Diani Beach in Kenia – Land der Gegensätze Reisebericht von Martina Steingruber aus Aidenried: Wo Touristen im Überfluss urlauben kämpfen viele Afrikaner ums Überleben

ak  21. Februar 2017

Ein gewohntes Bild: Kamele weiden in Kenia entlang des Diani Beach die Grundstücksränder ab. Fotos (5): Steingruber

Fischen/Diani Beach – Meine weitesten Reisen bisher führten nach Assisi in Italien und Heiligenhafen an die Ostsee. Es hat sich einfach noch nie ergeben über Europa hinaus zu blicken. Das sollte sich heuer ändern. Meine Ziele liegen meist dort, wo ich Menschen kenne und von denen ich eingeladen werde. Ich brauche Bezug zu Menschen für die es sich lohnt so eine Tour zu machen. Durch das Internet ist die Welt enger zusammengerückt. Auch für mich! Unter www.baeuerinnentreff.de finden sich Frauen, Bäuerinnen zum Teil auch weltweit. Sie leben auf Höfen, verdienen ihren Lebensunterhalt mit Landwirtschaft oder sie interessieren sich für Letztere. Auf diesem virtuellen Weg lernte ich die Gastgeberin meiner Kenia-Reise kennen. Sie kommt ursprünglich aus Baden-Württemberg. Seit 2007 kenne ich sie auch persönlich von jährlichen Versammlungen. 2016 hat sie einige Tage bei mir am Hof in Aidenried verbracht.

Seit mehr als zwanzig Jahren lebt sie am Diani Beach in Kenia. Hatte dort zuerst ihr Einkommen durch den Fremdenverkehr. Seit es die All-Inklusive-Hotelangebote gibt, lief ihre Beachbar an einem der zauberhaftesten Sandstrände unserer Erde nicht mehr kostendeckend.

Ein ärmlicher Markt in Ukunda. Er bietet für westliche Touristen wenig Reizvolles, dennoch ist er einen Besuch wert.

Kühe und Ziegen auf Nahrungssuche

Der Zufall wollte es, dass sie über Weihnachten bei ihrer Mutter in Deutschland weilte. So konnten wir den Hinflug (für sie war es ein Rückflug) nach Kenia gemeinsam antreten. Mitte Januar ging‘s bei Schneegestöber los, über Wien nach Addis Abeba und schließlich nach Mombasa – direkt in den Sommer! Per Taxi – im Linksverkehr, ohne Schilder und Verkehrsregeln – und später per Fähre führte der Weg an der Küste entlang. Auf der Strecke findet man Hütten, in denen allerhand zum Kauf angeboten wird – Polstermöbel wie auch Elektrogeräte! Dazwischen viele Menschen und immer wieder Handkarren mit Gemüse, Obst oder Wasserkanistern.

Die Vielzahl an Ziegen und kleineren Kühen, die am Straßenrand nach Fressbarem suchten, zogen meine Blicke auf sich, zumal unter den weggeworfenen Plastikflaschen und -tüten kaum etwas zu finden war. Durchgeschüttelt von den Bumps auf den Straßen, Barrieren, die wohl die Geschwindigkeit drosseln sollen und zum Teil nur schräg überfahren werden können, um die Ölwanne zu schützen, verlief die Fahrt entlang des Diani-Beach. Nach eineinhalb Stunden kamen wir bei meiner Freundin an. Dort erwartete uns Kaffee aus einer Pad-Maschine, Schmalzgebackenes und eine weitere Freundin von mir, die seit acht Jahren landeinwärts lebt.

Mein Feriendomizil war sehr einfach, doch es war alles Nötige vorhanden. Auch im Sanitärbereich! Jedoch nicht klimatisiert – einzig Ventilatoren sorgen für etwas frischeren Wind. Der indische Ozean erstreckte sich vor der Haustüre! Palmen begleiten den Weg dorthin. Neben meiner Unterkunft etwas Buschland und dann gleich eine große, gepflegte Hotelanlage. Diese konnte ich aber nur nachts am Lichterschein erahnen. Kamele am Strand, die dort die Grundstücksränder abweiden, gehörten beim Frühstück zum gewohnten Bild. Ebenso eine Meerkatzenart, die räuberisch darüber wachte ob jemand unvorsichtig den Frühstückstisch verlässt oder die Türe zur Küche offen lässt. Eine andere Affenart, die Colobuse, ist nicht so anstrengend. Die Tiere sind schwarze kleine Gentlemen, die sich mit den großen Blüten einer Akazienart begnügen. Meine Freundin lebt dort mit ihren Tieren. Drei Angestellte hat sie beschäftigt, die tagsüber anwesend sind. Sie sorgen sich um Grundstück, Tiere, Wäsche, Haus, Versorgung und Technik. Alles etwas ungewohnt für mich, da ich es gewohnt bin, alleine den Tisch abzuräumen und mir die Mahlzeiten selbst zubereiten darf.

