Ein Entwurf liegt vor Der Protest gegen das Polizeibootshaus in Holzhausen hält jedoch an

Dagmar Kübler  28. Februar 2017

Das Büro Lüps habe sich nicht aufgedrängt, sondern musste überzeugt werden, den Planungsauftrag für das Bootshaus zu übernehmen. Foto: pm

Utting/Holzhausen – Während Blasmusikfetzen vom Sturm vom Dampfersteg Holzhausen zur Bayerischen Verwaltungsschule geblasen wurden, versammelten sich dort nach und nach rund 250 Bürger, um vor allem den Vertretern von Polizei und Innenministerium wie bereits 2015 den Marsch zu blasen. Denn die Ammerseeanwohner lehnen das geplante Bootshaus in der idyllischen Bucht in Holzhausen nach wie vor kategorisch ab.

Doch die Obrigkeit erschien nicht, und so blieb dem Leiter des Staatlichen Bauamts in Weilheim, Peter Aumann, die undankbare Aufgabe, Protest und Fragen der Bürger entgegenzunehmen.

Viele Fragen fielen nicht in seinen Zuständigkeitsbereich und blieben deshalb unbeantwortet, was die Bürger keinesfalls zufrieden stellte.

Nicht viel besser erging es Mauritz Lüps vom gleichnamigen Architekturbüro aus Schondorf, das vom Staatlichen Bauamt beauftragt wurde, einen Entwurf für das Bootshaus zu liefern. Der Standort sei architektonisch nicht unproblematisch, deshalb habe man gezielt ein Büro gesucht, das mit der Thematik Bootshausbau vertraut sei, erläuterte Aumann.

Das Büro Lüps habe sich nicht aufgedrängt, sondern musste überzeugt werden, den Auftrag zu übernehmen. Lüps‘ Bedingung: Die Standortfrage müsse abgeschlossen sein.

Die Form folgt der Funktion

„Das war gegen Herbst der Fall. Da hieß es vom Innenministerium, das Projekt solle nun vorangetrieben werden”, so Aumann. Mangelndes Demokratieverständnis unterstellte er all denjenigen, die Sachbeschädigung bei und Verunglimpfung von Personen betrieben, die mit dem Projekt verknüpft sind.

Lüps zeigte mit seiner Planung, dass er sich im Detail mit Vorgaben der Polizei, aber auch mit dem Standort auseinander gesetzt hatte.

Deshalb zielte sein Entwurf darauf, vor allem zur Landseite hin schmal zu wirken; die Höhe passt sich exakt dem Boot an und wurde auf ein Minimum verringert.

„Der öffentliche Raum soll so gut wie möglich frei gehalten werden”, so Lüps. Deshalb habe man diese Lage und die relativ weite Entfernung vom Steg gewählt. Erreicht wird das Bootshaus, konzipiert in Form eines anlandenden Bootes und längs zum Steg situiert, über einen schmalen, abfallenden Steg.

Die Firsthöhe liegt 2,90 Meter über dem Geländer des Dampfersteges, die Länge beträgt 17,2 Meter, die Landseite ist lediglich 3 Meter breit.

Die Entfernung vom Ufer beträgt 73 Meter. Die letzten 21 Meter am Dampferstegende habe man bewusst freigehalten – zur Nutzung durch die Öffentlichkeit und nicht durch die Polizei, so Lüps, der ausführlich die drei Funktionsbereiche im Haus erläuterte sowie das Verfahren bei Hoch- und Niedrigwasser.

Die Wände sind mit einer vertikalen Holzschalung verkleidet.

