Heilige Dreifaltigkeit zwischen Hasenohren Ostern zwischen Kunst und Kitsch – Sonderschau im Kupfermuseum am südlichen Ammersee

Beate Bentele  13. April 2017

Evelyn und Siegfried Kuhnke, Stiftung Kupfermuseum Kuhnke in Fischen. Fotos (4): Bentele

Fischen – Früher war jede Region stolz auf ihre kulinarischen Extras und verfügte über eigene Rezepte für süßes und salziges Brauchtumsgebäck. Heute noch wird in ländlichen Gegenden diese Tradition bewahrt – selbst wenn der religiöse oder kultische Ursprung nicht immer ganz klar ist. Zum Beispiel gehören Brezen und Krapfen ebenso zum Brauchtumsgebäck wie Osterpinzen, Osterlämmer, Schokoladenhasen, Flechtgebäck, tiergestaltige Brote und mehr. Dafür benötigte die gute Hausfrau Kupferformen. Viele und reichlich verzierte. Was vor einhundert oder mehr Jahren in den Küchen wichtig war, zeigt die Sonderausstellung „Ostern. Kunst und Kitsch” noch bis Donnerstag, 8. Juni 2017 im Kupfermuseum Fischen-Pähl. Die Ausstellung ist eine erlesene Mischung aus sakralen Werken von Prozessionskreuzen, vergoldeten Kelchen, Reliefs und Skulpturen zwischen Gotik und Barock sowie Kupfer-Modeln für die Küche und die österliche Bäckerei, dekoriert mit Nostalgie-Postkarten und österlichen Zierrat.

Es genießt in der deutschen Museumslandschaft ein Alleinstellungsmerkmal: Über eintausend hochwertige Exponate formulieren sich am südlichen Ammerseeufer zu einer glanzvollen Schau, die den Besucher schon beim Betreten mit ihrem Glanz blendet: Die „Stiftung Kupfermuseum Kuhnke” zeigt das Schönste aus Kulturepochen zwischen Gotik und Neuzeit in Kupfer, Kupfer vergoldet, Kupfer versilbert, kurzum „Das rote Gold”. Die Inhaberfamilie Evelyn und Siegfried Kuhnke mit Tochter Madlon von Kern hüten einen raren Schatz, der durch Zukäufe stetig wächst.

Vor einem halben Jahrhundert, erzählt Siegfried Kuhnke, hätten ihn die kunsthandwerklich und künstlerischen Hochkaräter fasziniert und er fing an, Kupfernes zu sammeln, „heute kann ich die Museumsbesucher mit seltenen Schätzen verführen, verwöhnen und für den Werkstoff Kupfer begeistern.” Allerdings gäbe es kaum noch Kupferschmiede, „sie werden auch von den Handwerkskammern nicht mehr gefördert.” Ein Beruf, der hierzulande ausgestorben ist. Er berichtet aber auch, dass in früheren Zeiten das Kupfer treiben (hämmern) und gestalten – vorwiegend bei religiösen und dekorativen Objekten – von Gold- und Silberschmieden meisterlich ausgeführt worden ist. Die Kupferschmiede hingegen sich hauptsächlich Gebrauchsgeschirr und Großgegenständen gewidmet haben.

Kostbares Exponat: „Agnus Dei“, Lamm Gottes aus dem 18. Jahrhundert.

Agnus Dei

Aus allen genannten Bereichen formuliert das Kupfermuseum Kuhnke eine beredte Sprache. Nach Themen geordnet und angenehm fürs Auge in Vi-
trinen arrangiert, bieten die großzügigen Ausstellungsräume einen Spaziergang an durch die Welt des Kupfers. Die Objekte sind mit Kurztexten versehen und statten den Betrachter mit qualifizierter Information aus. Im Blickpunkt steht gegenwärtig die österliche Sonderschau, über die das Lamm Gottes – ein Schaf in Lebensgröße – auf einem barocken Polster wacht. Nahezu jeder Ausstellungsbesucher streicht ihm in einem unbeobachteten Augenblick über den lockigen Kopf. Das Schaf in Lebensgröße ist vollplastisch getrieben und vor allem auch wegen seiner Größe in diesem Material eher ungewöhnlich.