Am ersten Abend gab es gekochtes Hühnchen mit Sukuma und Reis. Das Gemüse ähnelt unserem Spinat; richtig anfreunden konnte ich mich mit dem Geschmack nicht. Es scheint unserem Grünkohl sehr ähnlich, dessen Vorzüge ich auch noch nie entdeckt habe.

Müde von der langen Reise gingen wir relativ früh zu Bett. Dort wird es ja bereits um 18.30 Uhr dunkel – egal zu welcher Jahreszeit! Bei meinem Aufenthalt am Diani Beach war mir wichtig, dass ich mich etwas erhole, im warmen Ozean etwas für meine angeschlagenen Knochen mache. Schwimmen hatte deshalb oberste Priorität. Und das habe ich all die Tage in vollen Zügen genossen. Weißer, fast menschenleerer Sandstrand, soweit das Auge reicht! Warme Wellen kamen mir entgegen.

In den letzten Tagen meines Urlaubs wurde es fast tropisch, da durch den wenigen Regen die Luftfeuchtigkeit höher wurde. Wobei es in meiner Anwesenheit nie geregnet hatte. Bei meinem Land-und-Leute-Urlaub bewegte mich von Anfang an der Gedanke, was Menschen dazu bewegt, Deutschland hinter sich zu lassen, um dort zu leben. Klar, das Klima hat seinen Reiz! Meine zweite Freundin lebt zusammen mit ihren Lebensgefährten (beide in Ruhestand) auf ihrem Grundstück auch von und mit Tieren. Sie sind ein klein wenig Selbstversorger. Auch sie beschäftigen Bedienstete und haben einen Jungen adoptiert, der mit einem Pflegekind bei ihnen heranwächst.

Wir fahren gemeinsam an die Ostküste, um dort bei einer Farmerin, die ihren Tierbestand auflöst, Schweinefleisch zu kaufen. Ich denke, wir waren annähernd zwei Stunden unterwegs, über die Fähre, quer durch Mombasa raus aufs Land, hinein in den Busch.

Ich war sehr erstaunt, dass es Farmen gibt, die Schweine halten, bei den vielen Moslems im Land.

Auch Schweine werden in Kenia gehalten – nicht immer haben sie ausreichend Nahrung.

Patchwork-Familie unter der Sonne Afrikas

Die Besitzerin, eine Kenianerin, lebt normal in der Schweiz, seit ihr Mann verstorben war. Ihre Arbeiter sollten daheim die Tiere versorgen, was aber nicht so richtig klappt. Die Schweine waren in einem erbärmlichen Zustand! Ich habe in meinem Leben noch nie so magere, ausgehungerte Tiere gesehen. Auch fand sich in den relativ gut angelegten Stallungen außer etwas Wasser nahezu kein Futter.

Zwei Schweine wurden in unserem Beisein geschlachtet. Drei Ferkel wurden zu einem späteren Zeitpunkt geliefert. Sie haben es nun paradiesisch! Tierhaltung in Kenia geht auch anders.

Überall findet man Korallenfelsen. Der ganze Diani Beach ist von dieser rötlichen, zerklüfteten Gesteinsart geprägt. Das stellt auch einige Hürden dar, wenn man so ein Grundstück bewohnbar und begehbar machen will. Will man Gemüse anpflanzen, gilt es erst einmal große Korallenfelsen aus der Erde zu hieven.

Feriendomizil mit Palmen und dem Indischen Ozean direkt vor den Augen.

