Kunst, Musik und Menschlichkeit BAP-Frontmann Wolfgang Niedecken erzählte im Blauen Haus aus seinem Leben

Maren Martell-Münkel  25. April 2017

Eine Rocklegende im Blauen Haus in Dießen! Zu einem Benefizabend mit Gesprächen über Kunst, Musik und Menschlichkeit war der Gründer der Kölschrock-Band BAP, Wolfgang Niedecken, am vergangenen Samstag extra an den Ammersee (Foto: Martell) gekommen.

Dießen – Eine Rocklegende im Blauen Haus in Dießen! Zu einem Benefizabend mit Gesprächen über Kunst, Musik und Menschlichkeit war der Gründer der Kölschrock-Band BAP, Wolfgang Niedecken, am vergangenen Samstag extra an den Ammersee (Foto: Martell) gekommen.

Eingeladen hatte dazu Sascha Ruck, Herausgeber der Freizeitschrift. Anlass war eigentlich sein 50. Geburtstag. Ruck, der selber seit Jahren großer BAP-Fan ist, hatte Niedecken beim vergangenen Tollwood-Fest in München angesprochen. Niedecken hielt sich an seine Zusage. Im ausverkauften Blauen Haus plauderte er aus dem Nähkästchen, erzählte aus seinem Leben, von seinem Hilfsprojekt in Afrika und seiner Band. Als Special Guest begeisterte der Multi-Instrumentalist Martin Kälberer das Publikum. In den Pausen verwöhnte Bobby Sievers mit seinem Bio-Buffet die rund 120 Gäste. Zu den 8.000 Euro, die gespendet wurden, legte ein Gast noch 2.000 Euro dazu um den Zehner voll zu machen.

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Auf Tuchfühlung mit einer Rocklegende

Eigentlich wäre Wolfgang Niedecken an diesem Abend wohl lieber in Köln geblieben. Der Bundesparteitag der AfD wurde dort am Wochenende von zahlreichen Protesten begleitet. Auch Niedecken hätte da gerne mitgemischt. Doch der BAP-Frontman stand zu seinem Wort, das er im vergangenen Jahr Sascha Ruck gegeben hatte. „Und nun kann ich es kaum glauben, dass er hier bei uns in Dießen ist”, sagte Ruck breit grinsend zur Begrüßung im ausverkauften Blauen Haus. Zu der Benefiz-Veranstaltung waren nicht nur Gäste aus der Region gekommen.

Die Rocklegende hatte auch BAP-Fans aus ganz Deutschland an den Ammersee gelockt. „Wir hatten sofort eine Karte gebucht. Wo Dießen liegt, wussten wir zunächst gar nicht”, berichtete ein Ehepaar, das extra aus Ostwestfalen mit dem Zug gekommen war. „Niedecken einmal so hautnah zu erleben, ist einfach unglaublich”, betonte ein Fan aus Weilheim.

Erlös fließt an das Rebound Project in Uganda und Kongo

Gut 120 Gäste waren im Blauen Haus versammelt. Als Special Guest begeisterte der Multi-Instrumentalist Martin Kälberer das Publikum. In den Pausen verwöhnte Bobby Sievers mit seinem Bio-Buffet die Gäste. Gesponsert war dies von La Vida-Geschäftsführerin Sylvia Haslauer aus Utting. Mit 50 Euro waren die Eintrittskarten eigentlich nicht gerade billig.

Doch der gesamte Erlös des Abends sollte an das von Niedecken ins Leben gerufene Rebound Project fließen, mit dem der Musiker seit 2011 zusammen mit der Organisation World Vision ehemaligen Kindersoldaten und zwangsprostituierten Mädchen im Kongo und in Uganda eine zweite Chance ermöglicht.

Daher auch der Name „Rebound”, ein Begriff aus dem Basketball, der für einen zweiten Versuch nach einem missglückten Ball steht. Jedes Jahr werden mit den Spendengeldern in Afrika etwa 80 Jugendliche in verschiedenen Berufen ausgebildet. Ein Projekt, das dem Gründer der Kölschrock-Band sehr am Herzen liegt.

Denn sozial engagiert hat sich der Künstler schon ganz früh. Empathie und Nächstenliebe habe er schon in jungen Jahren verinnerlicht, erzählt Niedecken, der sich gerne als Rest-Katholik bezeichnet. Seine Kindheit habe er in den Trümmern des im Krieg zerstörten Köln verbracht.

Wolfgang Niedecken mit seinem Interviewpartner Sascha Ruck. Foto: Martell

Kubakrise und Angst vor Atomkrieg

Seine Jugend war während der Kubakrise von der Angst vor einem Atomkrieg geprägt. Seine Band startete mit Protestkonzerten gegen eine Stadtautobahn, daher auch der Name. Und Afrika?

„Einer muss den Job machen. Dieser Nachbarschaftskontinent ist über Jahre von uns ausgebeutet worden und hatte selten eine Chance, auf die Beine zu kommen”, betonte der Kölner Niedecken, der für sein Afrika-Engagement vor vier Jahren von Joachim Gauck mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse ausgezeichnet wurde.

An dem Abend im Blauen Haus ging es aber nicht nur um Afrika oder Niedeckens politische Texte. Der Sänger, Komponist, Maler und und Texter erzählte auch aus seinem Leben. Da berichtete er in breitem Kölsch von seiner ersten Beatles-Single, die er gegen ein Taschenmesser eintauschte, ohne eigentlich zu Wissen, wer die Beatles sind oder die Geschichte, wie es zu dem Bandnamen BAP kam und das erste Plattencover kreiert wurde.

Bis weit nach Mitternacht ging die Veranstaltung, die von zahlreichen Musikeinlagen gewürzt wurde. Gastgeber Sascha Ruck und die BAP-Fans kamen voll auf ihre Kosten. www.worldvision.de/rebound