Kuhnke erzählt, dass er es bei einem Antiquitätenhändler in München über längere Zeit beobachtet und schließlich erworben habe. „Darüber bin ich heute sehr froh”, betont er und informiert, dass es aus dem 18. Jahrhundert stammt und im süddeutschen Raum entstanden sei. Das Agnus Dei, das Lamm Gottes, gilt als ein seit ältester Zeit im Christentum verbreitetes Symbol für Jesus Christus. Der Museumschef geht davor aus, dass es immer zur Passionszeit den Altar einer Kirche zierte und hinterher im Schrank verschwand.

Zu den sakralen Exponaten gehört auch ein außergewöhnliches Kupferrelief. Der Umriss erinnert an ein liturgisches Messgewand (Kasel). Es zeigt die Grablegung Christi. Der Korpus ruht neben dem Sarg, der als Reliquienbehälter mit einem Deckel gestaltet ist. Darin ruht eine Grabtuch-Reliquie. Expertisen bestätigen – so Kuhnke – dass es sich um ein kleines Textil vom Turiner Grabtuch handele. Es sei gesichert, dass am Original Grabtuch ein Eckchen fehle, dessen Umriss der Größe der Reliquie im Kupfermuseum entspräche. Zur religiösen Kultur gehörend, zieht eine Prunkschüssel aus der Zeit um 1700 die Blicke an: Drei springende Hasen legen ihre Hasenohren zu einem Dreieck, darinnen das Auge Gottes – ein ungewöhnliches, aber sehenswertes Symbol der Heiligen Dreifaltigkeit.

Eierkocher von Riemerschmid.

Backform Lamm, auch heute noch beliebt.

Der Osterhase kommt

Wer Osterlämmchen, Osterhasen, Eier und Hühner mag, bestaunt mit leuchtenden Augen Formen für die Küche und die Bäckerei. Die Model, Back- oder Pastetenformen sind bis zu 200 Jahre alt. Die Hasen, in die die Vorfahren der noblen bürgerlichen oder adeligen Küche heiße Schokolade einfüllten oder Teig für österliche Nascherei (oft wurden auch Wasserfiguren für kühle Dekore bei Büfetts gefroren) zeichnen sich durch Charme und Handwerklichkeit aus. Man erkennt ihre zeitliche Herkunft an massiven Eisenhalterungen. Die spielerischen Model und Formen sind heute noch in der österlichen Backstube beliebt. Allerdings gibt es sie nur noch aus Weißblech oder Kautschuk, die mit den historischen Formen nicht mehr konkurrieren können.

Sehenswert auch die Kupferformen, Kannen und Schüsseln, die an die fastenzeitliche Esskultur erinnern: Back- und Pastetenformen zum Beispiel, die Fische und Krebse darstellen. In den dekorativen Modeln sollten Krebs-Sülzen und Feine Gerichte aus Fisch zur Form erstarren. Zugleich erinnert man sich, dass die Bäche und Flüsse der Region einst über reichen Krebsbestand verfügten. Zum Schmunzeln laden die österlichen Kartengrüße ein, die die Kuratoren der Ausstellung zwischen die Küchengeräte drapiert haben.

Zu Ostern kommt man um die Ausstellung „Ostern. Kunst und Kitsch” nicht herum! Zum Museum gibt es einen 270 Seiten umfassenden Bildband mit mehr als 500 farbigen Abbildungen. Geöffnet ist das Kupfermuseum im Kunst- und Kulturhof Fischen – Pähl von Mittwoch bis Samstag, 10 bis 16 Uhr. Gruppen auf Anfrage unter Telefon 08808 – 92191.32 .

Mehr unter www.KupfermuseumFischen.de.