festtag. Das Wetter sollte bis mittags halten, versprachen die einschlägigen Dienste und hatten recht. Das spielte dem Leonhardiverein in die Karten, weil das Fest stets vormittags über die Bühne geht. Und die Uttinger konnten, egal ob Mitwirkende oder Zuschauer, das jährliche Ereignis trockenen Fußes erleben. Der Tag beginnt traditionell mit einem Festgottesdienst in der Leonhardskirche mitten im Ort. Als Zelebrator konnte heuer neben dem Ortsgeistlichen Pater Xaver Namplampara, Pater Prior Timotheus Bosch aus Sankt Ottilien gewonnen werden. Während die Gläubigen noch die von einem Bläserquintett der Blasmusikfreunde Utting feierlich mitgestaltete Messe genossen, war draußen bereits reges Treiben. In der Industriestraße am nördlichen Ortseingang begann sich der Festzug zu formieren. Sieben Festwägen und ein Landauer für die Ehrengäste hatten sich angemeldet. Die Wagenaufbauten wurden auf Hochglanz poliert, die Pferde

Die kleine Emma darf auch schon mitreiten.

gestriegelt und festlich ausgestattet. Es waren nicht nur kostbare Geschirre zu sehen, sondern auch gepflegte Mähnen und mit Schleifen und Blüten verzierte Schweife. Vor der Kirche, unter dem großen Fassadenbild von Sankt Leonhard, wartete eine ebenso festlich geschmückte Bühne auf die Geistlichkeit, die von dort aus Ross und Reiter segnet. Bis es so weit war, berichtete Michael Bauer, Vorsitzender des Uttinger Leonhardivereins, aus der Historie der Umritte. Die Stummen Bilder auf den Festwägen seien von der Oberammergauer Leonhardifahrt übernommen worden, „teilweise sind auch die Kostüme denen aus Oberammergau nachempfunden”. Dass Leonhardskirchen grundsätzlich doppelflügelige Türen haben, rührt laut Bauer daher, dass die Umritte in früheren Zeiten mitten durch das Gotteshaus führten. Er selbst könne sich nicht mehr daran erinnern, so Bauer, und heute sei das mit den großen Wägen auch gar nicht mehr möglich. Und schon tauchten Vorreiter und Begleiter sowie die Träger der Standarten des Uttinger Leonhardivereins und des Patenvereins aus Burggen auf. Geistliche und Ministranten waren zur Segnung bereit, die Zuschauerreihen waren gut gefüllt – schätzungsweise waren es so viele wie in den Jahren davor. Ein wenig versteckt in zweiter Reihe war eine Staffelei platziert. Hier hantierte die Uttinger Künstlerin Angelika Böhm-Silberhorn mit Pinsel und Farbe – und hielt den Ritt in Grundzügen auf einer großformatigen Leinwand fest. Was dem Auge der Künstlerin besonders gefiel – wir werden es sicher irgendwann zu sehen bekommen. Waren es Stationen im Leben des Heiligen Leonhard auf einem aus Peißenberg angereisten Wagen, war es die Leonhardskirche im Modell, gezogen von Rössern aus Burggen? Beim dreimaligen Umritt um die Kirche und auf dem Weg durch Teile des Orts war auch Moses mit den Gesetzestafeln dabei, gestaltet vom Gesangverein. Aus dem Ortsteil Holzhausen kam das Motiv „Jesus geht über das Wasser”, die Bauernschaft Utting stellte Leonhard als „Patron der Gefangenen” vor.

Moses und die zehn Gebote

Blasmusikfreunde Utting und Teile des Schülerblasorchesters Sankt Ottilien wurden ebenso auf Wägen durch Utting gefahren wie die Ehrengäste. Die beiden Geistlichen sowie Bürgermeister Josef Lutzenberger und Alex Dorow MdL hatten allerdings einen Landauer von Alfred Graf aus Unterbeuern als Gefährt. Dazwischen immer wieder Reiter, die größte Gruppe stammte vom Hirschauerhof in Hechenwang. Hübsch anzuschauen das Schimmeltrio mit einem dreimonatigen Fohlen, eine stolze Reiterin im spanischen Outfit und die Ponys, allen voran ein eifrig trippelndes Kleinstpony. Viel Eindruck machte auch das Eselchen, das keine Spur von störrisch zeigte und brav ein Wägelchen durch Utting zog.