Spurensuche am Ammersee mit der Eisenstange Freundeskreis Ortsgeschichte Pähl-Fischen erforscht Hofwege – Zwei Varianten zwischen Neuer und Alter Ammer

ak  20. Januar 2017

Blick auf den Ammersee 1930: Kaum Bäume und Büsche sind zu sehen. Seitdem hat sich die Landschaft stark verändert. Fotos (5): privat

Pähl/Fischen Vielleicht ist Vischn noch älter als Dießen. Aber darauf soll es hier nicht ankommen. Sondern vielmehr darauf, dass beide Orte und ihre Einwohner seit vorrömischer Zeit durch die sie umgebende Landschaft des südlichen Ammersees geprägt wurden.

Und sie haben auch ihrerseits diese Landschaft seit über 2000 Jahren so gestaltet und uns erhalten, wie sie noch bis gestern war: Ein großes Heugebiet, das der Viehwirtschaft diente und in einem Teil so schön war, dass es den Namen Hofgarten erhielt.

Bayernatlas mit den beiden Hofwegvarianten in hellgrün und den Suchwegen als schwarze Linien. Mit dünnen Eisenstangen mit Griff und Spitze wurde das Moor nach Kiesvorhaben – als Indiz für den Weg – abgestochert.

Dann wurde die Alte Ammer von zwei Dämmen umfasst und ihre Mündung ungefähr 750 Meter in den See geleitet. Das hat zu einem Rückstau geführt und zu einer Anhebung des Grundwasserspiegels um ungefähr 75 Zentimeter. Mit der Folge, dass jetzt bei Hochwasser ammeraufwärts häufiger Überschwemmungen auftraten.

Um diesen abzuhelfen wurde die Neue Ammer gebaut, der Flusslauf um zwölf Kilometer verkürzt und in den Fischener Winkel eingeleitet, mit wiederum unvorhergesehenen Folgen. Jetzt wurde Verwilderung hingenommen: auf Fotos um 1930 ist im ganzen südlichen Ammermoor kaum ein Baum und nur vereinzelt Gebüsch zu erkennen. Der heutige gewaltige Holz- und Schilfbestand trägt in seiner Verwilderung mit Fäulnisgasen zum Klimawandel bei.

Der „Hofgarten“ war ein großes Heugebiet, das der Viehwirtschaft diente. Ein Kupferstich von J. M. Söckler um 1767 zeigt hier Spaziergänger und Maler mit Staffelei.

Kulturträger kamen im 10. Jahrhundert

Nach der Römerzeit, aus der in beiden Orten noch Spuren zu finden sind, kam im 10. Jahrhundert das hier fast drei Jahrhunderte beheimatete Geschlecht der Dießen-Andechs-Meranier.

Dieses entwickelte sich zu den bedeutendsten europäischen Kulturträgern seiner Zeit. Seine territoriale Ausweitung, sein Dienst für Reich und Krone, sein Aufstieg und Fall charakterisieren die Reichsgeschichte dieser Zeit.

Über zwanzig Selige und Heilige werden diesem Geschlecht zugerechnet, zum Beispiel die noch heute sehr verehrte Hl. Hedwig von Schlesien, die Heilige Elisabeth von Thüringen sowie die Heilige Mechthild von Dießen.

An den Führungen nahmen Interessierte aus Dießen, Pähl und Raisting teil. Sie konnten selbst nach möglichen früheren Verbindungen zwischen den Gemeinden suchen, indem sie mit Eisenstangen Kies ausfindig machten, der den Untergrund der Hofwege bildet.

Diesem Geschlecht ist auch das „Heilthum von Andechs” zuzurechnen, das eine Pilgerbewegung ohnegleichen ausgelöst hat. Solches Erbe bedarf desselben Schutzes wie die Natur, im Zweifelsfall sollten beide gegeneinander abgewogen werden.

Von den Hofwegen der Herzöge und Heiligen, die später auch Pilgerwege wurden und als älteste, urkundlich belegte in Bayern gelten (1123) befinden sich zwei Varianten zwischen Neuer Ammer und Mitterfischen beziehungsweise Aidenried.

Sie sind im amtlichen, digitalen Bayernatlas eingetragen, wurden auf ein Fußgänger-Navigationsgerät heruntergeladen und mit dessen Hilfe mehrfach begangen. Dabei hat amn mit dünnen Eisenstangen mit Griff und Spitze das Moor nach Kiesvorhaben – als Indiz für den Weg – abgestochert.

Mit Eisenstangen nach Kies gesucht

Nach mehrfachem Abgehen wurde der Nachweis der Hofwegteile als hinreichend erachtet und in zwei Führungen der Öffentlichkeit angekündigt und vorgestellt. Das Interesse aus den Gemeinden Dießen und Pähl war beeindruckend, etliche Frauen und Männer suchten neugieig die Pfade ab. Auch eine junge Frau aus Raisting war dabei. Über das gegenseitige Kennenlernen hinaus erfolgte ein reger Erfahrungsaustausch. Die Teilnehmer konnten selbst mit den erwähnten Stangen im Moor nach Kies suchen, man war sich gegenseitig beim Überqueren von Bachläufen und im dichteren Schilf behilflich.

Es war ein schöner, zum Teil auch abenteuerlicher Spaziergang, der anhand der abgebildeten Karte von jedem ohne weiteres nachgegangen werden kann: Vom Kindergarten in Mitterfischen zur Neuen Ammer, von dort in Richtung Aidenried und schließlich auf dem Wirtschaftsweg neben der Straße zurück zum Kindergarten. Man braucht dafür eine gute Stunde.

Zwei Kapellen „Maria Schnee”

Kreuzreliquiar (um 1390) mit Zweig von der Dornenkrone Christi.

Sowohl in Dießen (Bischofsried) wie auch in Aidenried gibt es jeweils eine unter das Patrozinium „Maria Schnee” gestellte Kapelle. Mag sein, dass das zufällig ist, aber es mag auch sein, dass das eingangs erwähnte Prägende der gemeinsam betreuten Landschaft dazu geführt hat. Gemeinsam ist jedenfalls der tiefe und feste Glaube an die Reinheit. Die Legende erzählt, dass Papst Liberius (352 – 366) die Jungfrau im Traum erschien und ihm auftrug, an der Stelle eine Kirche zu bauen, an der er Schnee vorfinden würde.

Als es dann am 5. August 352 auf dem Esquilin, dem höchsten der sieben Hügel, auf denen Rom gebaut ist, mitten im glutheißen Sommer schneite, befolgte er die Anweisung sofort. Die dort errichtete bedeutendste Marienkirche des Abendlandes wurde 431, nach dem Konzil in Ephesus, „Santa Maria Maggiore” geweiht.

Eine andere Interpretation ist die, dass der vom Himmel fallende Schnee als Inbegriff der Reinheit angesehen wird, wie er sich zum Beispiel im Wort „schneeweiß” ausdrückt und der Maria zugeordnet wurde.

Und so heißt es bei Matthäus 1,24 deshalb auch: „Da nun Joseph vom Schlaf erwachte, tat er, wie ihm aufgetragen der Engel des Herrn, und nahm seine Frau an.”

Horst Reimann