Der Lebensgefährte meiner Gastgeberin hat auf seinem Grundstück schon Schwerstarbeit geleistet. Schön anzusehen ist allerdings wenn die Gesteinsteile als Mauerputz verwendet werden. Das findet man auch an der Küste bei Hotelanlagen und deren umgebenden Mauern. Im Garten konnte ich sehen wie Papayas wachsen – kein leichtes Unterfangen bei dem salzhaltigen Trinkwasser. Bei einem Restaurantbesuch erfuhr ich, wie chic Hotelanlagen am Diani Beach von innen aussehen. Überall Sicherheitspersonal! Warum? Das habe ich bei meiner ersten Station erfahren müssen: Mit meiner Freundin war ich gegen 16.30 Uhr am Strand spazieren. Nicht weit vom Haus und der Hotelanlage entfernt saßen wir auf einem Fischerboot und ließen die Seele baumeln, als ein Mann mit Messer bewaffnet auf mich zustürmte und mir unter Androhung von Gewalt den Gurt meiner Handtasche zerschnitt. Mit der Handtasche waren auch Handy und Papiere weg. Es folgten Besuche bei der Polizei, um ein Protokoll über den Tat-hergang und die geraubten Gegenstände ausfertigen zu lassen und eine Fahrt in den Busch. Unsere Suche brachte uns an einen Drogenumschlagplatz mitten im Gestrüpp. Leider war die Suche nach den fehlenden Gegenständen nicht erfolgreich. Umliegenden Bewohnern sicherten wir eine Belohnung zu, sollte jemand auf den gestohlenen Handtascheninhalt stoßen und diesen bei mir abliefern. Diese „Buschtrommel” sollte sich erfolgreich erweisen. Wenige Tage später konnte ich einen Reisepassersatz in Mombasa beim Konsulat abholen – und zwei Tage darauf erschien ein junger Mann und wollte mir glaubhaft versichern, er hätte meinen Pass gefunden – angeblich beim Hüten seiner Ziegen im Busch. Das Geschehene hat mich ein paar Tage sehr beschäftigt, so dass ich den Ausflug nach Chale Island absagen musste. Dafür konnte ich an der Ostküste eine Hotelanlage besichtigen, wo das Konsulat seinen Sprechtag hatte. Ganz anders wie am Diani ist dort das Hotel in die zum Meer hin steil abfallende Korallenwand gebaut. Aber auch dort alles streng bewacht! Die Anlage sehr sauber und freundliches Personal.

Überall, wie auch am Diani Beach, wird Wassersport in Form von Kitesurfen, Jetski und Schnorcheln angeboten.

Dank meiner Freunde hatte ich aber dann doch noch die Möglichkeit, die Shimba Hills von oben zu bestaunen, ein fast 200 Quadratkilometer großes Naturschutzgebiet unweit von Kwale – zirka dreißig Kilometer südwestlich von Mombasa entfernt. Von einer Lodge aus konnte man wunderbar das ganze Gebiet überblicken.

Am folgenden Tag gingen für mich zwei erlebnisreiche Wochen zu Ende. Zwei Wochen, in denen ich neben Land und Leuten auch ungewollt die Polizeistation von Ukunda kennenlernen durfte.

Ich bin über einen Markt gelaufen, wo es fast alles zu kaufen gab, was man täglich benötigt. Dennoch verspürte ich keinen Anreiz, dort etwas zu erwerben. Das Land bietet krasse Gegensätze! Auf der einen Seite die tollen Hotelanlagen. Und daneben Hütten in denen die Einwohner ihre Waren anbieten und zum Teil auch dort wohnen.

Nicht so frech wie die Meerkatzen sind die Colobuse, die gerne Akazienblüten fressen.

Eine Zeitreise durch Kenia

Manches erinnerte mich an Fotos von Deutschland, so kurz nach 1945. Dann wieder findet man sich im 21. Jahrhundert wieder: Dinge für den täglichen Bedarf wie es der Europäer gewohnt ist, kann man in Mombasa und auch am Diani Beach in Geschäften erwerben. Durchaus vergleichbar mit unseren Vollsortimentern hier in Deutschland – nur eben von Security bewacht.

Viele Pflanzen waren mir neu. So konnte ich sehen, wie Cashew-Nüsse reifen und wie sie von den Einheimischen geröstet werden. Ich lernte neben Sukuma wiki verschiedene landestypische Gerichte kennen wie Ugali (ziemlich fester Maisbrei, von dem sich die Einwohner hauptsächlich ernähren). Auch Samosas, gefüllte Teigtaschen in Fett gebacken, und Mandazi, eine Art Schmalzgebäck, wurden serviert. Ich durfte Kikuyu essen, einen Eintopf aus Mais, roten Bohnen und Kartoffeln, was mir sehr gut mundete, ebenfalls Tilapia (ein Fischgericht).

Auf dem Weg zum Flughafen streiften wir noch einen Sanitärfachmarkt in einem Gebäude in Mombasa. Sehr europäisch angehaucht, die Räume voll klimatisiert, erinnerte es mich fast an Geschäfte in meiner Heimat. Nur der Wachmann am Eingang irritierte etwas.

Als ich wieder deutschen Boden betrat, bewegten mich viele Eindrücke. Es würde mich nicht reizen, dauerhaft in Kenia zu leben.

Mit den Erinnerungen und Erfahrungen hat meine Heimat Bayern wieder einen neuen Stellenwert bekommen. Dafür bin ich dankbar.

Martina Steingruber