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Fünfzigseitiges Fachgutachen

Ein Bau an Land gilt als nicht realistisch – Eine Druckluftanlage halte das Wasser eisfrei

Für eine bessere freie Sicht wäre ein Standort näher am Ufer besser geeignet; notfalls solle eine Fahrrinne ausgebaggert werden, schlug Gemeinderat Karl Sauter (CSU) vor. Bürgermeister Josef Lutzenberger (GAL) erläuterte, dass das Landratsamt dies prüfe, denn auch Staatsekretär Gerhard Eck, der kürzlich vor Ort war, habe dies vorgeschlagen. Problematisch sei jedoch die Entsorgung des ausgebaggerten Materials. „Das gilt als schadstoffbelastet, wird von keiner Deponie genommen und verursacht deshalb hohe Kosten.” Lutzenberger verwies auf ein fast 50-seitiges naturschutzfachliches Gutachten. Demnach sei der sensible Bereich die Uferzone mit dem Schilfgürtel und nicht die weiter draußen liegende Wasserfläche; der Bau an Land, wie vielfach vorgeschlagen, sei deshalb nicht realistisch. Auf die Frage nach der Wintertauglichkeit sagte Aumann, durch eine Druckluftanlage werde das Wasser ums Boot eisfrei gehalten. Ein Zuhörer, Takelmeister eines Segelclubs, wies darauf hin, dass, um ein Einfrieren des Bootsmotors zu verhindern, Glysantin verwendet werde und dieses literweise in den See gelange. Lutzenberger sagte zu, bei der Naturschutzbehörde nachzuhaken. Florian Münzer (GAL) verwies auf frühere Aussagen bezüglich des Standortes Dießen, wonach eine Enteisungsanlage nicht möglich sei. Er habe den Eindruck, Argumente würden verdreht, um diesen Standort durchzuboxen. „Hier wird ein Schatz kaputt gemacht, den wir dringend brauchen”, machte Münzer auch auf den touristischen Wert der Bucht deutlich.

Rund 250 Bürger waren gekommen, um sich über die Planung des Polizeibootshauses zu informieren. Vorgestellt wurde sie von Mauritz Lüps (l. stehend) und dem Leiter des Staatlichen Bauamts Weilheim, Peter Aumann. Foto: Kübler

Planung ohne Kostenschätzung

Auf die Frage nach den Kosten für das Bootshaus musste Aumann passen. „Das Bootshaus auf dem Starnberger See, das allerdings größer ist, hat seinerzeit 450.000 Euro gekostet”, so Aumann. Auch zur Frage von Margit Gottschalk (CSU), ob ein Ausbau des derzeit recht schmalen Zufahrtsweges zum Dampfersteg geplant sei, blieb Aumann vage. Ein Platz für das kleinere Flachwasserboot der Polizei sei nicht vorgesehen. Zum Stand der Baugenehmigung sagte er, der Antrag sei eingereicht, aber vom Landratsamt noch nicht genehmigt. Unterlagen und Untersuchungsergebnisse müssten noch nachgereicht werden. Optimistisch geschätzt könne im Juni mit dem Bau begonnen werden. Florian Hansch (SPD) bemängelte, dass sich die Planung an einem 15 Jahre alten Boot orientiere, das vielleicht in Kürze durch ein neueres ersetzt und eine Anpassung des Hauses erforderlich machen würde. „Ein E-Cat, wie er heutzutage häufig verwendet wird, passt da nicht rein”, ergänzte auch ein Zuhörer. Viele Fragen der Zuhörer thematisierten Naturschutzaspekte und die Verschwendung von Steuergeldern. Am Ende der über zweistündigen Diskussion stimmte der Gemeinderat über den gemeinsamen Antrag des Vereins „Unser Dorf” und der Bürgerinitiative dampferstegholzhausen ab. Der Gemeinderat solle sich erneut gegen das geplante Bauvorhaben aussprechen, so der Antrag. Dieses sei unverhältnismäßig, da es weiter im See liege und größer sei als andere Bootshäuser auf bayerischen Seen. Weitere Kritikpunkte bezogen sich auf die Lage, den Anfahrtsweg, den Landschaftsschutz und die Kosten, die die Antragsteller auf 550.000 Euro schätzen. Helmut Schiller (SPD) verwies darauf, dass der Gemeinderat diesen Beschluss bereits gefasst und den zuständigen Behörden mitgeteilt habe. Er hielt eine weitere Abstimmung deshalb nicht für nötig. Mit drei Gegenstimmen stimmte der Gemeinderat dem Antrag zu.