Die Sage von den „Fuirigen Mand“ In der Ortsgeschichte von Pähl und Fischen stößt man auch auf die sagenumwobenen Irrlichter

ak  24. Januar 2017

Das Votivbild zeigt die Heubrücke vor oder nach der Heuernte, als die Bretter über die beiden Träger abgenommen waren, um sie nur zu Fuß passierbar zu machen. Fotos (4): privat

Pähl/Fischen – Das Bild unten, eine Luftaufnahme, zeigt uns den Ort, von dem die Sage handelt. Links ist die Dießener Jägerallee zu erkennen, in der Mitte der Flusslauf der Alten Ammer, rechts oben die Ammerseebucht „der Schaupen”, und rechts unten geht es nach Fischen. Dort lebte von 1904 bis 1990 Ida Stadler, von Beruf Lehrerin an der Pähler Schule und noch heute vielen ihrer Schülerinnen und Schüler in lieber Erinnerung.

Auf dem Luftbild ist links die Dießener Jägerallee zu erkennen, in der Mitte der Flusslauf der Alten Ammer, rechts oben die Ammerseebucht „der Schaupen“ – und rechts unten geht es nach Fischen.

Neben dem Unterricht beschäftigte sie sich intensiv mit der Geschichte des Ortes und seiner Umgebung, befragte die Bevölkerung und notierte vieles sehr Interessantes, darunter auch unsere Geschichte: „Über den See von Herrsching her auf nach Fischen zu sin früher die `fuirigen Mand´ (feurigen Männer) gekommen.

Von 1904 bis 1990 lebte Ida Stadler, von Beruf Lehrerin an der Pähler Schule. Sie beschäftigte sich neben dem Unterricht insbesondere mit der Ortsgeschichte.

Immer am Sonntag hat man sie gesehen. Da sind die Fischener Bauern in Dießen drüben gewesen und haben sich die größten Räusche angesoffen. Wie die Bauern nun aus Dießen fort sind, haben sie schon die `fuirigen Mand´ über dem See aufsteigen sehen. Da haben sich die Fischener Bauern immer gedacht: `Wenn ich nur das Steglein erreicht hätte, wo man über die Ammer hinüberkommt´.”

Aber so schnell sie auch gegangen sind, die „fuirigen Mand waren doch schon vor ihnen am Brücklein angekommen, haben Purzelbäume geschlagen und sind um die nächtlichen Wanderer herumgetanzt. Aber sie haben den Leuten nie etwas zu leide getan”„

Ortsgeschichtlich ist Ida Stadlers Aufzeichnung heute in mehrfacher Hinsicht interessant: Die „fuirigen Mand” stellen eine ortseigene, charakterisierende Bezeichnung dar.

Über die gängige Bezeichnung Irrlicht berichtet Wikipedia: „Irrlichter sind seltene Leuchterscheinungen, die nachts insbesondere in Sümpfen und Mooren beobachtet werden können. Ihr unvorhersagbares und kurzzeitiges Auftreten erschwert die systematische Erforschung. Über lange Zeit sind Irrlichter insgesamt als Aberglaube abgetan worden.”

Irrlichter sind wohl bioluminiszente Effekte

Es gibt zwei Erklärungsversuche für Irrlichter: Heute geht man davon aus, dass es sich überwiegend um biolumineszente Effekte handelt, zum Beispiel durch den Speisepilz Hallimasch. Zu sehen ist ein bläuliches Leuchten, das für mehrere Sekunden sichtbar bleibt. Eine andere Möglichkeit sind spontan entzündete Faulgase. Die Flämmchen der Irrlichter sind einige Zentimeter hoch und leuchten nach Aussage verschiedener Augenzeugen wenige Sekunden lang ohne Rauchentwicklung.

Der Name kommt wohl aus dem Aberglauben, dass diese Lichter von Geistern (Irrwischen) und anderen Sagengestalten erzeugt werden, um Menschen absichtlich im Moor in die Irre zu locken und somit in den Tod zu ziehen. Dazu sollen sich die Irrlichter geheimnisvoll blau flackernd vor dem verirrten Wanderer bewegen und ihm so einen Menschen mit einer Laterne oder ein beleuchtetes Gebäude in der Nähe vortäuschen.

In der Mythologie sind Irrlichter die Seelen ungetaufter Kinder

Der Wanderer wähnt sich dem Ziel stets ganz nahe und erkennt die Gefahr zu spät. Eine andere Abstammung des Namens könnte von den beobachteten scheinbar ziellos umherirrenden Bewegungen der Irrlichter kommen. In der Mythologie werden Irrlichter für die Seelen ungetauft verstorbener Kinder gehalten.

