Mix aus Kommerz und Kunst Marktgemeinderat Dießen legt Nutzung des Blauen Hauses fest

Petra Straub  20. September 2016

An der künftigen Nutzung des Blauen Hauses wird sich nicht viel ändern. Die Gemeinde wird die Räume nicht mehr an einen, sondern an mehrere Firmen vermieten und den Veranstaltungssaal in Eigenregie betreiben. Foto: AK-Archiv

Dießen – Bei der vergangenen Gemeinderatssitzung hat sich das Gremium mit einer Gegenstimme von Michael Hofmann (Bayernpartei) über die weitere Nutzung des Blauen Hauses geeinigt. Demnach sollen Verträge mit den vier Mietparteien im Obergeschoss geschlossen und der mit der Kultcafé-Betreiberin Christine Graf fortgeführt werden. Der Saal soll weiterhin für kulturelle Veranstaltungen zur Verfügung stehen und künftig von der Marktgemeinde verwaltet werden.

Eingangs erläuterte Bürgermeister Herbert Kirsch (Dießener Bürger) den Ist-Stand. Der Mietvertrag mit Architekt Bahls läuft Ende Juli nächsten Jahres aus. Die vier Parteien, an die Bahls Büro- und Gemeinschaftsräume untervermietet hat, sind an einer weiteren Nutzung der Räume interessiert.

Zudem haben 14 Kunst- und Kulturschaffende in einem offenen Brief Mitte August ihrem Wunsch Ausdruck verliehen, dass der große Saal als unabhängiger und öffentlicher Kulturraum erhalten bleibt und der Kulturszene in Dießen und Umgebung kostengünstig zur Verfügung gestellt wird. Die Gemeindeverwaltung solle die Belegung steuern. Die Nutzung im Obergeschoss kann nach Meinung der genannten Künstler unverändert bleiben. Das Café sehen die Künstler als Ergänzung bei Veranstaltungen an, sollte aber vom Saal getrennt sein. Es soll keinen Konsumzwang geben.

Alternativ liegt von der Mieterin des Cafés und des Ausstellungsraumes ein Konzept vor. Es sieht entweder die Vermietung des ganzen Hauses vor oder die Vermietung an verschiedene Nutzer mit einer kommerziellen und kulturellen Nutzung durch die Gemeinde. Dabei solle die Kommune den Erlös aus kommerzieller Nutzung erhalten und die kulturell genutzten Räume der zwei Säle sowie die zweite Etage für ein öffentliches Kulturprogramm kostenlos zur Verfügung stellen.

Gemeinderat Michael Hofmann erläuterte bei der Sitzung die Vorstellungen von Bayernpartei und Heimatforscher, die sich im Kellergeschoss die Ausstellung von Grabkreuzen der Kunstschmiede Spensberger sowie Vorführungen wünschen. Die angrenzende Wohnung könne der „Tafel” zur Verfügung gestellt werden. Hofmann wies darauf hin, dass für den Keller des Blauen Hauses ein Antrag auf Denkmalschutz gestellt worden sei. Im Parterre soll der Saal durch die Gemeinde vermietet und das Café weiterhin verpachtet werden. Im Obergeschoss sollen unter anderem die Modelleisenbahn von Anton Keil, das Puppenmuseum von Ilse Schweizer und die historische Bader- und Barbier-Sammlung von Alfons Kotzbauer sowie die historische Hammerschmiede als Grundelemente gezeigt werden. Zudem soll Platz für weitere Ausstellungen bleiben. Im Dachgeschoss könnte ein öffentlich zugängliches Archiv der Heimatforscher entstehen.

Hofmann stellte den Antrag, über ein Bürgerbeteiligungsverfahren im Rahmen des Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzepts über die Nutzung des Blauen Hauses, eine „kulturelle Heimat für alle Dießener” abzustimmen. Dafür votierte jedoch nur er selbst.

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„Das Haus muss sich tragen”

Jetzt werden noch Einzelheiten zur Saalnutzung ausgearbeitet

Die Ratsmitglieder einigten sich mit der Gegenstimme von Michael Hofmann darauf, mit Ablauf des Mietvertrags mit der Firma Bahlsconcept zum 31. Juli 2017 die Nutzung im Obergeschoss beizubehalten und den Mietern der Büro- und Gemeinschaftsräume zum 1. August 2017 neue Verträge anzubieten. Zudem entschieden sie, Pächterin Christine Graf das Kult-Café im Parterre weiterhin zur Miete anzubieten und den Ausstellungsraum daneben für Kunst und Kultur sowie anderweitige Veranstaltungen zur Verfügung zu stellen. Einzelheiten wie die Abwicklung und die Kosten müssen noch vereinbart werden. Die Gemeinderäte Michael Behrendt (UBV), Michael Fuchs-Gamböck (parteifrei) und Erich Schöpflin (SPD) haben sich bereiterklärt, an den Festsetzungen mitzuwirken. Den Raum hinter der Ausstellungshalle will das Gremium weiterhin dem bisherigen Mieter anbieten.

Falls dieser kein Interesse hat, soll er wie der Saal für den Bereich Kunst und Kultur genutzt werden. Offen gelassen wurde, wie das Dachgeschoss künftig genutzt wird. „Das Haus muss sich tragen”, erklärte Gemeinderat Franz Kubat (Dießener Bürger) seine Entscheidung. Seinen Angaben nach würden die Mieteinnahmen für die Sanierung gebraucht. Die Marktgemeinde sei nicht da, um für das Gewerbe Mieträume vorzuhalten, widersprach Hofmann. Auch eine kulturelle Nutzung bringe Einnahmen durch Eintritte von Touristen. Die Entscheidung für die gewerbliche Nutzung sei auch eine Entscheidung für Arbeitsplätze am Ort, erklärte Gemeinderätin Marianne Scharr (Dießener Bürger). Ratskollege Martin Brink (Freie Wähler) stimmte ebenfalls für die Mischnutzung und sprach sich damit gegen eine Nutzung aus, „die nur Kosten beschert”. Gemeinderätin Petra Sander (Grüne) erinnerte an die Entscheidung des Marktgemeinderats 2004. Aufgrund der schlechten finanziellen Lage damals habe man einen Vertrag mit günstigem Zins für den Mieter geschlossen. Sander ist sich sicher, dass es für den Saal einen Raumbedarf für niederschwellige Angebote gibt, etwa für Schul- oder politische Veranstaltungen. Auch für Veranstaltungen wie das Kurzfilmfestival mit der Jugendveranstaltung „Flimmerfisch”, die Ausstellung „das kleine format” sowie Vereinsveranstaltungen solle man den Saal freihalten. Der Mehrzweckraum im Bahnhof sei „zu klein geraten” und dem Vermieter zugeschlagen worden.