Dies mag damit zusammenhängen, dass Irrlichter häufig auf Friedhöfen beobachtet wurden. Andererseits werden Irrlichtern auch positive Eigenschaften zugesprochen. Ein Irrlicht zur Linken gilt als gutes Zeichen. Auch sollen sie auf Anruf heranfliegen und dem Menschen für ein geringes Entgelt leuchten. In einer Bauernregel heißt es: „Wenn im Moor viel Irrlichter stehn, bleibt das Wetter lange schön.” Heute weiß man von Irrlichtern nicht mehr, als vor hundert Jahren. Neben Moorflächen wurden Irrlichter auch auf sumpfigen Wiesen, entlang von Deichen, auf frisch gedüngter Erde, auf schlammigen Gräben, auf Abwasserkanälen sowie auf Friedhöfen gesehen. Im Winter scheinen sie seltener aufzutreten.

Aufgrund ihrer spukhaften Erscheinung ranken sich um Irrlichter viele Sagen und Legenden, wodurch sie auch Einzug in die Literatur gefunden haben.

Bemerkenswert ist, dass „die fuirigen Mand” die Fischener Bauern stets wohlbehalten über das Steglein über die Ammer geleitet haben. In dem sie ihnen nie etwas zu leide getan haben, unterscheiden sie sich ausgesprochen gutmütig von Irrlichtern.

Griesweg war kürzeste Verbindung zwischen Fischen und Dießen

Der Griesweg war zur Entstehungszeit der Sage die kürzeste Verbindung zwischen Dießen und Fischen und bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts die einzige. Auf ihr konnte man zu Fuß in einer guten halben Stunde von einem Ort zum anderen gelangen, auf dem Pferd oder mit der Kutsche etwas schneller.

Vom 10. bis zum 12. Jahrhundert war der Griesweg der Hofweg der Grafen von Dießen und Andechs, er ist der älteste urkundlich belegte Pilgerweg Bayerns (1123) und er wurde mit dem Bau der Neuen Ammer unterbrochen und in seinen Teilen kaum noch genutzt. Über die Alte Ammer wurde der Griesweg über die sogenannte Heubrücke geführt, die urkundlich seit 1150 nachweisbar ist und uns auf einem Votivbild von Dießener Bürgern aus dem Jahr 1746 bildlich überliefert ist. Das Bild zeigt die Heubrücke vor oder nach der Heuernte, als die Bretter über die beiden Träger abgenommen waren, um sie nur zu Fuß passierbar zu machen.

Eine Maß Bier für 10 oder 11 Pfennige

Fast ein Dutzend Brauereien gab es in Dießen. Das Foto zeigt eine Bierflasche des Dießener Klosterbräus. Heute ist in Dießen mit Namen lediglich noch der Unterbräu bekannt.

Das ist wahrscheinlich aus einem Sicherheitsbedürfnis heraus geschehen und verdient so den Namen Steglein der Sage.

Links ist die Mitterfischener Kirche St. Pankraz, rechts unten St. Johann und der rauchende Kamin einer Brauerei in Dießen und rechts oben St. Laurentius in Pähl mit noch spitzem Turm zu erkennen.

Die Dießener Brauereien machen die größten Räusche der Fischener Bauern verständlicher, weil es von ihnen zeitweise ein Dutzend gab, die in Qualität und Preis unschlagbar waren. Apropos Preis wird erzählt, dass die Erhöhung von 10 auf 11 Pfennige je Maß (Liter) Mitauslöser der Revolution in Bayern war. Die Bierflaschen waren seinerzeit noch Literflaschen und der Maßkrug das übliche Trinkgefäß.

In der Vorbereitung einer Führung im Dießener Bereich der Sage, die rechtzeitig im Ammersee Kurier angekündigt werden soll, wurde auch diskutiert, ob dabei die Teilnehmer wie die Fischener Bauern zunächst in einer Dießener Wirtschaft einkehren sollen, um sich danach möglicherweise von den “fuirigen Mand” zur Ammer begleiten zu lassen.Das war jedoch keine gute Idee, weil diese in Polizeiuniform erscheinen und Ärger bereiten könnten. Meistens werden Sagen Kindern erzählt, weil ihre Fantasie noch frei waltet. Aber es gibt noch viele junggebliebene Erwachsene, die dafür Ohr und Sinn haben.

Ihnen könnten etwa die Maßnahmen der Gemeinde Murnau bei den Wegen im dortigen Moor ein anleitendes Vorbild zu dem Gedanken werden, den gesamten Verlauf des Grieswegs von Dießen nach Fischen jährlich einmal in schmaler Breite ausmähen und die wenigen Gräben überbrücken zu lassen.

An solchen Stellen könnten in der vogelbrutfreien Zeit von Anfang September bis Ende Februar Tafeln wandernde Naturfreunde informieren: über die Grafen von Dießen-Andechs, über das Heiltum in Andechs, zu dem über diesen Weg seit 1127 urkundlich belegt gepilgert wurde, und nicht zuletzt über die 28 Heiligen und Seeligen aus dem Geschlecht der Dießen-Andechser. Die Freude an der Natur könnte durch den Hintergrund ihrer Kultur bereichert werden.

Die Hl. Hedwig von Schlesien oder die Hl. Elisabeth von Thüringen und all die anderen, vielleicht aber zu erst die Hl. Mechthild von Dießen werden Fürbitten für vom Aussterben bedrohte Vögel und Pflanzen ganz bestimmt wohlwollen.

Dr. Horst Reimann